Die Integration von Flüchtlingen und Migranten wird die Gesellschaft noch lange beschäftigen. Foto: him

SCHRAMBERG (him) – Knapp 340 geflüchtete Menschen leben derzeit in Schramberg, die Sozialleistungen beziehen. Sie ins gesellschaftliche und berufliche leben einzugliedern fordere „einen gesamtgesellschaftlichen Kraftaufwand“, heißt es in einer Vorlage für den Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Drei Integrationsmanager sollen künftig dabei helfen.

Auch in den Umlandgemeinden leben viele Flüchtlinge, die nach Schramberg kommen, um sich zu informieren, Kurse zu besuchen, Freunde zu treffen oder einzukaufen. Neben den Flüchtlingen kommen aber auch viele Menschen aus EU-Staaten wie Rumänien und Bulgarien,  um hier zu arbeiten.

Enormes Potential für die zukünftige Entwicklung

Auch sie brauchen Unterstützung etwa durch Integrationskurse, Kindergartenplätze, außerschulische Bildungsangebote und Vorbereitungsklassen in den Schulen. Das bedeute einerseits eine Menge Mehrarbeit in allen Fachbereichen der Verwaltung, den Schulen, Kindertagesstätten, Vereinen, Behörden, Gesundheitspraxen und anderen Institutionen. Andererseits, so Marcel Dreyer, der Leiter der Abteilung Jugend, Familie, Bürgerschaftliches Engagement brächte „die vor allem junge Migration enormes Potential für die zukünftige Entwicklung des Mittelbereichs Schramberg“. Das gelte sowohl für den Arbeitsmarkt, wie auch das Zusammenleben in der Stadt.

Seit dem 1. September hat Charlotte Distler eine halbe Stelle als Integrationsbeauftragte Sie sei die „zentrale Ansprechpartnerin in der Stadtverwaltung für alle Abteilungen, Bürgerinnen und Bürger, Migranten, Vereine, Träger und Behörden“. Sie soll das Netzwerk Willkommen unterstützen und das städtisch verwaltete Flüchtlingskonto führen.

Für die direkte Unterstützung der Flüchtlinge und Arbeitsmigranten will die Stadt drei Integrationsmanager anstellen. Die Personalkosten übernimmt das Land im  Rahmen des „Pakts für Integration“, den das Land und  die Kommunen beschlossen haben. Insgesamt 70 Millionen Euro will das Land an die Kommunen verteilen, davon etwa 50 Millionen Euro für „Integrationsmanager“.

Integrationsmanager als Kümmerer

Sie sollen sich um die Sozialbetreuung von Flüchtlingen in der Anschlussunterbringung kümmern. „Sie sollen direkte Einzelfallhilfe, aufsuchenden Familienarbeit und niederschwellige Sozialberatung direkt in den Kommunen anbieten“, heißt es in der Vorlage. Das Land erhofft sich davon einen individuellen und nachhaltigen Integrationsprozess.

Der Stadt Schramberg stünden nach einem vorläufigen Planungsrahmen etwa 127.000 Euro, den Umlandgemeinden Hardt, Aichhalden und Lauterbach zusammen etwa 89.000 Euro zu. Schramberg könnte zwei, das Umland eine Vollzeitstelle einrichten. Anders als sonst, sollen die Kommunen zuerst die Leute einstellen und dann den Zuschuss beantragen. Man habe aber dennoch „eine äußerst hohe Planungssicherheit“, weil erst 60 Prozent der Gesamtfördersumme ausgeschüttet werden.

Die Stadtverwaltung befürworte deshalb das Projekt und schlägt vor die drei Integrationsmanager in der Verwaltungsgemeinschaft bei der Stadt Schramberg anzusiedeln. Das sei für alle Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund am günstigsten. „Die Aufgabe der Integration wird der Stadt nicht nur viele Jahre erhalten bleiben“, ist Dreyer überzeugt. Die Prognosen deuteten auf weitere Zuwanderung hin. Deshalb sollte Schramberg „zu einer noch migrationssensibleren Kommune“ ausgebaut werden. Die Stadt gehe kein Risiko ein, zum einen, weil die Stellen befristet sind und zum anderen, weil das Land die Personalkosten zu 100 Prozent übernimmt.

Zuständigkeiten von Kreis und Kommune klären

Geklärt werden müsse noch die Zuständigkeit. Bislang sei es so, dass der Landkreis für  diejenigen Flüchtlinge zuständig sei, die noch im Verfahren stecken, erläutert Oberbürgermeister Thomas Herzog auf Nachfrage der NRWZ. Die Kommunen kümmerten sich um die Flüchtlinge, die bleiben dürfen und auch  selbst eine Wohnung  suchen können.

Weil aber der Kreis Rottweil alle Flüchtlinge von vornherein  dezentral untergebracht hat, sei eine klare räumliche Trennung nach Wohnort oder Wohnraum nicht so einfach. Deshalb seien klare Absprachen mit dem Landkreis nötig. Unter Umständen sollten Kreis und Kommunen auch gemeinsame Angebote entwickeltn, schlägt Dreyer vor. Der Landkreis habe eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bereits zugesagt.

Nun solle die Stadtverwaltung mit den Gemeinden Hardt, Lauterbach und Aichhalden  eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit beim Integrationsmanagement schließen, heißt es unter anderem im Beschlussvorschlag. Außerdem soll die Verwaltung die drei Stellen für Integrationsmanager ausschreiben und besetzen.