Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 22. Januar

Die Zukunft der Erinnerung – Vortrag von Rüdiger Görner zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Bereits am Mittwoch, 22. Januar, begeht die Große Kreisstadt Schramberg den diesjährigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr wird am Gedenkstein bei der Realschule um 18.30 Uhr einen Kranz niederlegen.

Anschließend wird auf Einladung von Oberbürgermeisterin Eisenlohr Professor Rüdiger Görner aus London über „Die Zukunft der Erinnerung“ im Schloss ab 19.30 Uhr sprechen. Dazu schreibt Carsten Kohlmann:

Das Jahr 2020 steht im Zeichen der Erinnerung an den 75. Jahrestag des Endes der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Lauf der Zeit hat sich eine vielgestaltige „Erinnerungskultur“ entwickelt – auch in der Großen Kreisstadt Schramberg, die seit 1997 in Kooperation mit der Regionalgruppe Baden-Württemberg von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ die lange vergessenen Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Erinnerung ruft.

Aber wie wird nach dem Abschied von den letzten Zeitzeugen die Zukunft der Erinnerung aussehen? An was und wann werden wir gedenken, wie und warum? Um diese Fragen geht es im diesjährigen Vortrag von Rüdiger Görner aus London zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, vor allem (aber nicht nur) mit Blick auf die Opfer der Schoa.

Der Vortrag soll einen Impuls zur Diskussion über „Die Zukunft der Erinnerung“ auf örtlicher Ebene geben, die erkennbar von einem Umbruch gekennzeichnet ist, da das herkömmliche Gedenken etwa am Volkstrauertag zumindest in der Kernstadt seine gesellschaftliche Relevanz mittlerweile fast vollständig verloren hat.

Für junge Menschen ist die Geschichte ihrer Vorfahren aber nicht „erledigt“. Es gibt immer noch Fragen – und vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen mehr denn je Grund zur Erinnerung. In Ergänzung zu seinem öffentlichen Vortrag wird Rüdiger Görner mit dem diesjährigen Abiturjahrgang des Gymnasiums Schramberg über das Thema „Opfer oder Held: das Verräterische in der Sprache“  eine Diskussion führen.

Bekannter Redner mit Schramberger Wurzeln

Der Referent aus dem Jahrgang 1957 ist in Schramberg aufgewachsen und hat sich bereits als Schüler mit der örtlichen Demokratiegeschichte beschäftigt. Am Schülerwettbewerb deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten beteiligte er sich mit Forschungsarbeiten über die Revolution von 1918/19 und den demokratischen Neubeginn von 1945/46 in seiner Heimatstadt.

Rüdiger Görner. Foto: privat

Nach dem Abitur am Gymnasium Schramberg im Jahr 1977 studierte er die Fächer Germanistik, Anglistik, Geschichte, Musikwissenschaft und Philosophie in Tübingen und in London. Seit 1981 lebt er in Großbritannien und ist heute als Centenary Professor of German with Comparative Literature  an der Queen Mary University in London tätig.

Er publiziert in Presse und Rundfunk auch zu politischen Themen. Im letzten Jahr warnte er in seinem Essay „In der Rechtskehre“ in der „Frankfurter Rundschau“ vor dem „faschistoiden Zeitungeist – in Europa und anderswo.“ Vor kurzem ist sein Buch „Europa wagen. Aufzeichnungen, Bekenntnisse, Interventionen“ erschienen.

 

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