Die­ser Tage kommt ein Gedenk­tag nach dem ande­ren: Ende des ers­ten Welt­kriegs, Novem­ber­re­vo­lu­ti­on, Aus­ru­fung der ers­ten deut­schen Repu­blik. Mit einer Ver­an­stal­tungs­rei­he „100 Jah­re Demo­kra­tie“ erin­nern ver­schie­de­ne Orga­ni­sa­tio­nen und Kom­mu­nen im Kreis Rott­weil an die Ereig­nis­se von 100 Jah­ren.

Am Frei­tag­abend  eröff­ne­te Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog im Schram­ber­ger Schloss eine klei­ne Aus­stel­lung zur Revo­lu­ti­on von 1918/19 im Spie­gel zeit­ge­nös­si­scher Post­kar­ten.

Her­zog erin­ner­te in sei­ner Anspra­che dar­an, dass es in Schram­berg eine lan­ge demo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on gab, die bis in die Zeit vor der Revo­lu­ti­on von 1848/49 zurück­rei­che. Am 11. Novem­ber 1918 rief der SPD-Poli­ti­ker und Emai­le-Maler Albert Bau­er auf dem „Moh­ren­platz“ vor 3000 Men­schen auch in Schram­berg die Repu­blik aus.

Ein Zeit­zeu­ge beschrieb die „impo­san­te Ver­samm­lung“ die Bau­er mit sei­nem „kräf­ti­gen Organ“ erreicht habe: „Die Herr­scher, die uns ins Unglück gestürzt haben, muss­ten hin­weg gefegt wer­den“, zitier­te Stadt­ar­chi­var und Muse­ums­lei­ter Cars­ten Kohl­mann aus einem Doku­ment  aus die­ser Zeit.

Bau­ers Rede ende­te mit einem „Hoch auf die Repu­blik Deutsch­land und Würt­tem­berg“, wie der SPD-Orts­ver­eins­vor­sit­zen­de Mir­ko Wit­kow­ski in sei­nem Gruß­wort berich­te­te. Es sei zwar die ein­stün­di­ge Rede an sich nicht über­lie­fert,  Zeit­zeu­gen aber hät­ten besche­ri­ben, dass Bau­er „in sach­li­cher, ruhi­ger Wei­se” gespro­chen habe, bevor der die Repu­blik aus­rief. Die Ursa­che für die Nie­der­la­ge sei „das star­re recht­ha­be­ri­sche Sys­tem der Mon­ar­chie” gewe­sen.

Wit­kow­ski wür­dig­te den Mut der­je­ni­gen, die spä­ter wäh­rend der Nazi­dik­ta­tur „zur Demo­kra­tie stan­den und in unter­schied­lichs­ter Wei­se Wider­stand geleis­tet  haben”. Auch heu­te müs­se man dar­auf ach­ten, dass sich nicht gan­ze Grup­pen abge­hängt füh­len, die Sche­re zwi­schen arm und reich dür­fe nicht immer wei­ter auf­ge­hen.

Her­zog war beson­ders wich­tig, dass jun­ge Men­schen nicht ver­ges­sen, was vor 100 Jah­ren geschah. So habe er schon mehr­fach Schü­ler­grup­pen in die Part­ner­städ­te Hir­son und Car­le­roi auf den Spu­ren des Ers­ten Welt­krie­ges beglei­tet. Die der­zei­ti­ge Aus­stel­lung erlau­be nun einen Blick auf die Geburt unse­rer Demo­kra­tie

Her­zog berich­te­te, dass bei den ers­ten Wah­len zur ver­fas­sungs­ge­ben­den Ver­samm­lung des frei­en Volks­staa­tes Würt­tem­berg am 12. Janu­ar 1919 gleich drei Schram­ber­ger gewählt wur­den. Für das katho­li­sche Zen­trum der Arbei­ter­se­kre­tär Josef And­re, für die SPD Albert Bau­er und für die libe­ra­le Deut­sche Demo­kra­ti­sche Par­tei Rudolf Lin­ken­heil.  Mit 97 Pro­zent hät­ten die Par­tei­en der Wei­ma­rer Koali­ti­on „in Schram­berg eine über­wäl­ti­gen­de Zustim­mung zur neu­en Demo­kra­tie” erfah­ren.

Auf Ein­la­dung der Stadt waren drei Nach­kom­men die­ser drei Poli­ti­ker gekom­men. Fran­zis­ka Grimm aus Leon­berg, Enke­lin von Josef And­re, Dr. Heinz Lud­wig Bau­er aus Frank­furt, ein Enkel Albert Bau­ers, und Rudolf Lin­ken­heils Sohn Dr. Rudolf Lin­ken­heil aus Mün­chen.

Mir­ko Wit­kow­ski, Rudolf Lin­ken­heil, Heinz Lud­wig Bau­er, Fran­zis­ka Grimm, Cars­ten Kohl­mann und Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog (von links) mit einer Gra­fik von Uwe Rett­kow­ski.

In einer Lesung prä­sen­tier­ten die Schü­le­rin Sarah Glo­cker, Anto­nia Amann, die ein frei­wil­li­ges kul­tu­rel­les Jahr im Stadt­ar­chiv absol­viert, der Stu­dent Lorenz Kam­me­rer als ehe­ma­li­ger Prak­ti­kant und Cars­ten Kohl­mann Zeit­zeug­nis­se aus Schram­berg in der Umsturz­zeit zwi­schen  Aus­ru­fung der Repu­blik und den Wah­len am 12. Janu­ar 1919. Die Not der Sol­da­ten, die aus dem Krieg zurück­kehr­ten, die Sor­gen der Men­schen, aber auch die poli­ti­schen Kämp­fe zwi­schen  den Par­tei­en wur­den deut­lich.

Lesung mit Anto­nia Amann, Sarah Glo­cker, Lorenz Kam­me­rer und Cars­ten Kohl­mann. Fotos: him

Micha­el Por­zelt beglei­te­te mit Lie­dern aus der dama­li­gen Zeit und eige­nen Tex­ten die Ein­füh­rung musi­ka­lisch. Bei Schmalz­brot und Milch – das fand Muse­ums­lei­ter Kohl­mann dem Anlass ange­mes­se­ner als Sekt und Lachs – schau­ten sich die etwa 50 Besu­cher die Aus­stel­lung an und dis­ku­tier­ten über Poli­tik damals und heu­te.