Kein Stuhl war mehr frei: Aufmerksame Zuhörer vor dem Landesgartenschauspaziergang. Fotos: him

SCHRAMBERG  (him) –  Das Inter­es­se an einer mög­li­chen Lan­des­gar­ten­schau in Schram­berg wächst von Woche zu Woche. Waren beim ers­ten Stadt­spa­zier­gang etwa 30 Gäs­te gekom­men, zähl­ten die Ver­ant­wort­li­chen beim zwei­ten schon an die sech­zig Inter­es­sier­te. Am Sams­tag auf dem Sul­gen hat­ten sich mehr als 100 Spa­zier­gän­ger im „Ate­lier“ der Grund- und Werk­re­al­schu­le ein­ge­fun­den.

Nach der Begrü­ßung durch Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog zeig­te Fach­be­reichs­lei­ter Rudolf Mager, wie weit die ver­wal­tungs­in­ter­nen Vor­ar­bei­ten für die Bewer­bung schon gedie­hen sind. Er hat­te vor­her- nach­her- Foli­en dabei, die die Mög­lich­kei­ten am „Blau­en Band“ im Tal auf­zeig­ten. Er ver­deut­lich­te, wie der Bau einer Stadt- oder Mes­se­hal­le auf dem Schwei­zer-Park­platz in ein Lan­des­gar­ten­schau-Kon­zept ein­ge­bun­den wer­den könn­te. Über­haupt, die Tal­stadt müs­se Anzie­hungs­punkt für die Men­schen aus dem Umland wer­den. Mot­to: „Am Wochen­en­de gehen wir in die Stadt.“

Roadmap für Schramberg

Auf dem Sul­gen soll sich das eigent­li­che Gar­ten­schau­ge­län­de im Bereich zwi­schen Wit­tum und beruf­li­chen Schu­len erstre­cken. Direkt anschlie­ßend plant die Stadt  das Indus­trie­ge­biet Schieß­acker. Hier wäre ein idea­ler Platz für die Logis­tik, die „Anfahrts­zen­tra­le“, so Mager. Ein See wäre Teil eines Regen­was­ser­ma­nage­ment­sys­tems, das den Göt­tel­bach ent­las­ten wür­de.

Mager schwärm­te von einem „E-Shut­tle-Bus durchs Ber­neck­tal am Wochen­en­de, um das Tal wie­der erleb­bar zu machen, wie einst beim Ber­neck­tal­fest. Ein „Fly­ing Fox“, eine Pen­del­seil­bahn zum Ecken­hof, ein Züg­le zum Gar­ten­schau­ge­län­de, vie­le Ange­bo­te, die zum län­ge­ren Ver­wei­len ein­la­den sol­len. Mager mach­te die Besu­cher neu­gie­rig. Ent­schei­dend für die Bewer­bung sei näm­lich: „Die Stadt muss bren­nen dafür.“

Sei­ne Vor­stel­lung sei aber kei­ne rei­ne Visi­on mehr, son­dern  schon ein Pro­jekt. „Es ist die Road­map für Schram­berg, und zwar mit und ohne Zuschlag einer Lan­des­gar­ten­schau.“

Schiltach: harte Schale aufweichen

Ste­fan Brück­mann, Part­ner bei Ram­boll Stu­dio Drei­seitl – wo Mager bis Ende Sep­tem­ber eben­falls beschäf­tigt war – sprach über die Mög­lich­kei­ten, wie die Lan­des­gar­ten­schau­pla­nung in das Hoch­was­ser­ma­nage­ment ein­be­zo­gen wer­den kön­ne. Er über­rasch­te mit der Erkennt­nis moder­ner Stadt­pla­ner: „Eine Stadt wan­delt sich in 50 Jah­ren zu 50 Pro­zent.“ Ent­ste­hen­de Lücken  müss­ten nicht alle wie­der auf­ge­füllt wer­den. In Schram­berg kön­ne die Schiltach sich kaum aus­brei­ten. „Wo Bau­lü­cken ent­ste­hen, soll­te man den Fluss­lauf aus­wei­ten“, rät Brück­mann. Die exis­tie­ren­de „har­te Scha­le auf­wei­chen“.

Beim Spa­zier­gang erläu­tert Ste­fan Brück­mann moder­nes Regen­was­ser­ma­nage­ment, links neben ihm Stadt­rat Franz Rapp

Schram­berg befin­de sich in einer Hoch­was­ser­ge­fah­ren­zo­ne. „Ein Stark­re­gen wie in Brauns­bach kann auch uns tref­fen.“  Regen­rück­hal­te­be­cken, aber auch ein Ober­flä­chen­was­ser­ma­nage­ment wie auf dem Scho­ren  könn­ten vor­beu­gen. Park­plät­ze, Park­an­la­gen, Dach­flä­chen, ja auch Stra­ßen könn­ten als Zwi­schen­spei­cher die­nen. Schließ­lich zeigt er die Vor­beu­ge­mög­lich­kei­ten im Witt­um­ge­län­de mit einem neu­en Land­schafts­park und einem Reten­ti­ons-See auf. Für die Fas­net hat­te Brück­mann eine Beru­hi­gungs­pil­le: Die „Befahr­bar­keit“ der Schiltach bei der Bach-na-Fahrt blei­be auf jeden Fall gewahrt.

Jeder Deckel wird gelupft“

Pro­fes­sor Hubert Möhr­le, Land­schafts­ar­chi­tekt und lang­jäh­ri­ger Vor­sit­zen­der der För­de­rungs­ge­sell­schaft für die Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­gar­ten­schau­en, stell­te sich als Bera­ter für eine Gar­ten­schau­be­wer­bung vor. Er erläu­ter­te die Chan­cen und Poten­zia­le einer Lan­des­gar­ten­schau für Schram­berg: “Sie ist ein gutes Instru­ment zur Stadt­ent­wick­lung.“  

Hubert Möhr­le.

Bei einer Gar­ten­schau könn­ten Din­ge umge­setzt wer­den, die eine Stadt sonst nicht schaf­fe. Sobald eine Stadt den Zuschlag habe, wer­de auch in den Regie­rungs­prä­si­di­en geprüft, aus wel­chen Töp­fen Zuschüs­se flie­ßen könn­ten: „Jeder Deckel wird gelupft“, so Möhr­les Erfah­rung. Eine Lan­des­gar­ten­schau bräch­te eine „Rund­erneue­rung für die Stadt“. Bei der Gar­ten­schau an sich gehe es nicht um die Besu­cher­zahl son­dern dar­um, was bleibt.

Möhr­le lob­te die bis­he­ri­gen Vor­ar­bei­ten für eine Bewer­bung. Die bereits vor­lie­gen­den Skiz­zen und Plä­ne reich­ten völ­lig aus für eine Mach­bar­keits­stu­die. Wich­tig sei, zu zei­gen, dass die Gar­ten­schau von allen getra­gen wer­de. Mager bestä­tig­te das: „Wir brau­chen  die Ver­ei­ne.“ Bei einer Lan­des­gar­ten­schau sei­en  etwa 20.000 Stun­den Ehren­amt­li­cher erforderlich.“Das ist ein har­tes Stück Arbeit für die Ver­wal­tung aber auch für die Bür­ger­schaft.“

Blick über das mögliche Gartenschaugelände

Beim anschlie­ßen­den Rund­gang zeig­te Mager gemein­sam mit Karl Pröbst­le vom  Tief­bau­amt, wo nach sei­ner Vor­stel­lung das Lan­des­gar­ten­schau­ge­län­de sich erstre­cken könn­te. Bei den Park­plät­zen der Kreis­be­rufs­schu­len etwa: „Sie haben gera­de den Kas­sen­be­reich pas­siert….“

Karl Pröbst­le und Rudolf Mager haben etwas im Blick.

Beim ehe­ma­li­gen Fried­hof  erläu­ter­te Möhr­le, dass gera­de die Fried­hofs­gärt­ner eine wich­ti­ge Rol­le bei Lan­des­gar­ten­schau­en spiel­ten. Da wäre der bis dahin ganz auf­ge­las­se­ne Fried­hof ein idea­ler Ort. Auf dem Erd­hü­gel beim Witt­um­ge­län­de hat­te der Bau­hof einen etwa sechs Meter hohen Aus­sichts­turm aus Gerüst­ma­te­ri­al errich­tet. Die Spa­zier­gän­ger genos­sen bei kal­ten Tem­pe­ra­tu­ren den Blick hin­über zu den Sport­an­la­gen und den Schu­len bis zum Schieß­acker.

Auch Stadt­wer­ke­lei­ter Peter Kälb­le genießt den Blick vom Turm.

Mager ist über­zeugt, dass auch die Schram­ber­ger Indus­trie die erwar­te­te eine Mil­li­on Besu­cher anspre­chen könn­te: Ein hal­bes Jahr könn­te man um Nach­wuchs wer­ben.

Seilbahn?

Er sein immer wie­der auf sein Stich­wort „Seil­bahn“ ange­spro­chen wor­den, so Mager beim Hügel. Ein Fach­mann der Fir­ma, die auch in Koblenz bei der Bun­des­gar­ten­schau die Seil­bahn gebaut hat, wer­de in den nächs­ten zwei Wochen vor Ort sein. Ob eine Seil­bahn kommt oder nicht, sei für ihn nicht ent­schei­dend. Wich­tig sei, alle Schub­la­den auf­zu­ma­chen und alte Ide­en neu zu prü­fen. Auf jeden Fall sei eine Seil­bahn „eines der ener­gie­ef­fi­zi­en­tes­ten Trans­port­sys­te­me“.

Beliebt: Der Turm.

Nach­dem die Spa­zier­gän­ger alle die Gele­gen­heit hat­ten, vom Turm einen Blick in die Fer­ne zu wagen, sperr­te Bau­hof­lei­ter Stef­fen Auber den Turm wie­der ab.

Bürgerinformation im Frühjahr

Zurück im Ate­lier ver­wies Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog dar­auf, dass die genaue Lage einer Lan­des­gar­ten­schau noch längst nicht fest­ste­he. Er wer­de sich im Früh­jahr spä­tes­tens mit den Anwoh­nern der Heu­wies zusam­men­set­zen. Nach der Fas­net kön­ne er sich auch eine grö­ße­re Bür­ger­infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung vor­stel­len, even­tu­el­le mit der wegen der Schwimm­ba­d­er­neue­rung in Ten­nen­bronn geplan­ten.

 Aber klar sei auch, dass eine Lan­des­gar­ten­schau eine gro­ße Chan­ce für die Stadt­ent­wick­lung sei. Her­zog: „Die Stadt braucht Ver­än­de­rung, muss sich häu­ten.“