Krippenfreunde aus dem Landkreis Rottweil bei der Ausstellungseröffnung in Berlin: Ingeborg und Bernhard Rüth, Carsten Kohlmann, Ulrich und Ingeborg Scheller. Fotos: Privat

Am Mitt­woch wur­de in der Lan­des­ver­tre­tung Baden-Würt­tem­berg in Ber­lin mit der tra­di­tio­nel­len Über­ga­be eines Weih­nachts­bau­mes die Advents­zeit begrüßt. In einer gleich­zei­tig eröff­ne­ten Aus­stel­lung wer­den Krip­pen der Fami­lie Schel­ler aus Schram­berg gezeigt, wie Cars­ten Kohl­mann aus Ber­lin berich­tet.

Im Foy­er der Bot­schaft des Lan­des Baden-Würt­tem­berg in Ber­lin erwar­tet die Besu­cher bis zum 13. Dezem­ber eine sehens­wer­te Aus­stel­lung mit dem Titel „Krip­pen im Wan­del der Zeit“, in der Kunst­wer­ke von Rudi Bann­warth aus Ett­lin­gen und von Fami­lie Schel­ler aus Schram­berg zu sehen sind. Die Tra­di­ti­on der Fami­lie wur­de in den 1930er-Jah­ren von Max Schel­ler (1921 bis 1985) begrün­det, von sei­nem seit 1985 in Engen wohn­haf­ten Sohn Ulrich Schel­ler fort­ge­führt und zwi­schen­zeit­lich auch an den Enkel Urs Schel­ler ver­erbt.

Die Fami­lie ist auch vom Hegau aus mit ihrer alten Hei­mat­stadt im Schwarz­wald eng ver­bun­den. Das Haus der Fami­lie in Schram­berg wird von der Enke­lin Ulri­ke Schel­ler bewohnt. Dass Schram­berg als „Krip­pen­haupt­stadt des Schwarz­wal­des“ bezeich­net wird, ist maß­geb­lich dem gro­ßen Enga­ge­ment von Fami­lie Schel­ler zu ver­dan­ken, die­se bedeu­ten­de Tra­di­ti­on ihrer Hei­mat­stadt auf einem hohen gestal­te­ri­schen wie inhalt­li­chem Niveau am Leben zu erhal­ten.

Mit der Aus­stel­lung im Schau­fens­ter des Lan­des Baden-Würt­tem­berg in Ber­lin wird die her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung der Weih­nachts­krip­pen aus Schram­berg erneut und erst­mals auch auf Bun­des­ebe­ne bewusst gemacht.

In der Aus­stel­lung ist auf einem Bild­schirm auch die von Fer­di­nand Moos­mann vom ehren­amt­li­chen „Arbeits­kreis Krip­pen“ für das Stadt­mu­se­um Schram­berg mit meis­ter­haf­ten Fotos erar­bei­te­te Prä­sen­ta­ti­on zur Geschich­te des Krip­pen­baus in Schram­berg von den Anfän­gen bis zur Gegen­wart zu sehen. Schon län­ger gehört Ulrich Schel­ler zudem zu den Vor­den­kern eines „Schwarz­wäl­der Krip­pen­mu­se­ums“ in sei­ner Hei­mat­stadt, um die pri­va­ten und städ­ti­schen Bestän­de zusam­men­zu­füh­ren.

Dar­in wird er auch von Kreis­ar­chiv­di­rek­tor Bern­hard Rüth unter­stützt, der zusam­men mit sei­ner Frau Inge­borg Rüth im Jahr 2015 das „Schwä­bisch-ale­man­ni­sche Krip­pen­le­xi­kon“ ver­öf­fent­licht hat.

Für die Aus­stel­lung hat Ulrich Schel­ler ins­ge­samt neun Expo­na­te aus­ge­wählt, die einen reprä­sen­ta­ti­ven Über­blick über das Schaf­fen sei­ner Fami­lie geben. Sein Vater Max Schel­ler ist durch die um 1950 ent­stan­de­ne Büfett-Kas­ten-Krip­pe „Wald­weih­nacht“ und die bekann­te Krip­pe „Flucht im Kahn“ aus dem Jahr 1963 ver­tre­ten, an deren Gestal­tung auch Alfred Hau­ser und Ulrich Schel­ler mit­wirk­ten. Die „Flucht im Kahn“ zeigt – völ­lig außer­ge­wöhn­lich – die Hei­li­ge Fami­lie auf einem win­ter­li­chen Fluss. Max Schel­ler ver­ar­bei­te­te dar­in ein Erleb­nis aus dem Zwei­ten Welt­krieg, als er beim Kabel­zie­hen aus einem Boot in den Eis füh­ren­den Fluss Dnjepr fiel. Für das Wun­der, vor dem Tod durch Erfrie­ren und Ertrin­ken bewahrt geblie­ben zu sein, emp­fand er eine lebens­lan­ge Dank­bar­keit.

Ulrich Schel­ler bei sei­ner Ein­füh­rung in die Aus­stel­lung „Krip­pen im Wan­del der Zeit“ in der Lan­des­ver­tre­tung Baden-Würt­tem­berg in Ber­lin.

Die Krip­pen „Christ­ge­burt in einer Bara­cke“ aus dem Jahr 1974 und „Als Flücht­ling unter­wegs“ aus dem Jahr 1992 von Ulrich Schel­ler stel­len nach­denk­lich stim­men­de Bezü­ge zwi­schen der Zeit vor 2000 Jah­ren und der Gegen­wart des Erbau­ers her, „um immer wie­der auf das hier und heu­te zu ver­wei­sen.“ Zusam­men mit sei­nem Sohn Urs Schel­ler hat Ulrich Schel­ler, der sich auch für den Ver­ein „Nach­barn in Euro­pa“ sehr enga­giert, im Jahr 2015 auch eine Krip­pe für die bedeu­ten­de Erz­ab­tei Mar­tins­berg zu Pan­non­hal­ma in Ungarn gestal­tet. In der Aus­stel­lung in Ber­lin ist die­se Krip­pe in einer ver­klei­ner­ten Nach­bil­dung zu sehen.

Bei der Aus­stel­lungs­er­öff­nung führ­te Ulrich Schel­ler die zahl­rei­chen Gäs­te der Lan­des­ver­tre­tung Baden-Würt­tem­berg mit Bil­dern aus sei­ner Hei­mat­stadt Schram­berg in die Geschich­te der Weih­nachts­krip­pe ein und stell­te die Tra­di­ti­on sei­ner Fami­lie vor. Sein zen­tra­les Anlie­gen ist die über den Krip­pen­raum hin­aus­rei­chen­de „vier­te Dimen­si­on“, die er als „keryg­ma­ti­sche Dimen­si­on“ bezeich­net, „die Dimen­si­on einer ernst­haf­ten Aus­sa­ge an den Betrach­ter einer Krip­pe, die zu  Nach­den­ken anre­gen soll.“ Dazu wer­den in den von der „Schram­ber­ger Schu­le“ per­fek­tio­nier­ten Kas­tenkrip­pen die Archi­tek­tur, die Figu­ren und die Beleuch­tung gezielt ein­ge­setzt, um den Betrach­ter zur „keryg­ma­ti­schen Dimen­si­on“ zu füh­ren.

Wor­um es dabei immer wie­der von neu­em geht, hat Ulrich Schel­ler in sei­nem Refe­rat in Ber­lin so beschrie­ben: „Bet­le­hem ist über­all! Über­all brau­chen Men­schen Her­ber­ge, Gebor­gen­heit für Not­si­tua­tio­nen und für einen All­tag in Lebens­freu­de und heil­vol­len Frie­den, frü­her und heu­te zuta­ge viel­leicht beson­ders durch die immer noch aktu­el­le und äußerst not­wen­di­ge Heils­bot­schaft aus der Zeit von vor 2018 Jah­ren […] Die­sen zutiefst mensch­li­chen Wunsch möch­ten wir in der Gestal­tung unse­rer unter­schied­lichs­ten Krip­pen ein­be­zie­hen, still und den­noch ein­dring­lich zum Aus­druck brin­gen.“