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Mittwoch, 26. Februar 2020

Krippen aus Schramberg verkünden Weihnachten in Berlin

Ausstellung der Familie Scheller in der Landesvertretung Baden-Württemberg

Am Mittwoch wurde in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin mit der traditionellen Übergabe eines Weihnachtsbaumes die Adventszeit begrüßt. In einer gleichzeitig eröffneten Ausstellung werden Krippen der Familie Scheller aus Schramberg gezeigt, wie Carsten Kohlmann aus Berlin berichtet.

Im Foyer der Botschaft des Landes Baden-Württemberg in Berlin erwartet die Besucher bis zum 13. Dezember eine sehenswerte Ausstellung mit dem Titel „Krippen im Wandel der Zeit“, in der Kunstwerke von Rudi Bannwarth aus Ettlingen und von Familie Scheller aus Schramberg zu sehen sind. Die Tradition der Familie wurde in den 1930er-Jahren von Max Scheller (1921 bis 1985) begründet, von seinem seit 1985 in Engen wohnhaften Sohn Ulrich Scheller fortgeführt und zwischenzeitlich auch an den Enkel Urs Scheller vererbt.

Die Familie ist auch vom Hegau aus mit ihrer alten Heimatstadt im Schwarzwald eng verbunden. Das Haus der Familie in Schramberg wird von der Enkelin Ulrike Scheller bewohnt. Dass Schramberg als „Krippenhauptstadt des Schwarzwaldes“ bezeichnet wird, ist maßgeblich dem großen Engagement von Familie Scheller zu verdanken, diese bedeutende Tradition ihrer Heimatstadt auf einem hohen gestalterischen wie inhaltlichem Niveau am Leben zu erhalten.

Mit der Ausstellung im Schaufenster des Landes Baden-Württemberg in Berlin wird die herausragende Bedeutung der Weihnachtskrippen aus Schramberg erneut und erstmals auch auf Bundesebene bewusst gemacht.

In der Ausstellung ist auf einem Bildschirm auch die von Ferdinand Moosmann vom ehrenamtlichen „Arbeitskreis Krippen“ für das Stadtmuseum Schramberg mit meisterhaften Fotos erarbeitete Präsentation zur Geschichte des Krippenbaus in Schramberg von den Anfängen bis zur Gegenwart zu sehen. Schon länger gehört Ulrich Scheller zudem zu den Vordenkern eines „Schwarzwälder Krippenmuseums“ in seiner Heimatstadt, um die privaten und städtischen Bestände zusammenzuführen.

Darin wird er auch von Kreisarchivdirektor Bernhard Rüth unterstützt, der zusammen mit seiner Frau Ingeborg Rüth im Jahr 2015 das „Schwäbisch-alemannische Krippenlexikon“ veröffentlicht hat.

Für die Ausstellung hat Ulrich Scheller insgesamt neun Exponate ausgewählt, die einen repräsentativen Überblick über das Schaffen seiner Familie geben. Sein Vater Max Scheller ist durch die um 1950 entstandene Büfett-Kasten-Krippe „Waldweihnacht“ und die bekannte Krippe „Flucht im Kahn“ aus dem Jahr 1963 vertreten, an deren Gestaltung auch Alfred Hauser und Ulrich Scheller mitwirkten. Die „Flucht im Kahn“ zeigt – völlig außergewöhnlich – die Heilige Familie auf einem winterlichen Fluss. Max Scheller verarbeitete darin ein Erlebnis aus dem Zweiten Weltkrieg, als er beim Kabelziehen aus einem Boot in den Eis führenden Fluss Dnjepr fiel. Für das Wunder, vor dem Tod durch Erfrieren und Ertrinken bewahrt geblieben zu sein, empfand er eine lebenslange Dankbarkeit.

Ulrich Scheller bei seiner Einführung in die Ausstellung „Krippen im Wandel der Zeit“ in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin.

Die Krippen „Christgeburt in einer Baracke“ aus dem Jahr 1974 und „Als Flüchtling unterwegs“ aus dem Jahr 1992 von Ulrich Scheller stellen nachdenklich stimmende Bezüge zwischen der Zeit vor 2000 Jahren und der Gegenwart des Erbauers her, „um immer wieder auf das hier und heute zu verweisen.“ Zusammen mit seinem Sohn Urs Scheller hat Ulrich Scheller, der sich auch für den Verein „Nachbarn in Europa“ sehr engagiert, im Jahr 2015 auch eine Krippe für die bedeutende Erzabtei Martinsberg zu Pannonhalma in Ungarn gestaltet. In der Ausstellung in Berlin ist diese Krippe in einer verkleinerten Nachbildung zu sehen.

Bei der Ausstellungseröffnung führte Ulrich Scheller die zahlreichen Gäste der Landesvertretung Baden-Württemberg mit Bildern aus seiner Heimatstadt Schramberg in die Geschichte der Weihnachtskrippe ein und stellte die Tradition seiner Familie vor. Sein zentrales Anliegen ist die über den Krippenraum hinausreichende „vierte Dimension“, die er als „kerygmatische Dimension“ bezeichnet, „die Dimension einer ernsthaften Aussage an den Betrachter einer Krippe, die zu  Nachdenken anregen soll.“ Dazu werden in den von der „Schramberger Schule“ perfektionierten Kastenkrippen die Architektur, die Figuren und die Beleuchtung gezielt eingesetzt, um den Betrachter zur „kerygmatischen Dimension“ zu führen.

Worum es dabei immer wieder von neuem geht, hat Ulrich Scheller in seinem Referat in Berlin so beschrieben: „Betlehem ist überall! Überall brauchen Menschen Herberge, Geborgenheit für Notsituationen und für einen Alltag in Lebensfreude und heilvollen Frieden, früher und heute zutage vielleicht besonders durch die immer noch aktuelle und äußerst notwendige Heilsbotschaft aus der Zeit von vor 2018 Jahren […] Diesen zutiefst menschlichen Wunsch möchten wir in der Gestaltung unserer unterschiedlichsten Krippen einbeziehen, still und dennoch eindringlich zum Ausdruck bringen.“

 

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