Der Umzugswagen ist schon vorgefahren: Die Notariate ziehen um. Fotos: him

Bedingt durch die Nota­ri­ats­re­form wer­den im nächs­ten Jahr zwei städ­ti­sche Gebäu­de weit­ge­hend leer ste­hen. Die vor­vo­ri­ge Lan­des­re­gie­rung hat­te die Reform beschlos­sen, um das Nota­ri­ats­we­sen dem im übri­gen Bun­des­ge­biet übli­chen Modell anzu­pas­sen.

Dort arbei­ten die meis­ten Nota­re als Frei­be­ruf­ler und sind für Grund­stücks­ge­schäf­te, Gesell­schaf­ter­ver­trä­ge oder Grund­buch­ab­schrif­ten zustän­dig. Das wird ab dem 1. Janu­ar auch in Baden-Würt­tem­berg gel­ten. Betreu­ungs-, Vor­mund­schafts- und Erb­schafts­fra­gen wer­den künf­tig von den Amts­ge­rich­ten gere­gelt. Die vier Nota­ria­te in Schram­berg sind bis­lang für Schram­berg mit den Orts­tei­len Sul­gen, Wald­mös­sin­gen und Ten­nen­bronn  sowie die Raum­schaft mit Schiltach, Schen­ken­zell, Lau­ter­bach, Aich­hal­den und Hardt zustän­dig gewe­sen.

Nur einer macht sich selbständig

Von den vier Nota­ria­ten in Schram­berg wird künf­tig nur noch eines wei­ter bestehen. Notar Chris­ti­an Klumpp wagt den Sprung in die Selb­stän­dig­keit. Er hat künf­tig sein Büro im H.A.U.-Businesscenter. Für alle Grund­stücks- und Ver­trags­an­ge­le­gen­hei­ten kann man sei­ne Diens­te in Anspruch neh­men. Muss aber nicht, denn es steht  den Kun­den künf­tig frei, wie bei Rechts­an­wäl­ten frei wel­chen Notar sie wäh­len.

Ten­nen­bron­ner könn­ten auch zu einem Notar nach Vil­lin­gen oder Stutt­gart gehen“, erläu­tert der Vize­prä­si­dent des Land­ge­richts Rott­weil Dr. Thi­lo Reb­mann auf Nach­fra­ge der NRWZ. Die Schram­ber­ger Nota­re Fio­na Dold und Tino Vischer wech­seln nach Obern­dorf, Andre­as Knoll nach Rott­weil zu den jewei­li­gen Amts­ge­rich­ten. Sie wer­den dort wei­ter­hin ihrer Auf­ga­ben als Nach­lass- oder Betreu­ungs­rich­ter aus­üben.

Ob der Über­gang funk­tio­niert und alle Akten  gleich zu Jah­res­be­ginn am rich­ti­gen Ort sind? “Hof­fent­lich“, meint Reb­mann. Man habe alles Men­schen­mög­li­che unter­nom­men, dass der Über­gang klappt. Aber bei einer  so rie­si­gen Reform sei auch klar, dass „nicht alles zum 1.1. Null Uhr am rich­ti­gen Fleck sein kann.“

Was wird aus den Gebäuden?

Nach dem Aus­zug der vier Nota­re wer­den die bei­den Gebäu­de an der Ber­neck­stra­ße weit­ge­hend leer ste­hen. Im denk­mal­ge­schütz­ten Eck­haus befin­det sich noch eine Kin­der­arzt­pra­xis. Dr. Johan­nes Schel­ling will aller­dings ins im Bau befind­li­che Ärz­te­haus umzie­hen. 

Bald weit­ge­hend leer: Das denk­mal­ge­schütz­te Nota­ri­ats­ge­bäu­de an der Ecke Weihergasse/Berneckstraße.

Was dann mit den bei­den Gebäu­den gesche­hen soll, ist noch offen. Bis­her, so Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog, gäbe es noch kei­ne kon­kre­ten Plä­ne für eine mög­li­che Wei­ter­nut­zung. „Wir wer­den uns im kom­men­den Jahr damit befas­sen.“ Bei­de Gebäu­de sind nicht bar­rie­re­frei, haben kei­ne Auf­zü­ge. Das macht eine Nut­zung als öffent­li­ches Gebäu­de schwie­rig.

Info: Die baden-würt­tem­ber­gi­sche Nota­ri­ats­re­form und die Grund­buch­re­form sei­en „gemein­sam die größ­te Reform in der Geschich­te der baden-würt­tem­ber­gi­schen Jus­tiz“, so das Lan­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. Bei­de gehen auf Ent­schei­dun­gen der schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung in den Jah­ren 2008 und 2009 zurück und wer­den zum 1. Janu­ar 2018 abge­schlos­sen sein. Infor­ma­tio­nen fin­den sich auf http://www.notariatsreform.de/pb/,Lde/Startseite