„Kreisel-Luli“ freut sich

Pläne für Zwei-Richtungsverkehr im Schlossbergtunnel vorgestellt

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Die Talstadt West aus der Luft. Gut zu erkennen der Busbahnhof mit seinem charakteristischen Zeltdach. Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Die Idee stammt noch aus alten Zeiten: Der „Zwei-Richtungsverkehr im Schlossbergtunnel“. Als noch Günter Philipp für die SPD im Stadtrat saß und Oskar Stern im Rathaus fürs Planen zuständig war, haben die Räte schon über den Zwei-Richtungsverkehr nachgedacht. Philipp und Stern waren ausgewiesene Gegner solcher Pläne.

Das scheiterte in den 80er Jahren auch an der rechtlich unsicheren Lage. 1993 beschloss der Rat, den Verkehr im Schlossbergtunnel nur in einer Richtung rollen zu lassen. Das Thema kam im Zuge des Stadtentwicklungsprojektes STEP 2020+ und  des Stadtumbaus West  im Jahr 2007 wieder auf die Tagesordnung. Im November 2011 hat der Rat dann  den Grundsatzbeschluss gefasst, den Verkehr im Schlossbergtunnel doch im Zwei-Richtungsverkehr zu planen.

Das Büro Fichtner Water & Transportation aus Freiburg hat dazu eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und  dem Ausschuss für Umwelt und Technik vorgestellt. Um den Tunnel in beiden Richtungen nutzen zu können, müssen die Verkehrsknoten im Norden beim schloss und im Süden beim Busbahnhof umgestaltet werden. Dr. Markus Weise von Fichtner beschrieb drei Varianten für das Nordportal: Kreuzung mit Ampelbetrieb, großer oder kleiner Kreisel. Aus Kosten- und verkehrstechnischer Sicht plädierte er für den kleinen Kreisel mit Bypässen zum Preis von etwa 1,6 Millionen Euro.

Luftbild vom nördlichen Eingang zum Tunnel mit Schloss und St. Maria-Kirche. Foto: rem

Im Süden hatten die Planer bereits 2010 einen großen Umbau geplant. Dabei würde der Busbahnhof  Richtung Stadtmitte verschoben und ein Kreisverkehr auf den Leibbrandplatz gelegt. Den Preis schätzten die Planer damals auf 4,2 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Thomas Herzog wies darauf hin, dass an den Plänen „nichts aktuell“ sei, aber die Stadt seit Jahren im Gebiet Grundstücke erwerbe. Und: „Wir brauchen eine Entscheidung, damit wir planen können.“

In der Diskussion hat Uli Bauknecht, der „Kreisel-Luli“, wie ihn einst OB Herbert O. Zinell genannt habe, die Diskussion begrüßt. „Sehr heikel“ sei allerdings der Eingriff beim Schloss. Die Planer sollten prüfen, ob ein „Bypass“ nicht wegfallen könne. Außerdem brachte er ins Gespräch, auch die Berneckstraße im Zwei-Richtungsverkehr zu betreiben. Dann müsse man den Busbahnhof nicht verlegen und den Leibbrandplatz nicht zerschlagen. Auch wohnten in der Berneckstraße nur halb so viele Menschen als in der Schillerstraße.

Stadtplaner Stefan Läufer vom Planungsbüro Fahle sah das grundsätzlich anders. Die Frage sei doch: “Wie kriegen wir Leben in die westliche Talstadt?“ Etwa durch die bessere Anbindung des Busbahnhofs an die Innenstadt. „Wir bekommen Freiraumqualität, wir können das Gewässer in Wert setzen. Die Menschen können die Schiltach erleben.“ Die Umbaupläne brächten ein „Riesenpaket an Nutzen“, so sein Fazit.

Pläne für die Katz?

Johannes Grimm (CDU) blieb skeptisch. Er gehe davon aus, dass die Talumfahrung kommt. Dann verändere sich die Ausgangslage.“Wir werden den ganzen Durchgangsverkehr auf die Talumfahrung bekommen“, hoffte Grimm und folgerte, dann könnte man auf die Kreisverkehre verzichten.

Ralf Rückert (Freie Liste) fragte, ob bei einer möglichen Verlegung des Schulcampus auf den Sulgen ein so großer Busbahnhof noch nötig sei. Aus der SPD-Buntspechtfraktion kam die grundsätzliche Frage an die Planer, ob denn angesichts der künftigen Elektromobilität und des autonomen Fahrens, das in den kommenden Jahrzehnten Realität werden könnte, so umfangreiche Verkehrsplanungen überhaupt noch Sinn machten.

Planer Weise gestand zu, dass sich das Mobilitätsverhalten ändern werde. Auch das autonome Fahren werde kommen, aber wohl eher erst in 30 Jahren. Dass die Menschen auf das eigene Auto verzichten werden, glaube er nicht. Vielmehr gehe der Trend stärker zur Autonomie. „Die Menschen wollen mobil sein.“

Wegen der vielen grundsätzlichen Bedenken hat OB Herzog auf einen Empfehlungsbeschluss für den Gemeinderat verzichtet. Die Fraktionen sollten nochmals nachhirnen und am Donnerstag im Gemeinderat erneut beraten.