Ein Schramberger mit Ecken und Kanten

Der Unternehmer Artur Pfaff starb im Alter 90 Jahren in seiner Heimatstadt

Die Spiralfedernfabrik Pfaff & Schlauder war über fast ein Jahrhundert ein wichtiger Teil in der Firmenlandschaft der Industriestadt Schramberg. Im Alter von 90 Jahren ist nun ihr letzter Eigentümer Artur Pfaff verstorben, der als Schramberger mit Ecken und Kanten in Erinnerung bleibt.

Am 24. Januar konnte Artur Pfaff noch das 90. Lebensjahr vollenden und sich bis kurz vor seinem Tod einer bemerkenswerten geistigen und körperlichen Frische erfreuen. Sein Lebensweg war von der schicksalhaften Geschichte eines Familienbetriebes geprägt, den er in der dritten Generation aufgeben musste. Bereits in ganz jungen Jahren hatte er aber auch in seiner eigenen Familie einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften. In seiner Heimatstadt war er im Alter als Bürger mit Ecken und Kanten bekannt, der einen sehr kritischen Blick auf Stadtverwaltung und Kommunalpolitik hatte.

Mit seinen geharnischten Briefen machte er sich keine Freunde. Im Rückblick hätte man ihm weniger „raue Schale“ gewünscht, um mehr den „guten Kern“ zeigen zu können. Aber wie nahezu jeder Mensch kam eben auch er ganz sprichwörtlich nicht aus seiner Haut heraus. Auf jeden Fall war Artur Pfaff aber ein „echter“ Schramberger – die Themen seines Zorns waren Themen, die nur „echte“ Schramberger beschäftigen (und aufregen können).

Zeitlebens verbunden war er als regelmäßiger Gottesdienstbesucher und langjähriger Kirchengemeinderat mit der Katholischen Kirchengemeinde seiner Heimatstadt. Auch die Gemeinschaft mit den Gleichaltrigen im Jahrgang 1928/29 bedeutete ihm viel. Oft sah man ihn auch bei den Vorträgen des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg und der Projektgruppe Tennenbronner Heimathaus.

Artur Pfaff wurde am 24. Januar 1929 als zweites Kind von Otto Pfaff (1892-1955) und Anna Pfaff (1896-1984) in Tübingen geboren. Mit seinem Elternhaus wurzelte er in der Tradition der Industrie- und Handwerkerstadt. Sein Vater war in zweiter Generation die Spiralfedernfabrik Pfaff & Schlauder tätig, seine Mutter stammte aus der Bierbrauerfamilie Schraivogel, die aus Rottenburg am Neckar nach Schramberg gekommen war.

Die Spiralfedernfabrik Pfaff & Schlauder war 1890 von seinem Großvater, dem Uhrmacher Gerson Pfaff (1860-1914), und dem Kaufmann Eugen Schlauder (1864-1927) gegründet worden und war stolz darauf, das älteste Unternehmen dieser Branche zu sein. Mit der Nummer 9 gehörte es auch zu den ersten Zulieferern von Robert Bosch (1861-1942) in Stuttgart. Im Wirtschaftswunder, das die junge Bundesrepublik Deutschland in den 1950er- und 1960er-Jahren erlebte, war Pfaff & Schlauder mit etwa 230 Beschäftigten das sechstgrößte Unternehmen in Schramberg. Damals exportierte die Firma zuweilen monatlich zwei bis drei Millionen Spiralfedern an Autotachometerhersteller in den USA.

Nach dem Abitur an der Oberschule Schramberg in der Zeit der „Währungsreform“ machte Artur Pfaff von 1948 bis 1951 wie bereits sein Vater eine Berufsausbildung zum Feinmechaniker und Uhrmacher in Furtwangen. Da sein Onkel, der kaufmännische Leiter Eugen Pfaff (1897-1950), erkrankte, folgte für seinen Neffen Artur Pfaff noch ein Studium der Betriebswirtschaft in Mannheim, das er als Diplom-Kaufmann abschloss.

Mit dem bald darauf folgenden Tod seines Vaters musste er 1955 im Alter von 26 Jahren als persönlich haftender Gesellschafter die Verantwortung für den Familienbetrieb übernehmen. Durch die erbvertragsbedingte Auszahlung der Witwe seines Onkels, Josefine Pfaff (1896-1956), lastete jedoch eine schwere Hypothek auf dem Betrieb und blockierte dringend erforderliche Investitionen in neue Produkte und Maschinen. „Mir sind lange Jahre die Finanzhände gebunden gewesen“, meinte Artur Pfaff vor eineinhalb Jahren in einem Interview mit dem Stadtarchiv Schramberg.

Überschattet war diese Zeit zudem vom Tod seiner ersten Ehefrau Elisabeth Pfaff, die im Alter von nur 33 Jahren an der Geburt der ersten Tochter starb. 1966 schloss er mit Rosemarie Bußmann eine zweite Ehe, der drei Söhne geschenkt wurden.

Im Lauf des Jahres 1981 nahmen die Gerüchte über eine Schließung des schon länger von Kurzarbeit betroffenen Unternehmens kontinuierlich zu. Am 1. Dezember 1981 erfuhr die Öffentlichkeit schließlich in der Lokalpresse von der Eröffnung des Konkursverfahrens durch das Amtsgericht Rottweil. Zuletzt hatte die Firma noch etwa 60 Beschäftigte in der Fabrik und 35 Heimarbeiterinnen.

Artur Pfaff musste sich harte Kritik anhören – insbesondere von der IG Metall – und mit seiner Familie eine schwere Zeit bewältigen. Er selbst sah die Belastung durch Betriebsrenten als Hauptgrund für den Konkurs. Zuletzt wäre er sogar bereit gewesen, die Firma an Betriebsangehörige oder andere Interessenten zu verschenken. Am Ende war trotz aller Probleme immerhin ein „Null auf Null“ aufgehender Konkurs möglich.

1982 fand Artur Pfaff eine Stelle als Leiter der deutschen Niederlassung der Firma Cleveland Lineartechnik aus den USA in Löffingen, bis er 1994 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand gehen konnte. In der ehemaligen Spiralfedernfabrik Pfaff & Schlauder siedelte sich die 1982 von Walter Bruker (1924-2018) gegründete Firma Bruker-Technik an, die seit 2005 zur Kern-Liebers-Gruppe gehört und die Gebäude bis 2015 nutzte.

Seitdem wartet das unter Denkmalschutz stehende Industriedenkmal – mittlerweile im Besitz von Norbert Fichter – auf eine Neubelebung. Mit dem Interview im Stadtarchiv Schramberg hat Artur Pfaff der Nachwelt ein wichtiges Zeugnis zur Wirtschaftsgeschichte der Industriestadt Schramberg hinterlassen.

 

-->

Mehr auf NRWZ.de