Faulturm an der Kläranlage: CDU legt sich quer

Neubau ""mitnichten" beschlossen

SCHRAMBERG  (him) – Im Ausschuss für Umwelt und Technik hatte die Verwaltung einen Plan vorgelegt, wie der bisherige Faulturm  der Kläranlage  ersetzt  werden könnte. Schon während der Sitzung hatte sich Stadtrat Jürgen Kaupp (CDU) mit dem Vorgehen der Stadt und mit dem Standort nicht einverstanden gezeigt.

Am Dienstagabend kündigt der Fraktionsvorsitzende Clemens Maurer per Pressemitteilung an, seine Fraktion werde „die Beschlussvorschläge der Verwaltung am Donnerstag ablehnen.“

Worum geht es? In den letzten Jahren hatten die Stadtwerke auf der Kläranlage Schramberg  die  sogenannte Schlammschiene  Schritt für Schritt erneuert. Es fehlt nur noch der 40 Jahre alte Faulturm.

Und da liegt das Problem: Ursprünglich sollte dieser  Turm saniert werden. In der Sitzung hatte Tiefbauamtsleiter Klaus Dezember  erläutert, dass eine Sanierung des alten Turms unwirtschaftlich wäre. Man müsste den Behälter komplett leeren, um mögliche Schäden zu erkennen. Da er auch zu groß dimensioniert sei, wäre der Neubau am wirtschaftlichsten. Als Standort hat die Verwaltung den Parkplatz vor dem Verwaltungsgebäude vorgesehen.

Wohin damit?

Möglich wäre auch, den alten Faulturm abzureißen und den neuen Turm dort  zu errichten. Weil dann aber etwa ein Jahr lang der Faulschlamm andernorts behandelt werden muss – und zugleich kein Faulgas für das eigene Blockheizkraftwerk entstünde, wäre mit etwa 300.000 Euro zusätzlicher Kosten zu rechnen, argumentierte Dezember. Die  Kosten schätzt die Verwaltung auf etwa. 1,8 Millionen Euro.

Im – vom Gemeinderat beschlossenen – Wirtschaftsplan 2017 der Stadtwerke Schramberg sind für die vorgesehene Maßnahme im laufenden Jahr 1,2 Millionen Euro vorgesehen. Die zusätzlichen Gelder müssten noch umgeschichtet werden. Wenn die Aufträge für das Projekt  Ende des Jahres vergeben werden, könnte der Faulturm im Januar 2019 in Betrieb gehen.

Derzeit von der Straße kaum zu sehen: Faulturm der Schramberger Kläranlage. Foto: him

In der Diskussion störte sich Kaupp am Standort „im Eingangsbereich der Stadt: Das erste Gebäude, das man von Schiltach her kommend sieht, ist ein 20 Meter hoher Turm.“  OB Herzog gab zu, das sei nicht gerade toll. Es gäbe aber keine Alternative, bestätigten die Fachleute. Überall sonst müssten lange und damit teure Leitungen verlegt werden.

Möglicherweise könne man den Turm ja als Werbefläche verwenden, meinte Herzog. Kaupp wunderte sich auch, weshalb der Rat eigentlich nur noch abnicken könne. Herzog begründete dies damit, dass der Grundsatzbeschluss zum Faulturm mit dem Beschluss zum Wirtschaftsplan der Stadtwerke gefallen war.

Die Ausschussmitglieder stimmten dem Beschlussvorschlag zu, nur Kaupp enthielt sich.

CDU bohrt nach

Nun hat die CDU-Fraktion das Problem nochmals gewälzt und festgestellt, der Gemeinderat habe „mitnichten“ den Faulturmneubau beschlossen: Im Wirtschaftsplan sei von einer „Sanierung des (bestehenden) Faulturms“ die Rede.

Nunmehr gehe es  „um eine Erneuerung und letztlich um ein neues Bauwerk, weswegen die Verwaltung mit der Sachentscheidung eben wieder auf uns zu kommt“, schreibt Maurer. „Es ist also eben keine Sachentscheidung getroffen und die Zurückweisung durch Herrn Herzog ist zu Unrecht erfolgt.“

Auf Nachfrage der NRWZ erklärt Herzog dazu, die CDU habe Recht, er habe sich geirrt und bedaure das Versehen.

Außerdem sei die CDU-Fraktion darüber verärgert, „dass versucht wird, dem Gemeinderat an einer sensiblen Stelle ein 20 Meter hohes technisches Gebäude auf diese Art und Weise ‚unterjubeln‘ zu wollen.“ Es bestehe die Gefahr, dass die Bemühungen zur Verschönerung des Stadteingangs Nord  konterkariert würden. „Ebenso bitten wir um nochmalige Prüfung, ob der Faulturm Auswirkungen auf die B462 mit Talumfahrung hat.“

Maurer kündigt an, seine Fraktion werde die Beschlussvorschläge der Verwaltung am Donnerstag ablehnen und fordere „nochmals darüber nachzudenken, wie man die Situation der Sanierung des Faulturms besser lösen kann“.

 

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