Moritz Meyer mit seiner Ehefrau Julie Meyer und seinem Sohn Peter Meyer in den 1930er-Jahren. Foto: Privat

In Koope­ra­ti­on mit „Gegen Ver­ges­sen – Für Demo­kra­tie“ wird in der Gro­ßen Kreis­stadt Schram­berg auch in die­sem Jahr wie­der der Gedenk­tag für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus began­gen, in des­sen Mit­tel­punkt die Erin­ne­rung an das Schick­sal von Ehren­bür­ger Moritz Mey­er ste­hen wird. Dar­über schreibt Stadt­ar­chi­var Cars­ten Kohl­mann:

Die Gedenk­fei­er beginnt am Mon­tag, 28. Janu­ar, um 18.30 Uhr, mit einer Rede und Kranz­nie­der­le­gung von Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog beim Gedenk­stein für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus und dem Mahn­mal „Des Bru­ders Tod“ des Künst­lers Sieg­fried Haas (1921–2011) bei der Real­schu­le am Müh­le­gra­ben. Eine Abord­nung der Stadt­mu­sik Schram­berg wird die Gedenk­stun­de umrah­men. Im Anschluss wird Ober­stu­di­en­rat a.D. Gün­ter Buch­holz um 19 Uhr im Lese-Café in der Media­thek in einem Vor­trag über das The­ma „Moritz Mey­er – ein Leben zum Wohl der Stadt Schram­berg“ refe­rie­ren.

Retter der Majolika

1912 erweck­te der Bank­kauf­mann Moritz Mey­er (1889–1970) zusam­men mit sei­nem Bru­der Leo­pold Mey­er (1879–1957) aus Hes­sen und einer Grup­pe beherz­ter Fach­ar­bei­ter die nach der Still­le­gung vom Unter­gang bedroh­te Stein­gut­fa­brik in Schram­berg zu neu­em Leben. Unter dem neu­en Namen „Schram­ber­ger Majo­li­ka­fa­brik“ blieb der Tra­di­ti­ons­be­trieb mit dem stol­zen Grün­dungs­jahr 1820 dadurch der Indus­trie­stadt Schram­berg erhal­ten. Die Pro­duk­te des Kera­mik­her­stel­lers wur­den in vie­le Län­der expor­tiert und stel­len bis heu­te wich­ti­ge „Hei­mat­schät­ze“ und „Mar­ken­bot­schaf­ter“ der Fünf­tä­ler­stadt Schram­berg im Schwarz­wald dar.

Flucht vor den Nazis

In der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus mach­te die dama­li­ge Gewalt­herr­schaft der deutsch-jüdi­schen Unter­neh­mer­fa­mi­lie in Schram­berg ihre Hei­mat strei­tig. Nach der Reichs­po­grom­nacht vom 9./10. Novem­ber 1938 wur­den die Gebrü­der Mey­er zusam­men mit ins­ge­samt 30.000 ande­ren deut­schen Juden fest­ge­nom­men und in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au ver­schleppt.

Unter Druck muss­ten sie ihre Schram­ber­ger Majo­li­ka­fa­brik an den NSDAP-Gau­amts­lei­ter Alfons Zel­ler (1903–1948) aus Stutt­gart weit unter ihrem Wert ver­kau­fen und ihr Leben durch Flucht nach Groß­bri­tan­ni­en und in die USA ret­ten. Meh­re­re Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge fie­len dem Mord an den euro­päi­schen Juden zum Opfer.

Wiederaufbau

Nach dem Ende der NS-Herr­schaft und der Resti­tu­ti­on sei­nes Unter­neh­mens kehr­te Moritz Mey­er als einer der weni­gen deutsch-jüdi­schen Emi­gran­ten wie­der nach Deutsch­land und nach Schram­berg zurück und wag­te in der schwie­ri­gen Nach­kriegs­zeit mit sei­ner Schram­ber­ger Majo­li­ka­fa­brik den erfolg­rei­chen Neu­be­ginn. Für sei­ne Lebens­leis­tung wur­de er 1964 von sei­ner Hei­mat­stadt, die er auch kul­tu­rell und sozi­al mit gro­ßem Enga­ge­ment unter­stütz­te, zum Ehren­bür­ger ernannt. Im Stadt­teil Sul­gen wur­de nach sei­nem Tod zu sei­nen Ehren auch eine Stra­ße nach ihm benannt.

Der Refe­rent gehört zu den ehren­amt­li­chen Mit­ar­bei­tern des Stadt­ar­chivs und Stadt­mu­se­ums Schram­berg und arbei­tet der­zeit an einer Fest­schrift zum 200-jäh­ri­gen Jubi­lä­um des heu­ti­gen Fir­men­parks in der ehe­ma­li­gen Schram­ber­ger Majo­li­ka-Fabrik, die 2020 erschei­nen wird. Dazu konn­te er die umfang­rei­chen Quel­len im Fami­li­en- und Fir­men­ar­chiv aus­wer­ten und wird auch bis­her unbe­kann­te Quel­len aus der alten Hei­mat der Fami­lie Mey­er in Stein­heim am Main in Hes­sen vor­stel­len.

Zu der Gedenk­fei­er und dem anschlie­ßen­den Vor­trag sind alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Zeit­zeu­gen aus dem Kreis der ehe­ma­li­gen Schram­ber­ger Majo­li­ka­fa­brik und ganz beson­ders auch Schü­le­rin­nen und Schü­ler, ein­ge­la­den. Der Ein­tritt ist frei.