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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Schram­berg Elfer­rat: Ver­jün­gung geht wei­ter

Elferrat: Verjüngung geht weiter

Nar­ren­zunft hält ihre 109. Mit­glie­der­ver­samm­lung

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SCHRAMBERG  (him) –  Gut besucht war die tra­di­tio­nel­le Mit­glie­der­ver­samm­lung der Nar­ren­zunft Schram­berg am 11. Novem­ber in der Brau­stu­be. Die 109. Mit­glie­der­ver­samm­lung brach­te zwei Über­ra­schun­gen, eine zu Beginn und eine bei den Wah­len.

Über­ra­schung eins war die Begrü­ßung der neu­en Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr durch Zunft­meis­ter Micha­el Mel­vin. Sie habe ja schon Gele­gen­heit gehabt, die ande­ren Nar­ren­ver­ei­ne der Stadt ken­nen zu ler­nen: die Gemein­de­rats­frak­tio­nen näm­lich mit ihrem Ober­nar­ren­ver­ein Akti­ve Bür­ger. Er berich­te­te auch, dass die  die neu­en Wirts­leu­te Ber­nard Chau­vet und San­dra Reich die Brau­stu­be über die Fas­net öff­nen woll­ten.

Will­kom­men hieß er auch Karl-Heinz Stef­fan vom Trach­ten­ver­ein und warb dafür, dort Mit­glied zu wer­den. Wie es sich gehört, bedank­te sich Mel­vin bei allen, die die Schram­ber­ger Fas­net – „das größ­te Volks­fest uns­rer Stadt“ – mög­lich machen und beglei­ten. Von den Musi­kern über die Hilfs­diens­te, die Stadt­ver­wal­tung, den Bür­ger­ver­ei­ni­gun­gen, den Nar­ren­blätt­le­ma­chern, den Spon­so­ren, den Ober­nar­ren bis zu sei­nen Elfer­rats­kol­le­gen und den Elfer­frau­en.

Micha­el Mel­vin

Krit­zel­meis­ter Micha­el Wied­mai­er hat­te wie­der den Jah­res­rück­blick vom Abstau­ben, den aus­ge­fal­le­nen Rol­letag in Hardt, über das Land­schafts­tref­fen in Offen­burg „bei hoch­som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren“  bis zum Han­sel­sprung, bei dem teil­wei­se bis zu zwölf Kehrau­se unter­wegs gewe­sen sei­en.

Wirtschaftlich gesund

Der Kas­sen­be­richt von Säckel­meis­ter Arno Jauch war knap­per gehal­ten, dafür zah­len­mä­ßig üppi­ger. Wegen des erneut schlech­ten Wet­ters beim Umzug sei­en noch weni­ger Abzei­chen ver­kauft wor­den als im Jahr zuvor. Ins­ge­samt habe die Nar­ren­zunft gut 80.000 Euro Umsatz gemacht. Unter dem Strich sei­en gera­de mal 66 Euro übrig geblie­ben. „Eine schwar­zer Null halt.“ Der Ver­ein ver­fü­ge über etwa 18.000 Euro liqui­de Mit­tel und ste­he „wei­ter wirt­schaft­lich auf gesun­den Füßen“.

Nach­dem der Kas­sen­prü­fer Franz Rapp dem Säckel­meis­ter beschei­nigt hat­te, er füh­re die Kas­se her­vor­ra­gend, erfolg­te die von Rapp bean­trag­te Ent­las­tung ein­stim­mig.

Ungewöhnliche Entlastung

Die Ent­las­tung des Elfer­rats bean­trag­te Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr auf eher unkon­ven­tio­nel­le Wei­se. Sie sei ja nicht dabei gewe­sen. Aber wenn man die Berich­te höre, „könn­te man glau­ben, sie haben das ganz gut gemacht“, flachs­te sie. „Wenn man bedenkt, dass das mit einer 100-Pro­­zent-Män­­ner­quo­­te geschah.…“  Dann bat sie um das Hand­zei­chen: „Wür­de sagen, das ist die Mehr­heit.“ Vom Prä­si­di­ums­tisch auf­ge­for­dert, auch nach den Nein-Stim­­men und Ent­hal­tun­gen zu fra­gen, frag­te sie:  „Traut sich jemand?“  Als es tat­säch­lich eine Ent­hal­tung gab, kam von Eisenlohr der Hin­weis: „Herr Mel­vin, Sie haben den Herrn dahin­ten gese­hen und küm­mern sich nach­her um ihn?“  Schal­len­des Geläch­ter.

Bei den Wah­len wähl­ten die Mit­glie­der Hubert Dold wie­der für zwei Jah­re als Kas­sen­prü­fer. Eine Über­ra­schung gab es bei den Wah­len der Elfer­rä­te: Mit Fabi­an Ries­te­rer und Micha­el Wald prä­sen­tier­te Mel­vin zwei neue Gesich­te. Mit den bei­den in den 80er Jah­ren Gebo­re­nen set­ze man die bereits letz­tes Jahr begon­ne­ne Ver­jün­gung des Elfer­ra­tes fort.

Zwei neue Elfer

Wald sei ver­hei­ra­tet habe zwei Kin­der, gelern­ter Schmied, Feu­er­wehr­mann, bei den Fal­ken­he­xen seit 17 Jah­ren dabei und Bach­na­fah­rer. Ries­te­rer sei in Wolfach gebo­ren, bedau­er­li­cher­wei­se in Lau­ter­bach auf­ge­wach­sen, lebe aber in der Tal­stadt und seit kur­zem Redak­teur beim Schwarz­wäl­der Boten in Schram­berg.

Micha­el Wald und Fabi­an Ries­te­rer

Die Wahl der Elfer­rä­te, die tur­nus­mä­ßig zur Wie­der­wahl anstan­den, und die Neu­wah­len gin­gen glatt über die Büh­ne alle bestä­tigt. Arno Jauch, Micha­el Wied­mai­er, Udo Neu­deck, Mar­tin Mett­mann, Achim Ben­dig­keit, Achim Schaub, Die­ter Nei­nin­ger, Tobi­as Dold, Kars­ten Bir­baum und die bei­den Neu­lin­ge wur­den ein­stim­mig (wie­­der-) gewählt

Kommunalpolitischer Rundumschlag

Nach den Wah­len ging Mel­vin auf die Kom­mu­nal­po­li­tik ein. In einem Rund­um­schlag ver­miss­te er ein ziel­ori­en­tier­tes Arbei­ten der Ver­ant­wort­li­chen. Das habe mit dem Ver­lust des Schwimm­bads und des Kran­ken­hau­ses begon­nen, die nicht nur bei ihm „tie­fe Nar­ben hin­ter­las­sen“ hät­ten. Er ärger­te sich über die „neid­be­flü­gel­te inner­po­li­ti­sche Dis­kus­si­on, wer für wel­chen Orts­teil wie viel Geld aus den städ­ti­schen Töp­fen bekommt“.

Zur Dach­be­grü­nung an den Inte­rims­ge­bäu­den bei der Ber­neck­schu­le, feh­len­den Rand­stei­nen in Ten­nen­bronn, der Schlie­ßung des Frei­bads in Ten­nen­bronn und den „zig Mil­lio­nen­pro­jek­ten“ muss­te er sei­nen Senf zuge­ben. Da stell­ten sich „der Hoo­rig Katz‘ ab und an nicht nur die Nacken­haa­re“, pol­ter­te er. In der Tal­stadt müss­ten 500 jun­ge Fami­li­en ange­sie­delt wer­den. Für die müs­se pas­sen­der Wohn­raum geschaf­fen wer­den. Das wer­de seit Jahr­zehn­ten ver­schla­fen. (Wie das denn hät­te gehen sol­len, muss ein Zunft­meis­ter nicht wis­sen, der Säz­zer) Dass für das Stadt­fest gera­de mal 30 Ver­eins­an­mel­dun­gen vor­lä­gen, sei ein siche­res Zei­chen für die­se Fehl­ent­wick­lung, (an der natür­lich immer nur die ande­ren Schuld sind, der Säz­zer).

Nur so halt

Schließ­lich berich­te­te er von Karl Kien­le, dem mit 98 Jah­ren ältes­ten Mit­glied der Nar­ren­zunft. Die­ser sei kürz­lich gestürzt, habe sich den Ober­schen­kel­hals gebro­chen und sei in der Helio­skli­nik eine Nacht auf dem Gang gele­gen, weil kein Zim­mer frei gewe­sen sei.

Huber verabschiedet

Nach der Pau­se ging es rasch. Mel­vin ver­ab­schie­de­te den lang­jäh­ri­gen Elfer­rat Chris­toph Huber und des­sen Frau Clau­dia. Huber, seit 2002 Elfer­rat, habe nicht wie­der kan­di­diert. Er dank­te Huber für sei­en Arbeit im Umzugs- und Zunft­ball­aus­schuss. Mel­vin woll­te der Ver­samm­lung aber auch nicht ver­schwei­gen, dass er „auch auf­brau­send und kon­se­quent“ für sei­ne eige­ne Mei­nung gestrit­ten habe. Es sei immer ange­nehm gewe­sen, „wenn im Elfer­rat Klar­text­ge­spro­chen wur­de“.  Clau­dia Huber habe sich immer beim Kin­der­ball und der Rum­zieh­grup­pe enga­giert. Mit einem „Bio­fress­korb“ bedank­te sich die Zunft bei den bei­den.

Zunft­meis­ter Micha­el Mel­vin dankt Clau­dia und Chris­toph Huber

Abschlie­ßend gab Mel­vin noch Ter­mi­ne für die kom­men­de Fas­net bekannt. Unter „Ver­schie­de­nes“ beschwer­te sich Eber­hard Pietsch, im Ober­nar­ren­wa­gen habe es zu wenig „Aus­wurf­ma­te­ri­al“ gege­ben – und dann war auch schon eine Abord­nung der Stadt­mu­sik bereit. Trom­mel­wir­bel, Nar­ren­marsch. Die Fas­net kann kom­men.

 

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