Elferrat: Verjüngung geht weiter

Narrenzunft hält ihre 109. Mitgliederversammlung

SCHRAMBERG  (him) –  Gut besucht war die traditionelle Mitgliederversammlung der Narrenzunft Schramberg am 11. November in der Braustube. Die 109. Mitgliederversammlung brachte zwei Überraschungen, eine zu Beginn und eine bei den Wahlen.

Überraschung eins war die Begrüßung der neuen Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr durch Zunftmeister Michael Melvin. Sie habe ja schon Gelegenheit gehabt, die anderen Narrenvereine der Stadt kennen zu lernen: die Gemeinderatsfraktionen nämlich mit ihrem Obernarrenverein Aktive Bürger. Er berichtete auch, dass die  die neuen Wirtsleute Bernard Chauvet und Sandra Reich die Braustube über die Fasnet öffnen wollten.

Willkommen hieß er auch Karl-Heinz Steffan vom Trachtenverein und warb dafür, dort Mitglied zu werden. Wie es sich gehört, bedankte sich Melvin bei allen, die die Schramberger Fasnet – „das größte Volksfest unsrer Stadt“ – möglich machen und begleiten. Von den Musikern über die Hilfsdienste, die Stadtverwaltung, den Bürgervereinigungen, den Narrenblättlemachern, den Sponsoren, den Obernarren bis zu seinen Elferratskollegen und den Elferfrauen.

Michael Melvin

Kritzelmeister Michael Wiedmaier hatte wieder den Jahresrückblick vom Abstauben, den ausgefallenen Rolletag in Hardt, über das Landschaftstreffen in Offenburg „bei hochsommerlichen Temperaturen“  bis zum Hanselsprung, bei dem teilweise bis zu zwölf Kehrause unterwegs gewesen seien.

Wirtschaftlich gesund

Der Kassenbericht von Säckelmeister Arno Jauch war knapper gehalten, dafür zahlenmäßig üppiger. Wegen des erneut schlechten Wetters beim Umzug seien noch weniger Abzeichen verkauft worden als im Jahr zuvor. Insgesamt habe die Narrenzunft gut 80.000 Euro Umsatz gemacht. Unter dem Strich seien gerade mal 66 Euro übrig geblieben. „Eine schwarzer Null halt.“ Der Verein verfüge über etwa 18.000 Euro liquide Mittel und stehe „weiter wirtschaftlich auf gesunden Füßen“.

Nachdem der Kassenprüfer Franz Rapp dem Säckelmeister bescheinigt hatte, er führe die Kasse hervorragend, erfolgte die von Rapp beantragte Entlastung einstimmig.

Ungewöhnliche Entlastung

Die Entlastung des Elferrats beantragte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr auf eher unkonventionelle Weise. Sie sei ja nicht dabei gewesen. Aber wenn man die Berichte höre, „könnte man glauben, sie haben das ganz gut gemacht“, flachste sie. „Wenn man bedenkt, dass das mit einer 100-Prozent-Männerquote geschah….“  Dann bat sie um das Handzeichen: „Würde sagen, das ist die Mehrheit.“ Vom Präsidiumstisch aufgefordert, auch nach den Nein-Stimmen und Enthaltungen zu fragen, fragte sie:  „Traut sich jemand?“  Als es tatsächlich eine Enthaltung gab, kam von Eisenlohr der Hinweis: „Herr Melvin, Sie haben den Herrn dahinten gesehen und kümmern sich nachher um ihn?“  Schallendes Gelächter.

Bei den Wahlen wählten die Mitglieder Hubert Dold wieder für zwei Jahre als Kassenprüfer. Eine Überraschung gab es bei den Wahlen der Elferräte: Mit Fabian Riesterer und Michael Wald präsentierte Melvin zwei neue Gesichte. Mit den beiden in den 80er Jahren Geborenen setze man die bereits letztes Jahr begonnene Verjüngung des Elferrates fort.

Zwei neue Elfer

Wald sei verheiratet habe zwei Kinder, gelernter Schmied, Feuerwehrmann, bei den Falkenhexen seit 17 Jahren dabei und Bachnafahrer. Riesterer sei in Wolfach geboren, bedauerlicherweise in Lauterbach aufgewachsen, lebe aber in der Talstadt und seit kurzem Redakteur beim Schwarzwälder Boten in Schramberg.

Michael Wald und Fabian Riesterer

Die Wahl der Elferräte, die turnusmäßig zur Wiederwahl anstanden, und die Neuwahlen gingen glatt über die Bühne alle bestätigt. Arno Jauch, Michael Wiedmaier, Udo Neudeck, Martin Mettmann, Achim Bendigkeit, Achim Schaub, Dieter Neininger, Tobias Dold, Karsten Birbaum und die beiden Neulinge wurden einstimmig (wieder-) gewählt

Kommunalpolitischer Rundumschlag

Nach den Wahlen ging Melvin auf die Kommunalpolitik ein. In einem Rundumschlag vermisste er ein zielorientiertes Arbeiten der Verantwortlichen. Das habe mit dem Verlust des Schwimmbads und des Krankenhauses begonnen, die nicht nur bei ihm „tiefe Narben hinterlassen“ hätten. Er ärgerte sich über die „neidbeflügelte innerpolitische Diskussion, wer für welchen Ortsteil wie viel Geld aus den städtischen Töpfen bekommt“.

Zur Dachbegrünung an den Interimsgebäuden bei der Berneckschule, fehlenden Randsteinen in Tennenbronn, der Schließung des Freibads in Tennenbronn und den „zig Millionenprojekten“ musste er seinen Senf zugeben. Da stellten sich „der Hoorig Katz‘ ab und an nicht nur die Nackenhaare“, polterte er. In der Talstadt müssten 500 junge Familien angesiedelt werden. Für die müsse passender Wohnraum geschaffen werden. Das werde seit Jahrzehnten verschlafen. (Wie das denn hätte gehen sollen, muss ein Zunftmeister nicht wissen, der Säzzer) Dass für das Stadtfest gerade mal 30 Vereinsanmeldungen vorlägen, sei ein sicheres Zeichen für diese Fehlentwicklung, (an der natürlich immer nur die anderen Schuld sind, der Säzzer).

Nur so halt

Schließlich berichtete er von Karl Kienle, dem mit 98 Jahren ältesten Mitglied der Narrenzunft. Dieser sei kürzlich gestürzt, habe sich den Oberschenkelhals gebrochen und sei in der Heliosklinik eine Nacht auf dem Gang gelegen, weil kein Zimmer frei gewesen sei.

Huber verabschiedet

Nach der Pause ging es rasch. Melvin verabschiedete den langjährigen Elferrat Christoph Huber und dessen Frau Claudia. Huber, seit 2002 Elferrat, habe nicht wieder kandidiert. Er dankte Huber für seien Arbeit im Umzugs- und Zunftballausschuss. Melvin wollte der Versammlung aber auch nicht verschweigen, dass er „auch aufbrausend und konsequent“ für seine eigene Meinung gestritten habe. Es sei immer angenehm gewesen, „wenn im Elferrat Klartextgesprochen wurde“.  Claudia Huber habe sich immer beim Kinderball und der Rumziehgruppe engagiert. Mit einem „Biofresskorb“ bedankte sich die Zunft bei den beiden.

Zunftmeister Michael Melvin dankt Claudia und Christoph Huber

Abschließend gab Melvin noch Termine für die kommende Fasnet bekannt. Unter „Verschiedenes“ beschwerte sich Eberhard Pietsch, im Obernarrenwagen habe es zu wenig „Auswurfmaterial“ gegeben – und dann war auch schon eine Abordnung der Stadtmusik bereit. Trommelwirbel, Narrenmarsch. Die Fasnet kann kommen.

 

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