Das Sub­ia­co-Kino an einem war­men Diens­tag­abend – aus­ver­kauft? Geschafft hat das der Film „Schnee­blind“ von Arto Sebas­ti­an. Er zeig­te gemein­sam mit der Pro­du­zen­tin des Films, Karo­li­ne Hen­kel, sei­nen Abschluss­film von der Film­aka­de­mie in Lud­wigs­burg. Um es mit den Wor­ten von Klaus And­reae vor­weg­zu­neh­men: „Sie haben einen ganz tol­len Film gemacht.“

Zum Inhalt ist auf der Home­page zu „Schnee­blind“ die­se Zusam­men­fas­sung zu fin­den: „Der Schwarz­wald im Käl­te­win­ter des Jah­res 1946. Der 16-jäh­ri­ge Peter ist blind und zusam­men mit sei­nem Vater Hei­ner, einem ehe­ma­li­gen SS-Offi­zier, auf der Flucht vor den Alli­ier­ten. Sie rei­sen gemein­sam mit dem schwer ver­wun­de­ten Sol­da­ten Karl, der sie sicher über die schwei­ze­ri­sche Gren­ze brin­gen soll, aber unter­wegs sei­ner Ver­wun­dung erliegt. Dar­auf­hin brin­gen Vater und Sohn den Toten zu des­sen Fami­lie, die auf einem abge­le­ge­nen Bau­ern­hof im Schwarz­wald lebt, dar­auf hof­fend, dass Karls Vater Wil­helm das Ver­spre­chen sei­nes toten Soh­nes stell­ver­tre­tend ein­lö­sen wird. Ein Schnee­sturm zwingt sie dazu, auf dem Hof aus­zu­har­ren, was eine Rei­he von schick­sal­haf­ten Ereig­nis­sen nach sich zieht.“

Und die­se Ereig­nis­se zie­hen die Zuschau­er in ihren Bann. Die Karg­heit des Lebens auf dem Hof, die Käl­te im Schnee­sturm, die mora­li­schen Ver­dre­hun­gen – es geht unter die Haut. Es dau­ert nach den letz­ten Bil­dern lan­ge, bis gegen Ende des Abspanns sich die Anspan­nung löst und das Publi­kum lang und herz­lich applau­diert.

Lange Recherchen – extreme Geschichten

Im Gespräch mit den Zuschau­ern beant­wor­ten die bei­den jun­gen Fil­me­ma­che­rin­nen Fra­gen zur Ent­ste­hung, zu den Dreh­or­ten und zum Inhalt. Ein Gedicht von Peter Hand­ke habe ihn zu dem The­ma ange­regt, erzählt Regis­seur und Dreh­buch­au­tor Sebas­ti­an. „Ich habe dann lan­ge über Kind­heit im Krieg und die Nach­kriegs­zeit im Schwarz­wald recher­chiert.“ Ihn habe inter­es­siert, was in Men­schen vor sich geht, wenn all das, was vor­her gegol­ten hat, von einem auf den ande­ren Tag weg­ge­fegt wird. „Wo bleibt das Mensch-sein?“

Arto Sebas­ti­an nach der Auf­füh­rung im Sub­ia­co. Foto: him

Er habe sehr vie­le Lebens­ge­schich­ten von Zeit­zeu­gen gehört, und die extrems­ten Geschich­ten sei­en in den Film und das Dreh­buch ein­ge­flos­sen. Immer wie­der habe er gehört: „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing‘.“ Die Men­schen hät­ten irgend­wie über die Run­den kom­men müs­sen. Der abge­le­ge­ne Hof ohne Strom, der Schnee­sturm, der die Men­schen wei­ter iso­liert – die­ser Mikro­kos­mos habe ihn inter­es­siert: „Was pas­siert mit den fünf Men­schen, wozu ent­schei­den sie sich?“ Es ende „fast wie eine grie­chi­sche Tra­gö­die“, so Sebas­ti­an.

Dreh in der Kälte

Auf­ge­nom­men haben die Film­leu­te ihre Außen­sze­nen auf einem Hof im Süd­schwarz­wald auf etwa 1000 Meter Höhe. „Es muss­te ja schnee­si­cher sein“, so Pro­du­zen­tin Karo­li­ne Hen­kel. Der Schnee­sturm aller­dings sei künst­lich mit gro­ßen Wind­ma­schi­nen  erzeugt, ergänzt Sebas­ti­an. Da sie sehr wenig Geld gehabt hät­ten, habe er da optisch trick­sen müs­sen. „Aber ich glau­be, die Käl­te spürt man trotz­dem.“ Stimmt. Das Publi­kum fröstelt‘s  noch Minu­ten nach Ende des Films.

Die Innen­auf­nah­men hat das Team in ver­schie­de­nen Höfen des Frei­licht­mu­se­ums Vogts­bau­ern­hof auf­ge­nom­men. Das sei eine ech­te Her­aus­for­de­rung gewe­sen, so Hen­kel, „denn es war wirk­lich eis­kalt“. Sie hät­ten 30 Dreh­ta­ge benö­tigt und für den Schnitt ein hal­bes Jahr.

Ein Zuschau­er, Jahr­gang 1938, bekann­te, der Film habe ihn „tief berührt“. Beson­ders, dass so jun­ge Men­schen sich eines sol­chen The­mas ange­nom­men hät­ten. Er  lob­te „den Mut, einen so lang­sa­men Film zu machen“. Ins­be­son­de­re die Licht­re­gie habe ihn beein­druckt. Auch dass die drei wich­tigs­ten The­men des Lebens Geburt, Lie­be und Tod im Film vor­kom­men. Nach And­rea­es Lob gab es noch ein­mal Bei­fall für die bei­den Fil­me­ma­cher und ihren beein­dru­cken­den Film.

Schramberger”  im Film

Schman­kerl am Ran­de: Auch ein paar Schram­ber­ger spie­len in dem Film mit, aller­dings Vier­bei­ni­ge. Mein­rad Kopp hat sei­ne Hin­ter­wäl­der Rin­der, die er auch sonst den Som­mer über dem Vogts­bau­ern­hof aus­leiht, für die Film­dreh­ar­bei­ten etwas frü­her als sonst vom Krist­leshof nach Gut­ach beför­dert, erzählt Pro­du­zen­tin Hen­kel. Im Abspann wird Kopp als „Kuh­trai­ner“ erwähnt, wie Chris­toph Zie­chaus erspäht hat.

Info: https://www.woodwaterfilms.com/deutsch/projekte/schneeblind/

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