Rudolf Mager (zweiter von links) und Karl Pröbstle (dritter von links) führten beim Spaziergang vom Felsen im Rotliegenden am Seilerwegle die Schiltach entlang durch die Stadt. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) – Beim ers­ten Stadt­spa­zier­gang zur Lan­des­gar­ten­schau­be­wer­bung befass­ten sich die Ver­tre­ter der Stadt und zwei Exper­ten mit dem „Blau­en Band“  das die Schiltach durch die Tal­stadt bil­det.

Fach­be­reichs­lei­ter Rudolf Mager hat­te  in sei­ner Ein­füh­rung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Idee aus dem Stadt­ent­wick­lungs­pro­gramm STEP 2020+ stammt (wir haben berich­tet).

Die Fach­leu­te Peter Geitz, Ste­fan Brück­mann und Rudolf Mager (von links).

Diplom­in­ge­nieur Ste­fan Brück­mann vom Büro Drei­saitl ging in sei­nem Impuls­vor­trag auf die Chan­cen ein, die eine Lan­des­gar­ten­schau auch für den Hoch­was­ser­schutz bie­ten könn­te. Die extrem star­ken Regen­fäl­le näh­men in Zukunft zu, ist er über­zeugt. Durch die Zuflüs­se zur Schiltach wer­de sich das Was­ser im Zwei­fel ober­ir­di­sche Wege suchen. „Was tun wir für eine siche­re Stadt?“

Regenwasser zurückhalten als Hochwasserschutz

Es sei nicht damit getan, zusätz­li­che oder grö­ße­re Abwas­ser­ka­nä­le zu bau­en. Im Rah­men eines „akti­ven Regen­was­ser­ma­nage­ments  im Hin­ter­land“ soll­ten Frei­räu­me für die Zuflüs­se geschaf­fen wer­den, die ein zu schnel­les Abflie­ßen in die Schiltach ver­hin­dern. Als posi­ti­ves Bei­spiel nann­te er das Neu­bau­ge­biet Scho­ren. Dort wür­den etwa 5000 Kubik­me­ter Regen­was­ser zurück­ge­hal­ten, und das inte­griert in den Stadt­be­zirk, lob­te der Fach­mann für Fluss­re­na­tu­rie­run­gen.

Der Stutt­gar­ter Land­schafts­ar­chi­tekt Peter Geitz hat­te eine Rei­he Bei­spie­le parat, wie in ver­gleich­ba­ren Städ­ten die Rena­tu­rie­rung von Ufer­zo­nen einer­seits dem Hoch­was­ser­schutz ande­rer­seits auch der Lebens­qua­li­tät gedient haben. In Kirch­heim unter Teck  ent­fern­ten die Was­ser­bau­er eine senk­rech­te Mau­er bei einer Schu­le und wei­te­ten den Platz aus. „Dort hat man den Schul­hof ins Gewäs­ser inte­griert.“ Ande­re Bei­spie­le aus  Vai­hin­gen an der Enz, Pforz­heim, Nür­tin­gen und Sin­ga­pur ver­deut­lich­ten, wel­chen Gewinn Mensch und Natur aus einer Rena­tu­rie­rung von Flüs­sen zie­hen kann.

Mager wies dar­auf hin, dass sol­che Maß­nah­men aus ande­ren Töp­fen als aus dem Lan­des­gar­ten­schau­etat finan­ziert wer­den soll­ten. So lie­ßen sich noch grö­ße­re Effek­te errei­chen. Er kün­dig­te an, dass die Ver­wal­tung bereits beschlos­se­ne Pro­jek­te unter die­sen Gesichts­punk­ten noch ein­mal prü­fen wol­le. So könn­te es sinn­voll sein, die Brü­cke beim Gym­na­si­um ein paar Meter zu ver­län­gern, um  die Böschung spä­ter schräg anle­gen zu kön­nen.

Die Stadt mit anderen Augen gesehen

Beim anschlie­ßen­den Spa­zier­gang vom Fel­sen aus dem „Rot­lie­gen­den“ beim Kin­der­gar­ten Sei­ler­weg­le bis in die Stadt zum Schloss und durch die Fuß­gän­ger­zo­ne zurück zeig­te Mager, was alles mög­lich – und nötig wäre. Beim Start­punkt wer­de „Frei­raum ver­schenkt“. Die Zufahrt zu den Häu­sern am Ende des Sei­ler­weg­les könn­te auch beim Sport­platz erfol­gen.

Der Bereich der Park­plät­ze beim Gym­na­si­um lie­ße sich etwas ver­än­dern. Der Schwei­zer-und der Ber­neck-Park­platz – für Stadt­pla­ner idea­les Gelän­de etwa für eine Stadt­hal­le. Der Abschnitt vom Gym­na­si­um bis zum Bus­bahn­hof: Kommt eines Tages der Zwei-Rich­tungs­ver­kehr im Tun­nel, lie­ße sich hier ein ganz neu­er Platz, der Schiltach­platz gestal­ten. Der Zusam­men­fluss von Lau­ter­bach und Schiltach, ver­bor­gen hin­ter Zäu­nen und Gebüsch. Beim Tafel­la­den am Tun­nel­aus­gang wies Mager auf die zwei­te Fels­wand aus dem Rot­lie­gen­den: Was tut man an die­sem beson­de­ren Ort? „Par­kie­ren und einen Tra­fo­kas­ten der Stadt­wer­ke hin­stel­len.“

Am Roß­gum­pen schwärmt Mager von Schram­berg als der „Stadt der 80 Brü­cken“, die aller­dings oft kaum genutzt wer­den. Bei den neu­en Wohn­bau­ten am Bres­ten­berg wies er dar­auf hin, wie öko­no­misch und öko­lo­gisch sinn­voll die ver­dich­te­te Bau­wei­se im Tal sei. Auf wesent­lich weni­ger Flä­che als auf dem Sul­gen woh­nen im Tal mit etwa 8000 Ein­woh­nern etwa 500 Men­schen mehr als auf dem Sul­gen. „Hier braucht man etwa drei Qua­drat­me­ter Asphalt je Ein­woh­ner, bei Ein­fa­mi­li­en­häu­sern etwa 50 Qua­drat­me­ter.“

Wasserkraftwerk am St. Maria-Wehr?

Der Umwelt­be­auf­trag­te Karl Pröbst­le zeig­te dann in Höhe des Rat­hau­ses, dass bei einem star­ken Hoch­was­ser das Was­ser in die etwa einen Meter unter dem Hoch­was­ser­spie­gel gele­ge­nen Fuß­gän­ger­zo­ne  rau­schen wür­de. An der Schiltach, so Pröbst­le, wer­de die Was­ser­kraft zur Strom­erzeu­gung zu etwa der Hälf­te aus­ge­schöpft. Am St. Maria-Wehr wäre ein wei­te­res Kraft­werk mög­lich. Weil  die Stadt sowie­so die Gewäs­ser­durch­läs­sig­keit her­stel­len müss­te, böte sich hier der Umbau und Ein­bau einer Tur­bi­ne an.

Beim Schloss zeig­te Mager, dass die Stadt hier den Park zur Schiltach hin erwei­tern könn­te. Soll­te die Tal­um­fah­rung kom­men, lie­ße sich auch die Stra­ße rück bau­en. Beim Hir­so­ner Platz möch­te Mager auch noch ein­mal vor der Umset­zung drü­ber schau­en und bei der Möblie­rung mög­li­cher­wei­se nach­bes­sern. In der Fuß­gän­ger­zo­ne  schlug er vor, das Hess-Bäch­le weni­ger tief zu gestal­ten.

OB: „Wir sind konkurrenzfähig“

In der Dis­kus­si­on in der Aula frag­te der Ten­nen­bron­ner Ort­schafts­rat Robert Her­mann,  wie das Ber­neck­tal ein­be­zo­gen wer­den könn­te. Mager dach­te dar­an, etwa den Rund­weg um Schram­berg in „ver­dau­li­che Abschnit­te“ zu tei­len. Der Ber­neck­steig sei eben­falls eine Idee. Immo­bi­li­en­fach­mann Karl Wolf frag­te nach den Park­plät­zen für die Besu­cher. Da wer­de das geplan­te Indus­trie­ge­biet Schieß­ä­cker die ent­schei­den­de Rol­le spie­len, so Mager.

OB Her­zog ergänz­te, dass die Haupt­be­su­cher­strö­me zum Wit­tum-Gelän­de zu erwar­ten sei­en. Ein Bus-Shut­tle wer­de sie auch ins Tal brin­gen. Jetzt gehe es nur um eine Mach­bar­keits­stu­die, beton­te Her­zog. „Die Details kom­men spä­ter.“

CDU-Stadt­rat Tho­mas Brant­ner spür­te die Bereit­schaft der Bür­ger­schaft mit zu machen. Viel hän­ge auch von der Tal­um­fah­rung ab. Mager beton­te, wie wich­tig für die Bewer­bung die Betei­li­gung aller Akteu­re in der Stadt sei. OB Her­zog  wie­der­hol­te, was er zu Beginn schon erklärt hat­te: “Wir sind kon­kur­renz­fä­hig.“