Familie Gerhard Schweizer verkauft großes Aktienpaket

Chinesischer Partner WUS erhöht Beteiligung an "Schweizer" / Aktie steigt

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Willkommen: Chinesische Partner steigen bei Schweizer stärker ein. Archiv-Foto: him

SCHRAMBERG (pm/him) – Das Schramberger Familienunternehmen Schweizer Electronic AG gehört nun zu 29,9 Prozent einem chinesischen Konzern. Das hat der Sulgener Leiterplattenhersteller am Donnerstagnachmittag mitgeteilt. Demnach haben die Firmen WUS Printed Circuit in China und WUS Printed Circuit in Taiwan weitere Aktien von Schweizer aus dem Paket der Familie Gerhard Schweizer gekauft. Zu diesem Zweig der Familie gehören Kristina und Bernd Schweizer, die 2015 den Aufsichtsrat beziehungsweise den Vorstand des Unternehmens verlassen hatten. Sie haben einen Großteil ihrer Anteile verkauft.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt es dazu:

„Angesichts der seit drei Jahren erfolgreichen strategischen Partnerschaft und Kooperation im Hochfrequenz (HF)-Segment zwischen WUS Printed Circuit (Kunshan) Co., Ltd. und der Schweizer Electronic AG, Schramberg, haben die Unternehmen WUS Printed Circuit (Kunshan) Co., Ltd., China und WUS Printed Circuit Co., Ltd., Taiwan, über ihre jeweiligen Tochtergesellschaften Aktienanteile von Schweizer  wie folgt erworben: WUS Printed Circuit (Kunshan) Co., Ltd. erwarb 15,24 Prozent und hält jetzt 19,74 Prozent an Schweizer Aktien, WUS Printed Circuit Co., Ltd, Taiwan erwarb insgesamt 10,16  Prozent. Die Anteile wurden aus dem Aktienpaket des Familienstamms Gerhard Schweizer übernommen.“

Der Vollzug dieser Transaktion stehe unter den aufschiebenden Bedingungen der fusionskontrollrechtlichen Nichtuntersagung. Mit diesem Schritt unterstreiche das Unternehmen WUS sein uneingeschränktes Vertrauen in Schweizers technologische Kompetenz und sein starkes Interesse an den Zukunftsperspektiven des Unternehmens aus Schramberg. Schweizer stärkt ihrerseits dadurch ihr Partner-Netzwerk. WUS Printed Circuit (Kunshan) Co., Ltd sei seit April 1992 in der Entwicklung und Produktion von Leiterplatten tätig, heißt es in der Mitteilung weiter. „Dank der guten Zusammenarbeit und dem Engagement des Teams sowie all seiner Stakeholder, ist WUS heute eine der führenden Marken in der Leiterplattenindustrie.“
In seiner Produktdifferenzierungsstrategie setze WUS darauf, seinen Kunden Mehrwert durch beste Technologie, Qualität und Service zu bieten. Das Unternehmen produziere hochlagige Leiterplatten für Telekommunikation und Netzwerkausrüstung, Fahrzeugelektronik, industrielle Automatisierungssteuerungen sowie Flugzeugelektronik. Mit etwa 8200 Mitarbeitern erzielte WUS im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 489 Millionen Euro.
„Unsere Partnerschaft und Kooperation mit Schweizer ist eine Win-Win-Lösung sowohl für beide Unternehmen als auch insbesondere für unsere Kunden, um gemeinsam die zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Daher haben wir uns entschieden, unseren Anteil an dem Unternehmen Schweizer zu erhöhen. Das erlaubt uns, am Geschäftsergebnis von Schweizer verstärkt teilzuhaben und sowohl positive Ergebnisse als auch Risiken zu teilen“, so Chris Wu, President WUS Printed Circuit in Kunshan.

Er fügt laut Pressemitteilung hinzu: “Das Autonome Fahren und die Elektrifizierung von Fahrzeugen gehören zu den Schlüsseltechnologien des nächsten Jahrzehnts, die die Lebensweise der Menschen revolutionieren werden. Mithilfe des Technologietransfers und unserer Kooperation im Bereich der Hochfrequenz-Leiterplatten für intelligente Fahrerassistenzsysteme haben beide Unternehmen in den letzten drei Jahren eine solide Basis des gegenseitigen Vertrauens, Verstehens und des Respekts aufgebaut. Es ehrt uns, dass wir eingeladen wurden, an diesem zusätzlichen Aktienpaket teilzuhaben, und wir freuen uns darauf, unsere Zusammenarbeit zu vertiefen, um diese Technologien für noch mehr Menschen in wesentlich kürzerer Zeit als wir alle erwartet haben verfügbar zu machen.“

Dazu sagt Nicolas Schweizer, Chief Technology Officer der Schweizer Electronic AG,  laut Mitteilung: „Vor genau drei Jahren, im April 2014, haben wir eine exklusive, langfristige Partnerschaft mit WUS beschlossen, die uns und unseren Kunden den Zugriff auf weitere HF-Produktionskapazitäten in Asien ermöglicht.“ Bereits vier Monate später habe WUS in Schweizer investiert.

„Wir freuen uns jetzt sehr über den zusätzlichen Aktienerwerb, da er das starke Interesse von WUS unterstreicht, das Geschäftspotential auf dem globalen Automobil-Markt gemeinsam mit Schweizer weiter zu erschließen und auszuschöpfen“, so Schweizer weiter. „Als führender Hersteller von Lösungen für Sensoren und Leistungselektronik-Leiterplatten, insbesondere für das zukünftige Autonome Fahren und die Elektromobilität, sind wir von den starken Synergien, die aus der Zusammenarbeit zwischen unseren Unternehmen resultieren, absolut überzeugt“, versichert er abschließend laut Firmenmitteilung.

Erst vor wenigen Tagen hatte Schweizer die vorläufigen Zahlen für 2016 veröffentlicht und einen leichten Anstieg des Umsatzes von 115,6 auf 116,1 Millionen Euro gemeldet. Der Konzernjahresüberschuss sank von 1,5 Millionen Euro auf 0,6 Millionen Euro (die NRWZ berichtete).

Am 1. Februar hatte der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung und in ihrer Anwesenheit die Bestellung der Vorstandsvorsitzende Dr. Maren Schweizer „mit sofortiger Wirkung“ widerrufen. Zu den Gründen gab es von seiten des Unternehmens  keine Information. „Alle Details zum Ausscheiden von Frau Dr. Schweizer sind Aufsichtsrats-Interna und vertraulich“ erklärte Unternehmenssprecherin Christina Blake auf Anfrage der NRWZ damals. Nun hat WUS ein gutes Viertel der Aktien von Schweizer zugekauft.

Als Vorstandsmitglied Bernd Schweizer Ende Mai 2015 aus dem Vorstand ausschied, fielen laut Geschäftsbericht 2016 „einmalige Personalaufwendungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro an“. Die Fachpresse hat den Verkauf sofort aufgegriffen. Die IT-Times schreiben von einem „Paukenschlag für den deutschen Leiterplatten-Spezialisten“.

An der Börse ist der Aktienkurs der Schweizer Aktie seit Bekanntgabe der Zukäufe aus Fernost deutlich gestiegen: Von unter 21 Euro am 13. April auf 23,45 Euro am Dienstag 18. April gegen Mittag. Nachdem ein Börsenanalyst seine Kaufempfehlung  auf „halten“ zurückgestuft hat, sank der Kurs wieder unter 23 Euro.