NRWZ.de, 17. September 2021, Autor/Quelle: Louisa Mugabo (lm)

Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Aladin & Frieda abgeschoben

Trotz Ausbildungsvertrag mitten in der Nacht nach Armenien gebracht

In diesem Moment sitzt eine Familie aus Lauterbach in einem Flugzeug, das sie von Köln nach Armenien bringt. Es handelt sich um eine Frau mit zwei Kindern im Grundschulalter und die Großmutter der Kinder. „Wir wollen nicht zurück“, schrieb die verzweifelte Mutter Naira K. kurz vor ihrem Abflug. Doch sie müssen. Nach viereinhalb Jahren im Schwarzwald wird die armenische Familie abgeschoben.

Mitten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, gegen 3:00 Uhr morgens, kamen Polizisten in die Wohnung der Familie. Die Frau berichtet, sie hätten ihnen eine Stunde gegeben, ihre Sachen zu packen, um dann an den Flughafen gebracht zu werden. „Meine Kinder hatten sehr viel Angst und haben geweint“, berichtete Naira K. der NRWZ via WhatsApp auf ihrem Weg nach Köln.

Die Familie ist in Lauterbach bekannt und engagiert. Die junge Frau arbeitet seit Jahren ehrenamtlich im Integrationsprojekt Aladin und Frieda mit. Laut Geschäftsführerin Sonja Rajsp wurde Naira K. zur tragenden Säule im Team des Begegnungsrestaurants und sei für ihre legendären Torten über Lauterbach hinaus bekannt. Die zwei Kinder hatten sich ebenso gut im Schwarzwalddorf integriert und besuchten die Grundschule.

Seit zwei Jahren versuchte der Trägerverein des Projekts, Fair in die Zukunft, die junge Armenierin als Auszubildende anzustellen. Was laut Landratsamt für den Ausbildungsvertrag allerdings fehlte, war ein gültiger Pass der Frau. Diesen beantragte sie daher auf Bitte der Behörde bei der zuständigen Botschaft. „Wir wollten sie jetzt zum ersten September mit einem neuen Ausbildungsvertrag anstellen“, berichtet Rajsp. Der Vertrag sei sogar bei der IHK hinterlegt. Doch bisher kam trotz Nachfrage seitens des Ausbildungsbetriebs und der Ausländerbehörde keine Freigabe für den Beginn der Ausbildung. Und nun, kaum im Besitz des Passes, wurde Naira K. gemeinsam mit ihrer Familie abgeschoben.

„Es ist eine Schande, dass jemand der super integriert und fleißig ist und arbeiten möchte, abgeschoben wird“, meint Rajsp. „Die Familie wurde in der Nacht mit üblen Methoden mitten aus dem Leben gerissen“. Fair in die Zukunft wird eine Spendenaktion zur Unterstützung der Familie starten und versuchen, mit der Familie in Kontakt zu bleiben. Spendenkonto: DE26 6439 0130 0643 6110 02.

Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Aladin & Frieda abgeschoben