Hilfe für arme Menschen in Rumänien

Anja Deibler und Peter Fuchs unterstützen Hilfstranstransporte und Waisenhilfe Nagold

Anja Deibler und Peter Fuchs vor dem Lastwagen der Hilfsorganisation. Fotos: pm

HEILIGENBRONN/NAGOLD (pm) –  Bei einem Bezirks­mis­si­ons­nach­mit­tag im Herbst 2014 sowie durch Erzäh­lun­gen lern­ten Anja Dei­bler, Ani­bal Cor­reia und Peter Fuchs den Ver­ein Hilfs­trans­por­te + Wai­sen­hil­fe aus Nagold-Min­ders­bach ken­nen. Die drei Seh­ge­schä­dig­ten und Blin­den arbei­ten in der Werk­statt für behin­der­te Men­schen (WfbM) der Stif­tung St. Fran­zis­kus in Schram­berg-Hei­li­gen­bronn. Anja Dei­bler, Peter Fuchs und Jörn Nagel berich­ten über den Ver­ein und sei­ne Arbeit:

Die­ser christ­li­che Ver­ein unter­stützt schon seit mehr als 25 Jah­ren ver­schie­de­ne Pro­jek­te in Rumä­ni­en und Ungarn, um hilfs­be­dürf­ti­gen Men­schen zu hel­fen, eine lebens­wer­te Zukunft in ihrer Hei­mat zu haben. Berührt von der Not der ost­eu­ro­päi­schen Men­schen, betei­lig­ten sich die drei  Heili­gen­­bronner WfbM-Beschäf­tig­ten ganz selbst­ver­ständ­lich bei einer „Weih­nachts-Lebens­mit­tel­ak­ti­on“ Ende 2014.

In den fol­gen­den Jah­ren ent­stand durch Brief- und Tele­fon­kon­tak­te eine freund­schaft­li­che Ver­bin­dung zum Hilfs­werk Hilfs­trans­por­te und Wai­sen­hil­fe (H + W), ins­be­son­de­re zur enga­gier­ten ers­ten Vor­sit­zen­den Karin Wahr. Seit­her wur­den etwa zwei­mal im Jahr mit viel Eifer und Lei­den­schaft an ver­schie­de­nen Stel­len in Schram­berg und Hei­li­gen­bronn gebrauch­te Klei­dung und Schu­he gesam­melt sowie Hygie­ne­ar­ti­kel und län­ger halt­ba­re Lebens­mit­tel ein­ge­kauft, in zahl­rei­che Kar­tons ver­packt und gespen­det.

Am Sams­tag, 10. Juni 2017 ergab sich für die blin­de Anja Dei­bler und den seh­ge­schä­dig­ten sowie ein­sei­tig kör­per­be­hin­der­ten Peter Fuchs end­lich ein­mal die Gele­gen­heit, selbst beim Trans­port der voll bepack­ten Kar­tons zum Hilfsgüter­lager „Hal­den­hof“ in Nagold-Min­ders­bach mit dabei zu sein. Dort tra­fen sie erfreu­li­cher­wei­se per­sön­lich auf die H+W-Vereinsvorsitzende Karin Wahr, die an die­sem Tag Kar­tons für den nächs­ten Hilfs­gü­ter­trans­port bepack­te.

Karin Wahr mit Anja Dei­bler und Peter Fuchs.

Sie freu­te sich sehr über den recht spon­ta­nen Besuch sowie über die mit­ge­brach­ten Kar­tons und Klei­der­sä­cke aus Hei­li­gen­bronn. Auch ein zusätz­lich gespen­de­ter Geld­be­trag wur­de ger­ne ange­nom­men, da die LKW-Trans­por­te erheb­li­che Kos­ten ver­ur­sa­chen und daher finan­zi­el­le Unter­stüt­zung eben­so not­wen­dig ist. Grund­sätz­lich bekom­me jeder Spen­der einen aktu­el­len Rund­brief über die Pro­jek­te von H + W sowie gege­be­nen­falls eine Spen­den­be­stä­ti­gung.

Vor Ort führ­te Wahr die klei­ne Besu­cher­grup­pe bereit­wil­lig durch das gro­ße Lager­ge­bäu­de, eine unge­nutz­te Scheu­ne eines Aus­sied­ler­ho­fes, und erklär­te die ver­schie­de­nen not­wen­di­ge Arbeits­schrit­te, die alle vor einer Hilfs­gü­ter­lie­fe­rung umge­setzt wer­den müs­sen. Den blin­den und seh­ge­schä­dig­ten Besu­chern wur­de es ermög­licht, ein­zel­ne Din­ge mit den Hän­den abzu­tas­ten und auf alle Nach­fra­gen wur­de aus­gie­big Aus­kunft gege­ben. Man spür­te ihr deut­lich die Begeis­te­rung für die sozi­al-dia­ko­ni­sche Mis­si­ons­ar­beit ab.

Die Vor­sit­zen­de wies dar­auf hin, dass ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter gesucht wür­den, die ent­we­der im Lager mit­ar­bei­ten oder – falls sie einen LKW-Füh­rer­schein besit­zen – auch selbst bei Trans­porten aktiv mit dabei sein kön­nen. Der Ver­ein sei christ­lich orien­­tiert, hel­fen dür­fe man selbst­ver­ständ­lich aber auch mit ande­rer Religions­zuge­hörig­keit.

Die H+W-Helfer ver­tei­len die Hilfs­gü­ter vor Ort immer in enger Zusam­men­ar­beit mit den ein­hei­mi­schen Mit­ar­bei­tern, sodass sicher­ge­stellt ist, dass alles in den Waisen­heimen ankommt und nichts wei­ter­ver­kauft wird.

Der­zei­ti­ge Pro­jek­te in den bei­den Län­dern sind zum Bei­spiel die Unter­stüt­zung von Waisen­heimen und Lehr­werk­stät­ten. Hier könn­ten Beru­fe wie Fri­sö­rin, Nähe­rin, Fahrrad­mon­teur oder Schrei­ner gelernt wer­den. Vie­le jun­ge Men­schen hät­ten so die Gele­gen­heit, eine Aus­bil­dung zu machen, was dort alles ande­re als eine Selbstverständ­lichkeit sei.

Wahr berich­te­te wei­ter, dass in Rumä­ni­en jun­ge schwan­ge­re Mäd­chen oft­mals von ihrer Fami­lie aus­ge­sto­ßen und allein­ge­las­sen wür­den. H + W unter­stüt­ze jun­ge Mäd­chen prä­ven­tiv durch inten­si­ve Bera­tungs­ar­beit und die jun­gen Müt­ter ganz kon­kret durch die Wei­ter­ga­be umfas­sen­der Baby-Erst­aus­stat­tun­gen.

Über die christ­lich-kari­ta­ti­ven Pro­jek­te des H+W-Vereins kamen laut Frau Wahr schon vie­le ost­eu­ro­päi­sche Men­schen zum leben­di­gen Glau­ben an Gott, die dann vol­ler Begeis­te­rung am Gemein­de­le­ben teil­neh­men. Im Ver­gleich zu Deutsch­land gin­gen die Got­tes­diens­te dort oft­mals über meh­re­re Stun­den. Die Men­schen freu­ten sich ein­fach über die Frei­heit, ihren neu­ent­deck­ten Glau­ben aus­le­ben zu dür­fen.

Dies sei wäh­rend der Zeit des Kom­mu­nis­mus noch ganz anders gewe­sen. Ein­zel­ne Män­ner und Frau­en muss­ten aus Glau­ben­grün­den vie­le Jah­re ihres Lebens im Gefäng­nis ver­brin­gen! Wäh­rend nun zwar Glau­bens­frei­heit besteht, lei­den die Men­schen heu­te jedoch wei­ter­hin unter vie­ler­lei see­li­schen und mate­ri­el­len Nöten.

Berührt von die­sen aku­ten Not­la­gen der Men­schen, mein­te die jun­ge blin­de Anja Dei­bler spon­tan: „Es ist doch schön, wenn sich ein armes Kind in Rumä­ni­en schon über eine Klei­nig­keit von Her­zen freu­en kann – wenn es etwas zum Anzie­hen oder ein paar Schu­he bekommt!“ Dem konn­te Wahr aus eige­ner Erfah­rung voll zustim­men.
Ein aktu­el­les Hilfs­pro­jekt von H + W lau­tet „Die Dächer von Sili­vas“. Hier­bei soll den Men­schen in Rumä­ni­en gehol­fen wer­den, ihre oft­mals maro­den und undich­ten Dächer grund­zu­sa­nie­ren. Bei dem Pro­jekt kann ganz kon­kret für den Kauf von Bau­ma­te­ri­al gespen­det wer­den.

Die Hei­li­gen­bron­ner WfbM-Beschäf­tig­ten wür­den sich sehr freu­en, wenn die Arbeit von H + W bekann­ter wür­de, sodass in Zukunft noch weit mehr Men­schen aktiv mit­be­tei­ligt sind, der not­lei­den­den Bevöl­ke­rung in Ungarn und Rumä­ni­en eine lebens­wer­te und hoff­nungs­vol­le Zukunft in ihrer Hei­mat zu ermög­li­chen.

Weiterführende Informationen:

Bei einer Klei­der­spen­de soll­ten die gut erhal­te­nen Klei­dungs­stü­cke gewa­schen und in Kar­tons, Stoff­ta­schen oder Tüten ver­packt sein. Bit­te kei­ne beschä­dig­ten oder löche­ri­gen Tei­le bei­fü­gen. Bei Schu­hen soll­ten die Soh­len noch nicht durch­ge­laufen sein. Ent­sor­gen Sie also nicht Ihren Müll, schen­ken Sie auch armen Men­schen Wür­de.

Auf der Inter­net­sei­te www.hilfstransporte.org/helfen.htm erfährt man detail­liert, was alles ange­nom­men wird. Lebens­mit­tel soll­ten wegen der Trans­port­zeit län­ger halt­bar sein. Das Hilfs­gü­ter­la­ger in Nagold-Min­ders­bach ist werk­tags täg­lich von 8–12 Uhr und sams­tags bis 15 Uhr geöff­net. Frau Wahr steht tele­fo­nisch oder schrift­lich ger­ne für Ihre Fra­gen bereit. Kon­takt: Hilfs­trans­por­te + Wai­sen­hil­fe e. V., Hal­den­hof 1, 72202 Nagold-Min­ders­bach, Tel. 07452 / 6003681, E-Mail: kwahr@hilfstransporte.org