Schwarze T-Shirts für die Warnstreikenden. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) – Beim Sul­ge­ner Lei­ter­plat­ten­her­stel­ler hängt seit Jah­ren der Haus­segen schief. Betriebs­rat und IG-Metall auf der einen, die Geschäfts­lei­tung auf der ande­ren Sei­te behar­ken sich mit Nick­lig­kei­ten. Jetzt hat der Streit um einen feh­len­den Haus­ta­rif­ver­trag eine neue Eska­la­ti­ons­stu­fe erreicht.

Auf­ruf zum Warn­streik

Die IG Metall hat die Beleg­schaft zu Warn­streiks heu­te und mor­gen auf­ge­ru­fen. Die Geschäfts­lei­tung ant­wor­tet mit einem Haus­ver­bot für die IG-Metall und der Dro­hung mit Abmah­nun­gen für die Beschäf­tig­ten, wenn sie nicht stem­peln. Die Spre­che­rin des Unter­neh­mens Chris­ti­ne Bla­ke erwi­dert, man habe die Beschäf­tig­ten ledig­lich „gebe­ten, auch in die­ser Situa­ti­on die bestehen­den betrieb­li­chen Rege­lun­gen zur Zeit­er­fas­sung ein­zu­hal­ten“.

Betriebsrat tagt auf der Straße

Weil die Geschäfts­lei­tung dem IG-Metall­funk­tio­när Ste­fan Kirsch­baum ver­bo­ten hat­te, das Betriebs­ge­län­de zu betre­ten, kam der Betriebs­rat kur­zer­hand auf den Geh­weg und beriet mit Kirsch­baum im Frei­en. Bla­ke begrün­det dies damit dass Streik­maß­nah­men und deren Vor­be­rei­tun­gen aus recht­li­chen Grün­den nicht auf dem Betriebs­ge­län­de statt­fän­den.

Nach mona­te­lan­gem Gezer­re hat­te die IG-Metall Schwei­zer-Vor­stand Nico­las Schwei­zer zu Ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert. Laut Kirsch­baum hat er auch geant­wor­tet, er habe kein Inter­es­se an Ver­hand­lun­gen mit der Gewerk­schaft, wer­de das bei einem Ter­min ger­ne erklä­ren. „Das ist Zeit­ver­schwen­dung für ihn und uns“, so Kirsch­baum.

Nicht will­kom­men bei Schwei­zer: IG-Metall­se­kre­tär Ste­fan Kirsch­baum und Sara Mül­ler (links) bera­ten mit den Betriebs­rä­ten Mar­kus Kret­sch­mann, Fried­bert Schie­mann, Bern­hard Wein­mann und Sieg­bert Mai­er auf dem Geh­weg. Die weis­se Linie zeigt die Gren­ze zum Betriebs­ge­län­de an.

Dazu meint Bla­ke: „Die Schwei­zer Elec­tro­nic AG setzt nach wie vor auf inter­ne Lösun­gen, die gemein­sam mit dem Betriebs­rat zum Wohl unse­rer Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sowie zum Wohl unse­res Unter­neh­mens erar­bei­tet wer­den“. Ent­spre­chen­de Gesprächs- und Ver­hand­lungs­an­ge­bo­te an den Betriebs­rat lägen vor. Zum The­ma Alters­teil­zeit habe man bereits eine Eini­gung erzielt.

Streik soll Zeichen setzen

Mit dem Warn­streik wol­le die Gewerk­schaft ein Zei­chen set­zen. Sie hat die Beleg­schaft auf­ge­for­dert am Frei­tag um 12 Uhr die Arbeit für zwei Stun­den zu been­den. Die Spät­schicht sol­le um 20 Uhr und die Früh­schicht am Sams­tag in der frü­he jeweils zwei Stun­den vor Schich­ten­de in Warn­streik tre­ten.

Die IG-Metall for­dert seit andert­halb Jah­ren unter ande­rem einen Haus­ta­rif­ver­trag statt der indi­vi­du­el­len Ver­ein­ba­run­gen. Die­se lägen etwa 20 Pro­zent unter  den Löh­nen in tarif­ge­bun­de­nen Betrie­ben. 1996 war Schwei­zer aus dem Arbeit­ge­ber­ver­band aus­ge­schie­den. Die Behaup­tung, sein Unter­neh­men zah­le per se 20 Pro­zent unter Tarif, sei „schlicht falsch. Wir zah­len anders, aber nicht schlech­ter“, beton­te Nico­las Schwei­zer schon zu Beginn der Aus­ein­an­der­set­zung.

Bei der Mit­tags­schicht haben sich laut Beleg­schafts­mit­glie­der zwei Abtei­lun­gen kom­plett am Warn­streik betei­ligt.  Mehr als die Hälf­te der etwa 60 Leu­te aus der Schicht sei­en her­aus­ge­kom­men. Bla­ke bestä­tigt, dass der Streik „Aus­wir­kun­gen auf den Betriebs­ab­lauf“ hat­te. Die Streik­wil­li­gen IG-Metall­mit­glie­der waren in  schwar­zen T‑Shirts durch den Betrieb gegan­gen und hat­ten die Beschäf­tig­ten zum Warn­streik ermun­tert. Man­che hät­ten, gesagt, sie sei­en ande­rer Mei­nung, so erzählt ein Strei­ken­der. „Aber wir wol­len ein Zei­chen set­zen.“

Schwar­ze T‑Shirts der Warn-Strei­ken­den.

Ein ande­rer berich­tet, er sei fast zwei Jahr­zehn­te im Unter­neh­men. Anfangs sei es gut gewe­sen, aber dann wur­de immer mehr gestri­chen, Pau­sen abge­zo­gen, Aktio­nen wie Stun­den-Spen­de für den Betrieb auf­ge­kom­men. „Ich hab‘ denen 350 Stun­den geschenkt.“

Die IG-Metall sieht den Warn­streik als „Schuss vor den Bug“, so Kirsch­baum. Die Gewerk­schaft sei immer noch an einer ver­nünf­ti­gen Lösung inter­es­siert. „Aber der Arbeit­ge­ber muss sich bewe­gen.“