Einzigartige, handgemalte Papierkunst aus dem 18. Jahrhundert

Die Schweizer’sche Weihnachtskrippe im Stadtmuseum Schramberg

Am kommenden Freitag lädt das Stadtmuseum Schramberg zur Eröffnung seiner traditionellen Weihnachtskrippenausstellung ein. Darüber berichtet Museumsleiter Carsten Kohlmann:

Mit der „Schweizer’schen Weihnachtskrippe“ wird eine der ältesten Papierkrippen in Süddeutschland zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Die „Schweizer’sche Weihnachtskrippe“ ist die wertvollste bisher in Schramberg bekannt gewordene Weihnachtskrippe, die Teil einer so genannten „Jahreskrippe“ ist. Sie wurde 2016 bei der Auflösung des Nachlasses von Hans-Joachim Schweizer (1930-2015) entdeckt und von seiner Familie dem Stadtmuseum geschenkt.

In einer alten Pappschachtel auf dem Speicher des Gebäudes Hauptstraße 34 („Eisen-Schweizer“) hatte die umfangreiche Papierkrippe aus dem späten 18. Jahrhundert die Zeiten überdauert. Die Jahreszeitenkrippe besteht aus insgesamt 296 Figuren, Pflanzen, Tieren, Geräten und Kulissen mit Bibelszenen aus dem Alten und Neuen Testament. Sie wurde mit großer Kunstfertigkeit von Hand gemalt.

An der Entstehung der Jahreskrippe waren mehrere bislang noch unbekannte Künstler beteiligt. Ein Teil stammt jedoch offensichtlich aus der Umgebung der bayrisch-schwäbischen Krippenhauptstadt Augsburg, da der dafür als Material verwendete Papierabfall aus diesem Raum stammt. Das Ensemble gehört zu den ältesten in Süddeutschland erhalten gebliebenen Papierkrippen aus dem Spätbarock. Für die Krippenstadt Schramberg ist die „Schweizer’sche Weihnachtskrippe“ ein außergewöhnlicher und kostbarer Fund, den es zu erhalten gilt.

Die Hirten

Die ursprüngliche Aufstellung der Jahreskrippe ist nicht überliefert. Nach der Inventarisierung durch Julia Kieninger (Freiwilliges Soziales Jahr) haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter des „Arbeitskreises Krippen“, Walter Hartmann, Richard Marte, Ferdinand Moosmann und Thomas Rapp, mit Unterstützung durch Antonia Amann (Freiwilliges Soziales Jahr) in mehrmonatiger Arbeit eine Landschaftskulisse für die erstmalige Präsentation eines großen Teiles der Jahreskrippe geschaffen. Die Restauratorin Sabine Grimmig hat ein Drittel des Bestandes konservatorisch bearbeitet. Zur Fortsetzung der konservatorischen Maßnahmen sammelt das Stadtmuseum Spenden und bietet Patenschaften für Figuren, Pflanzen, Tiere, Geräte und Kulissen an.

Mit der Sonderausstellung ist vom ersten Advent bis Maria Lichtmeß auch die Dauerausstellung mit der Krippensammlung des Stadtmuseums wieder geöffnet. Sie wird in der Saison 2018/19 durch einige Uhrenkastenkrippen von Karlheinz Simon aus Schramberg ergänzt, welche die Dauer- und Sonderausstellung durch einen „Krippenweg“ miteinander verbinden.

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 30. November, 19.30 Uhr, im Stadtmuseum sind alle Bürgerinnen und Bürger willkommen. Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Thomas Herzog werden Carsten Kohlmann und Annette Hehr vom Stadtmuseum über die „Schweizer’sche Weihnachtskrippe“ in der süddeutschen Papierkrippenwelt und als konservatorisch-museale Aufgabe sprechen. Die Ausstellungseröffnung wird durch Annette Kasenbacher (Gesang) und Claudia Habermann (Klavier) musikalisch umrahmt.

Für Familien gibt es am Eröffnungstag von 15 bis 17 Uhr mit Annette Hehr und Raphaela Schneider vom Stadtmuseum die Gelegenheit, die „Schweizer’sche Weihnachtskrippe“ mit einem Kinderprogramm vorab erleben zu können. Im Anschluss können Scherenschnitt-Fensterbilder mit Krippenmotiv gebastelt werden. Es ist keine Anmeldung erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Figurengruppe aus der „Schweizer’schen Weihnachtskrippe“

Info: Die Ausstellung „Die Schweizer’sche Weihnachtskrippe“ wird vom 1. Dezember bis 3. Februar 2018 im Stadtmuseum gezeigt (Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonntag/Feiertag 11 – 17 Uhr, Heiligabend, Silvester und Neujahr geschlossen). Zur Ausstellung erscheint eine neue Postkarte, die als Weihnachtsgruß verwendet werden kann und für einen Euro im Stadtarchiv und Stadtmuseum erhältlich ist. Als Begleitpublikation wird ein Bericht in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Der Bayerische Krippenfreund“ für 1.50 Euro angeboten.

 

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