In der St. Maria-Kirche schildert Arnhold Budick den Besuchern Hausers Kirchenkunst-Ideen. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –  Sehr gut besucht war die letz­te Ver­an­stal­tung im Zusam­men­hang mit dem Schram­ber­ger Stadt­ju­bi­lä­um am ver­gan­ge­nen Sonn­tag. Etwa 50 Kunst­in­ter­es­sier­te beglei­te­ten Arn­hold Budick und Hans Haa­ser auf den Spu­ren der künst­le­ri­schen Anfän­ge des Bild­hau­ers Erich Hau­ser in Schram­berg.

Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog  hieß neben sei­nem Amts­vor­gän­ger Her­bert O. Zinell  auch eini­ge Gäs­te aus Rott­weil wie den Vor­stands­spre­cher der Kunst­stif­tung Hau­ser, Wil­helm Rie­ber, und Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel im Schloss will­kom­men.

Arn­hold Budick berich­tet von Hau­sers Kir­chen­kunst.

Der frü­he­re Vor­stands­vor­sit­zen­de der Volks­bank, Arn­hold Budick, fand die Spu­ren­su­che auch des­halb reiz­voll, weil man „mit exzel­len­ten Früh­wer­ken des Künst­lers“ einen Bogen auf­zei­gen kön­ne zu sei­nen heu­te welt­weit bekann­ten Edel­stahl­plas­ti­ken. Außer­dem sei die St. Maria­kir­che der ein­zi­ge Ort, an dem Hau­ser sich mit Kir­chen­kunst befass­te.

Budick erin­ner­te an Hau­sers Lebens­lauf: „1930 in Rie­t­heim gebo­ren kam er mit 22 Jah­ren als jun­ger Bild­hau­er nach Schram­berg und star­te­te hier sei­ne frei­be­ruf­li­che Tätig­keit – mühe­voll expe­ri­men­tier­te er mit den ver­schie­dens­ten Mate­ria­len, fer­tig­te Skulp­tu­ren aus Stein, Holz und Metall, zeich­ne­te, model­lier­te und schnitz­te.“

Karriere-Start in der Tiersteinstraße

Er arbei­te­te damals in der Tier­stein­stra­ße in der Nach­bar­schaft zum Stein­metz und Bild­hau­er Sieg­fried Schaub, der  vor weni­gen Tagen ver­stor­ben ist. Befreun­det war – der evan­ge­li­sche –Hau­ser damals unter ande­rem  mit  Kaplan Erich Leg­ler. 1959 zog er nach Dun­nin­gen, 1970 nach Rott­weil auf die Sali­ne.

in Schram­berg sei Hau­ser bei vie­len Men­schen unver­stan­den geblie­ben, habe aller­dings auch vie­le Freun­de und Bekann­te gehabt, mit denen er ein Leben lang ver­bun­den blieb. So hei­ra­te­te er 1955 hier sei­ne Frau Gre­tel, die 1928 in Schram­berg gebo­ren wor­den war. Auch erin­ner­te er sich spä­ter an die­je­ni­gen, die ihn in sei­nen Anfangs­jah­ren als Mäze­ne „in Arbeit und Brot setz­ten“.

Hauser-Frühwerke in der Stadt

Hans Haa­ser zeig­te mit Bil­dern eini­ge der Hau­ser­schen Früh­wer­ke in Schram­berg: Einen kubis­ti­schen Chris­tus­kopf aus geschweiß­tem Stahl, die vier Schram­ber­ger Fas­nets-Schwell­köp­fe, die beim Abbruch der alten Burg­schu­le bei­na­he im Müll­con­tai­ner gelan­det wären, ein Wand­bild in der Ber­neck­stra­ße, die  geschnitz­ten Holz­schil­der im Park  der Zei­ten und den Find­lings­brun­nen beim Licht­spiel­haus. Auch die gro­ße „Skulp­tur 9/90 vor dem Schloss“ und den Josefs­brun­nen am Dobler­platz erwähn­te Haa­ser.

Kein Wet­ter für lan­ge Spa­zier­gän­ge.

In der St. Maria-Kir­che zeig­te Budick, wie Hau­ser die „ein­dring­li­che Klar­heit“ des spät­klas­si­zis­ti­schen Baus aus dem Jahr 1841 mit sei­nen sakra­le Gegen­stän­den Anfang der 90er Jah­re gestal­te­te. Er erin­ner­te aber auch an die Kir­chen­por­ta­le, die Hau­ser  in sei­ner Schram­ber­ger Zeit nach vie­len Gesprä­chen mit Kaplan Leg­ler gestal­tet hat­te. Ganz neu hin­zu­ge­kom­men ist erst vor weni­gen Mona­ten das „Fron­leich­nams­kreuz“. Es stammt aus dem Nach­lass von Erich Leg­ler. Schließ­lich hat Hau­ser auch ein Mess­ge­wand ent­wor­fen. Bei der Tau­fe sei­nes Enkel­sohns Ben habe Pfar­rer Rüdi­ger Kocholl es getra­gen, ver­riet Budick.

Hans Haa­ser mit dem Mess­ge­wand, das Hau­ser ent­wor­fen hat.

Christophorus neben der Käsetheke

Im heu­ti­gen Natur­la­den von Doro­thee Nagel, der frü­he­ren Buch­hand­lung Klauß­ner, zeig­te Hans Haa­ser den  „Chris­to­pho­rus“ aus Beton. Lud­wig Klauß­ner hat­te ihn bei Hau­ser bestellt, um an das Hoch­was­ser von 1959 zu erin­nern. Das Werk zeigt, wie hoch damals das Was­ser im Buch­ge­schäft stand.

Hans Haa­ser erzählt die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Chris­to­pho­rus-Plas­tik im Natur­la­den.
Der Hau­ser-Tep­pich und das Modell von 9/90.

Zum Abschluss besuch­ten die Spu­ren­su­cher das Tep­pich­ge­schäft von Peter Renz weni­ge Schrit­te wei­ter. Renz hat­te eine lebens­lan­ge Bezie­hung zu Hau­ser. Ange­fan­gen von wenig erbau­li­chen Kla­vier­stun­den als 14-Jäh­ri­ger bei der spä­te­ren Ehe­frau von Hau­ser über den Ankauf der Stahl­skulp­tur 9/90 durch die Schram­ber­ger bis hin zum  Ent­wurf eines Hau­ser-Tep­pichs. Die­sen Tep­pich habe der Künst­ler in meh­re­re Wochen dau­ern­der Arbeit für ihn ent­wor­fen.

Lau­ni­ger Erzäh­ler und schlech­ter Kla­vier­schü­ler: Peter Renz

In einer Auf­la­ge von 50 Exem­pla­ren habe er die­sen Tep­pich 1998 in Por­tu­gal auf eige­nes Risi­ko weben las­sen. Hau­ser habe ihm erklärt: „Du kannst stolz drauf sein.“ Alle sei­en welt­weit ver­kauft wor­den. Den Löwen­an­teil habe der Künst­ler ver­dient, füg­te Renz noch schmun­zelnd hin­zu.

Applaus für das Hirsch-Team.

Bei Wein und Häpp­chen – vom gegen­über­lie­gen­den Gast­haus Hirsch ser­viert – unter­hiel­ten sich die Gäs­te noch lan­ge über Hau­ser und sei­ne Spu­ren in Schram­berg.