Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg an Wolfgang Reiner aus Tennenbronn

Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg an Wolfgang Reiner aus Tennenbronn

Endlich lässt das Infektionsgeschehen wieder schöne Veranstaltungen zu! Die Übergabe der Landesehrennadel an Wolfgang Reiner, der unter anderem mehr als 15 Jahre Erster Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Baden-Württemberg war, konnte aufgrund Corona nun im dritten Anlauf stattfinden. Das berichtet die Stadt in einer Presemitteilung.

Bei einer kleinen Feier im Schloss habe Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr Wolfgang Reiner aus Tennenbronn geehrt. In ihrer Laudatio hob sie das besondere Engagement Reiners für die Belange gehörloser Menschen hervor. Die Durchsetzung gleichberechtigter Teilhabe und kommunikative Barrierefreiheit für hörgeschädigte Menschen ist ihm ein persönliches Anliegen. Dafür hat er, selbst auch gehörlos, wichtige Prozesse in Politik und Gesellschaft kritisch begleitet und die Interessen der Gehörlosen eingebracht, beispielsweise bei der Ausgestaltung des
Landesbehindertengleichstellungsgesetzes, das 2014 verabschiedet wurde.

Er kämpfte auch mit Erfolg für die Kostenübernahme von Gebärdensprachdolmetschern bei schulischen Veranstaltungen, Elternabenden, Kindergärten, oder gegen die Reduktion von Beratungsstellen für Menschen mit Hörbehinderung in Baden-Württemberg. „Menschen wie Sie sorgen dafür, dass wir als Gesellschaft uns gut entwickeln und dass uns normal Hörenden die Augen geöffnet werden für die
Bedürfnisse von gehörlosen Menschen.“, lobte Dorothee Eisenlohr den Geehrten.

Viel Zeit geopfert

Dieter Steuer überbrachte im Auftrag des Landesverbandes der Gehörlosen die Glückwünsche und dankte Wolfgang Reiner für sein Engagement. Neben seiner Arbeit als Maschinenbauschlosser im Schichtdienst habe er für das Ehrenamt oft mehrmals wöchentlich die Strecke von Tennenbronn nach Stuttgart auf sich genommen.

Strahlend nahm Reiner seine Ehrung entgegen. „In meiner Funktion als Erster Vorsitzender habe ich selbst so oft andere ehren dürfen. Heute bin ich an der Reihe“, freute er sich gebärdend. Er verbrachte seine Schulzeit zusammen mit anderen Menschen mit Hörbeeinträchtigung im Internat in Heiligenbronn. Sehr herausfordernd sei es gewesen, als er danach ins Arbeitsleben startete und nur Hörende um sich hatte. „Die Kommunikation war sehr schwierig,“ erzählte der Geehrte.

Das sei der Beginn seines Engagements gewesen, zunächst beim Gehörlosenverein in Villingen-Schwenningen, beim Landesverband in Stuttgart und aktuell auch gemeinsam mit seiner Frau beim Gehörlosenverein Rottweil. Gekommen war Wolfgang Reiner mit seiner Frau Kerstin Reiner-Berthold, die sich ebenfalls für die Belange von Gehörlosen engagiert, und seiner Tochter Linda.

Die fordernde Aufgabe des Dolmetschens an diesem Abend übernahm Margot Hahn-Grönke. Seit 2002 ist die Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt. Zum Wintersemester 2021/2022 wird, erstmalig in Baden-Württemberg, an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg der Bachelorstudiengang Gebärdensprachdolmetschen angeboten.

Die anschließende Führung mit der stellvertretenden Museumsleiterin Annette Hehr durch die Majolika-Sonderausstellung weckte die Idee, im Museum öfter Führungen mit Gebärdenverdolmetschung anzubieten. „Die Ehrung von Herrn Reiner hat uns von der Stadtverwaltung nochmals stärker für die Bedürfnisse gehörloser Menschen sensibilisiert,“ sagte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. „Wir möchten unsere
Veranstaltungen künftig mehr für Sie öffnen.“ Denkbar, so Eisenlohr, wäre zum Beispiel eine Gebärdenverdolmetschung beim städtischen Neujahrsempfang.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 14. Juli 2021 von Pressemitteilung (pm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/ehrennadel-des-landes-baden-wuerttemberg-an-wolfgang-reiner-aus-tennenbronn/318249