Heco: „Erfolg hat viele Gesichter”

Heco feiert 50. Geburtstag

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Festlich dekoriert: Das Logistikzentrum von Heco. Foto: him

SCHRAMBERG (him) – Der Schram­ber­ger Schrau­ben­her­stel­ler Heco hat am Sams­tag gefei­ert: Zum einen mit einem „Tag der offe­nen Tür“ im Werk an der Kurt-Steim Stra­ße den Abschluss von Erwei­te­rungs­bau­ten, zum ande­ren mit einem Gala-Abend im Logis­tik­zen­trum das 50-jäh­ri­ge Bestehen des Unternehmens.

Beim Gala-Abend, des­sen Pro­gramm aus­schließ­lich Heco-Mit­ar­bei­ter bestrit­ten, trug Andre­as Braun­nagel zum Ein­stieg ein Gedicht über die ein­zig­ar­ti­ge Bedeu­tung der Schrau­be von Eugen Roth vor: „Ein Mensch, der sel­ber nicht geschraubt…“

Heco-Geschäfts­füh­rer Ste­fan Het­tich hieß die Gäs­te aus der Ver­wandt­schaft, der Kom­mu­nal­po­li­tik, befreun­de­ter Unter­neh­men und die Beleg­schaft im fest­lich deko­rier­ten Logis­tik­zen­trum willkommen.

Ste­fan Hettich

Er lob­te die Mit­ar­bei­ter, es sei „Ihr Fest­abend – ohne Sie hät­ten wir heu­te nichts zu fei­ern.“ Beson­ders hob er den Umbau unter lau­fen­dem Betrieb im Stamm­werk hervor.

Bewegte Geschichte

Ste­fan und Ulrich Het­tich im Gespräch mit Andre­as Braunnagel.

In einem Stamm­tisch­ge­spräch mit Braun­nagel erläu­ter­ten Ste­fan und Ulrich Het­tich die Fir­men­ge­schich­te, die 1967 mit der Tren­nung von der Fir­ma Franz Het­tich mit Sitz in Alpirs­bach begann.  Vater Lud­wig habe damals an der Obern­dor­fer Stra­ße mit 61 Mit­ar­bei­tern die Schrau­ben­her­stel­lung über­nom­men. 1971 zog der Betrieb in das neue Indus­trie­ge­biet um. Nach dem Tod sei­nes Vaters über­nahm Ste­fan Het­tich im Alter von 22 Jah­ren 1975 die Geschäfts­füh­rung. „Das war – um mit Ange­la Mer­kel zu spre­chen – alter­na­tiv­los.“ Um sich von ande­ren Fir­men glei­chen Namens abzu­gren­zen fir­mier­te das Unter­neh­men 2002 in Heco um.

Ulrich Het­tich schil­der­te die Ent­wick­lung der ver­schie­de­nen Schrau­ben­ty­pen und der dafür erfor­der­li­chen Werk­zeu­ge. Das sei für ihn als „rei­nem Theo­re­ti­ker“ oft ein schmerz­haf­ter Pro­zess gewe­sen. „Du machsch ja alles kaputt“ hät­ten ihm die Prak­ti­ker vor­ge­hal­ten – und das sei lei­der auch gele­gent­lich pas­siert. Aber mit viel Geduld habe man es schließ­lich doch geschafft.

OB Tho­mas Herzog

Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog beton­te erneut, wie wich­tig Unter­neh­mer­geist und Erfin­der­tum für Schram­berg sind. Dafür ste­he auch Heco: „Hut ab!“ Als Geschenk über­reich­te er ein Foto des Logis­tik­la­gers mit einer Schaf­her­de davor.

OB Her­zog mit dem Geschenk der Stadt.

Ein besondres Ding: die Schraube

In einer Bil­der­schau zeig­te Ulrich Het­tich die Ent­wick­lung der Schrau­be von der Anti­ke bis heu­te. Er zeig­te, dass schon die Grie­chen ihren Wein mit einer Holz­spin­del gepresst haben. Spä­ter hat Leo­nar­do da Vin­ci vie­le Mög­lich­kei­ten für Schrau­ben vor­her­ge­ahnt. Erst im 19. Jahr­hun­dert aber ent­wi­ckel­ten sich Maschi­nen und Werk­stof­fe so weit, dass Schrau­ben in gro­ßer Zahl her­ge­stellt wer­den konn­ten. Erstaun­lich: Erst 1964 kam die welt­wei­te Eini­gung auf metri­sche Gewin­de nach einer Iso-Norm.

Ulrich Het­tich
Peter Klos

Peter Klos, der 1963 eine Leh­re bei Het­tich in der Obern­dor­fer Stra­ße begon­nen hat­te, schil­der­te die Arbeits­be­din­gun­gen dort. Anfangs ohne Las­ten­auf­zug schlepp­ten die Arbei­ter Mate­ri­al, Maschi­nen und fer­ti­ge Pro­duk­te trepp­auf-trepp­ab. „Das war eine Mords-Schin­de­rei.“ Heu­te unvorstellbar.

Die frü­he­re Fabrik an der Obern­dor­fer Straße.
Die bei­den Damen Fried­chen und Marie­chen läs­ter­ten über den Betriebs­all­tag zu Zei­ten von Kar­tei­kar­ten und Faxen

Über den Auf­bau der Fabrik in Sie­ben­bür­gen in Rumä­ni­en berich­te­te Gui­do Het­tich. Auch da sei die Fir­ma ein hohes Risi­ko ein­ge­gan­gen, aber man habe die Chan­ce gehabt, „eine Fabrik kom­plett neu zu kon­zi­pie­ren“. Den­noch sei viel Intui­ti­on und Durch­hal­te­ver­mö­gen nötig gewe­sen, bis dann im März 2009 die ers­ten Schrau­ben aus Rumä­ni­en in Schram­berg eintrafen.

„Viel Glück und viel Segen“

In sei­nem Fest­vor­trag zur Geschich­te des Unter­neh­mens beton­te Ste­fan Het­tich: „Erfolg hat vie­le Gesich­ter.” Anhand des Lie­des: „Viel Glück und viel Segen“ schil­der­te er, wie viel Glück  Heco in sei­ner Fir­men­ge­schich­te gehabt habe. Dass aber auch oft neue Wege beschrit­ten wer­den muss­ten, die sich auch gele­gent­lich als Sack­gas­sen erwie­sen. „Aber die meis­ten waren erfolgreich.“

Auch Krank­hei­ten, sprich Kri­sen habe das Unter­neh­men immer wie­der durch­ge­macht, so Het­tich. Als Ende der 90er Jahr eine Import­wel­le aus Fern­ost den Schrau­ben­markt traf, sei Heco völ­lig unvor­be­rei­tet gewe­sen und habe Ver­lus­te gemacht. Um 2002 habe eine wei­te­re Kri­se dazu geführt, dass er eine kom­plet­te Reor­ga­ni­sa­ti­on des Unter­neh­mens ange­packt habe. Durch neu­es Kapi­tal sei „das Unter­neh­mens­schiff wie­der in tie­fes Fahr­was­ser“ gekom­men. Um Kri­sen zu über­win­den, müs­se man zusam­men ste­hen und „bereit sein, die Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen“, so sei­ne Leh­re aus den Krisen.

Dank der stra­te­gi­schen Part­ner­schaft mit dem Schwei­zer Unter­neh­men SFS Intec sieht Het­tich sein Unter­neh­men gut auf­ge­stellt. Heco habe den Bereich Holz­schrau­ben von SFS über­nom­men. SFS dank der schlag­kräf­ti­gen Mann­schaft  gesun­den Bilanz von Heco 2015 als Gesell­schaf­ter ein­ge­stie­gen. „Das ist für bei­de Part­ner ein gro­ßer Gewinn.“

Für musi­ka­li­sche Abwechs­lung sorg­ten die Heco-Bläser.

Kerngesundes Unternehmen

Mit mehr als 300 Mit­ar­bei­tern und einem Umsatz von 44 Mil­lio­nen Euro sei das Unter­neh­men „kern­ge­sund“. An die Beleg­schaft gewandt ver­si­cher­te Het­tich: „Das ist Ihr Verdienst.“

Das auch „der Froh­sinn mit dabei“ sein müs­se, wie es im Kin­der­lied hei­ße, erle­be er täg­lich im Betrieb: Das sehe er meist fröh­li­che Gesich­ter, und wenn er lachen höre, freue er sich mit.

In einem Film schil­der­ten etli­che Mit­ar­bei­ter, wes­halb sie stolz auf ihre Fir­ma sind, wel­che beson­de­ren Momen­te sie schon erlebt haben und was Heco von ande­ren unter­schei­de. In einem Wort zusam­men­ge­fasst: die Menschlichkeit.

Die Azu­bi-Gang

Eine Grup­pe Aus­zu­bil­den­der zeig­te eine Rap-Num­mer „Heco bleibt Heco“.

Der Betriebs­rat dankt den Chefs.

Der Betriebs­rats­vor­sit­zen­de Jür­gen Neu­jahr und sein Stell­ver­tre­ter Frank Het­tich dank­ten sodann den bei­den Fir­men­chefs Ste­fan und Gui­do Het­tich mit einer Jubi­lä­ums­ur­kun­de. Man sei stolz dar­auf, „hier arbei­ten zu dür­fen“, ver­si­cher­te Neu­jahr. Zum Fina­le dank­ten die Brü­der Het­tich allen Betei­lig­ten am Gala-Abend-Pro­gramm mit einer Rose.

Dank an die Betei­lig­ten. Alle Fotos: him

Zu den Songs der Grup­pe Süd­lich tanz­ten die Gäs­te noch bis in die tie­fe Nacht.