Michael Kammergruber (links) erläutert das Prinzip der Ökopunkte und des Ökokontos. Fotos: him

Damit die Natur nicht all­zu sehr in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird, wenn ein neu­es Wohn­ge­biet,  eine Stra­ße oder eine Fabrik gebaut wer­den, haben die Län­der seit Mit­te der 90er Jah­re Öko­kon­ten ein­ge­führt. Wer Natur ver­braucht, der soll der Natur an ande­rer Stel­le eben­so viel wie­der zurück geben, so die Idee.

Dazu ermit­teln die Exper­ten, wie vie­le Öko­punk­te ein Gebiet vor der Bebau­ung wert war. Wie­sen, Wald, Fel­der, je nach­dem gibt es Öko­punk­te pro Qua­drat­me­ter. Je öko­lo­gisch wert­vol­ler des­to mehr Punk­te gibt es.  Nach der Bebau­ung wird wie­der  geschaut: Eine Stra­ße bekommt wenig Punk­te, ein Blu­men­gar­ten mehr.  Dann   zieht man von­ein­an­der ab, vor­her nach­her – und die Dif­fe­renz muss über das Öko­kon­to aus­ge­gli­chen wer­den.

Dazu ver­wan­delt eine Gemein­de bei­spiels­wei­se ein bis­her land­wirt­schaft­lich genutz­tes Gebiet wie­der in ein gro­ßes Bio­top um, wie auf dem Sul­gen das Gebiet Wei­her­wa­sen. Auch hier schau­en die Exper­ten vor­her – nach­her. Aus einer häu­fig gemäh­ten, für die Natur wenig wert­vol­len Wie­se wird ein Tüm­pel mit Libel­len und Fischen, der öko­lo­gi­sche Wert steigt. Der Gewinn hier wird mit dem Ver­lust an ande­rer Stel­le über das Öko­kon­to ver­rech­net.

Im Wei­her­moos ist dank Öko­kon­to ein gro­ßes Nah­erho­lungs­ge­biet mit sel­te­nen Pflan­zen und Tie­ren ent­stan­den. Foto: him

Die CDU-Frak­ti­on hat­te eine Anfra­ge an die Ver­wal­tung gerich­tet, weil sie wis­sen woll­te, was die Öko­punk­te bei uns und anders­wo kos­ten. Der Gedan­ke: Wenn es anders­wo güns­ti­ger ist, wes­halb kau­fen wir kei­ne Öko­punk­te bei ande­ren Kom­mu­nen ein?

Stadt­pla­ner Micha­el Kam­mer­gru­ber hat im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik das Sys­tem erklärt und anhand von Bei­spie­len auf Schram­ber­ger Gemar­kung erläu­tert. Neben dem Wei­her­moos sind die Pfer­schel­wie­sen in Wald­mös­sin­gen ein gro­ßes Gebiet für Öko­aus­gleich. Dane­ben gibt es aber auch klei­ne­re Maß­nah­men, die sich posi­tiv auf dem Öko­kon­to nie­der­schla­gen: Eine neue Obst­baum­wie­se beim Bir­ken­hof, bei­spiels­wei­se.

Die CDU-Frak­ti­on muss­te eine gan­ze Wei­le auf die­se Ant­wor­ten war­ten, krank­heits­be­dingt hat­te die Ver­wal­tung erst jetzt einen umfas­sen­den Bericht vor­ge­legt. Kam­mer­gru­ber rech­ne­te am Bei­spiel Wei­her­wa­sen vor, dass ein Öko­punkt in Schram­berg 0,144 Euro rei­ne Öko­kos­ten bedingt. Neh­me man die Grund­er­werbs­kos­ten hin­zu, kom­me man auf 30 Cent. In Rott­weil kos­te ein Punkt die Stadt 90 Cent, so Kam­mer­gru­ber, in der Regi­on Donau/Iller sogar  1,09 Euro, ohne Grund­er­werb.

CDU-Stadt­rat Jür­gen Kaupp (CDU) hak­te nach, er woll­te wis­sen, ob die Öko­punk­te auf den Kauf­preis umge­wälzt wer­den. So sei es, mein­te Lin­da Nie­bel, Bau­rechts­fach­frau. Über die Erschlie­ßungs­bei­trä­ge wer­den auch die Öko­punk­te abge­rech­net. „Je güns­ti­ger wir auf eige­ner Gemar­kung Öko­punk­te hin­be­kom­men“, ergänz­te OB Tho­mas Her­zog, „des­to güns­ti­ger ist es für die Bau­her­ren.“

Josef Gün­ter (SPD/Buntspecht) fand es „sehr posi­tiv, dass die Punk­te auf der städ­ti­schen Gemar­kung abge­ar­bei­tet wer­den.” Das nut­ze den Men­schen hier, die Gemar­kung wer­de dadurch hoch­wer­ti­ger. Auch die Offen­hal­tung der Land­schaft durch Bewei­dung begrüß­te er. Da wer­de es wohl in Zukunft schwie­ri­ger, Bewirt­schaf­ter zu fin­den.

Am Sei­ler­weg­le sor­gen Zie­gen dafür, dass nicht alles zuwächst. Auch dafür gibt es Öko­punk­te. Foto: him

Kaupp woll­te den­noch den Ver­wal­tungs­vor­schlag abge­än­dert sehen und das Wort grund­sätz­lich gestri­chen haben. Es soll­te nicht grund­sätz­lich der Aus­gleich auf städ­ti­scher Gemar­kung erfol­gen, son­dern nur „so lan­ge die auf dem frei­en Markt erhält­li­chen Öko­punk­te teu­rer sind.” Udo Neu­deck (Freie Lis­te)  dage­gen woll­te, dass die Öko-Punk­te bei uns ein­ge­setzt wer­den, „auch wenn es drau­ßen bil­li­ger wäre.“ So sah es die Aus­schuss­mehr­heit und lehn­te mit sie­ben zu drei Stim­men den Ände­rungs­an­trag ab.