Landwirtschaft: „Wir Grünen sagen schon lange, dass das Mist ist!“

Grüne stellen sich in Schramberg ihren Kritikern

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Der grüne Kreisverband hatte am Dienstag zur öffentlichen Vorstandsitzung ins Gasthaus Spunden in Schramberg eingeladen. Und es waren einige Kritiker gekommen, so dass sich teils hitzige Diskussionen entwickelten, wie die Partei in einer Pressemitteilung berichtet.

Schramberg. Die Grünen seien Kriegstreiber, zerstörten die heimische Landwirtschaft und die Unternehmen und würden mit Steuergeldern lieber Radwege in Peru bauen statt es deutschen Rentnern zu geben, solche und weitere Vorwürfe waren zu hören.

Doch es gelang Sonja Rajsp-Lauer und ihren Kollegen, hier vieles, was kolportiert wird, klarzustellen. „Seit Jahrzehnten haben wir ein System, das die Bauern zwingt, immer mehr produzieren zu müssen“, betonte Rajsp-Lauer, die selbst bei der Initiative Solidarische Landwirtschaft „Ackernative“ mit anpackt. Da bekommt der Landwirt sein festes Geld, egal wie die Ernte ausfällt.

Im Gegensatz dazu gilt im Agrarsektor seit Jahrzehnten die CDU-Parole „wachse oder weiche“. Diese Strategie habe viele Bauern zum Aufgeben gezwungen. „Wir Grünen sagen schon lange, dass das Mist ist.“

Tierwohlkennzeichen gibt es  bei Eiern seit langem

Auch die viel kritisierte Tierwohlkennzeichnung sei keineswegs neu. Vor 20 Jahren habe man die Kennzeichnung für Eier durchsetzen können, doch seitdem fehle es an Transparenz für die Verbraucher, wie beispielsweise die Tiere für die Milch- oder Fleischproduktion gehalten würden.

Dazu komme, so Rajsp-Lauer, dass die Bauern die Preise für ihre Produkte nicht selbst festlegen dürfen, sondern sie vom Handel und den Molkereien diktiert bekommen. „Kretschmann hat in Baden-Württemberg jetzt alle an den Tisch geholt“, nur so könne man gemeinsame Lösungen finden. „Der Handel hat eine unglaubliche Macht. Manchmal wäre ich gerne Bauernverbandsvorsitzende, dann würde ich das ändern!“

Dass Deutschland als Exportweltmeister nicht in einem Elfenbeinturm lebe, stellte Martin Himmelheber klar. Der Journalist arbeitete einige Jahre als Entwicklungshelfer in Lesotho und erzählte, wie hier auch deutsche Firmen profitierten, die durch die Zusammenarbeit an Aufträge in dem südafrikanischen Land kamen.

Und ja, die Radwegförderung in Lima gibt es, das meiste davon sind allerdings KfW-Kredite, stellte Rajsp-Lauer klar. „Der Klimawandel lässt sich eben nur durch globale Zusammenarbeit lösen.“

Buntspecht stellt sich vor

Der Vorsitzende der Liste „Buntspecht“, Gunnar Link war zu der Sitzung eingeladen. er berichtete über die parteiunabhängige, aber den grünen nahestehende politische Vereinigung. Ihnen gehe es „um pragmatische Lösungen in der Kommunalpolitik.

Wichtig sei den „Buntspechten“, dass der Haushalt solide bleibt, um den Schulcampus finanzieren zu können. Auch eine flächenschonende Entwicklung sei ihnen wichtig, betonte Link. Da sei der Ausgleich der Interessen von Betrieben und Landwirtschaft nicht leicht.

Die Gruppierung gebe es seit 1984 und sie sei seither immer mit zwei oder drei Mandaten im Schramberger Gemeinderat vertreten. Die Liste werde auch bei der Kommunalwahl 2024 wieder antreten.

Tempo 30 und Ein-Euro-Ticket

Aber auch andere lokale Themen kamen zur Sprache: Die geplante Tempo 30-Zone in der Oberndorferstraße in Schramberg soll den Lärm reduzieren, wird aber auch für großen Ärger sorgen, prophezeite ein langjährige Kommunalpolitiker. Allerdings sei von den betroffenen Anwohnern kaum jemand zur Infoveranstaltung gekommen.

Bessere und günstigere Busverbindungen, dafür setzen sich die Grünen schon lange ein und freuen sich über die Einführung des Ein-Euro-Tickets in Schramberg. Zudem gibt es seit neuestem den Tarifverbund MOVE mit den umliegenden Landkreisen, allerdings hapert es noch schwer an den Verbindungen. An den Landkreisgrenzen „ist es, wie wenn man gegen eine Wand fährt“, so Rajsp-Lauer. Auch hier gebe es noch viel zu tun, eine bessere Abstimmung mit dem Ortenaukreis wäre das nächste Ziel.

Auch der Anrufsammelbus (ASB) ist ein Dorn im grünen Auge: Da hat der Landkreis viel Geld für eine App ausgegeben, über die man aber nicht das passende Taxiunternehmen erreichen kann. „Man muss schon genau wissen, wer welche Strecke fährt“, so ihre Kritik. „Und deshalb engagiere ich mich ja, damit sich was ändert“, so die Kreis- und Gemeinderätin, die die Anwesenden aufforderte, es genau so zu machen.

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken

1 Kommentar

1 Kommentar
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Stefan Weidle
30 Tage her

Aber das will doch keiner wissen.
So viele Details und Sachen, wo man was denken muss und einfache Schlagworte keine Lösung sind, dass ist für den Bürger doch eine echte Zumutung.
Wenn ich seit Jahrzehnten einig und geschlossen eine Partei wähle und immer wegen Weltmarkt und Kaulquappennummeriererei gegen diesen Öko-Mist war und mir jetzt auffällt, dass ich all die Jahre vertrottelt worden bin, die Bauern aufgeben, die Viecher vergast und lebendig gehäckselt werden, dann gehe ich doch jetzt nicht mehr hin und tu mir die Wahrheit an, sondern ich sitze das aus, bzw. wenn alle irgendwie gegen die Anderen sind, schrei ich mit, dann bin ich wieder mit mir im Reinen, denn die „Anderen“ waren es ja.
Sie müssen endlich kapieren, wie die Leute wirklich ticken und die wollen hier zum überwiegenden Teil, Teil der größten Gruppe sein, denn die verspricht Absolution und Vergessen und andere Schuldige, dann ist man nicht allein und auf der „richtigen“ Seite, weil die Allermeisten können ja nicht falsch liegen und die bestätigen einen auch so schön gegenseitig.
Man muss einfach mental in der Lage sein, die 32 Jahre CDU/CSU Regierung der letzten 40 Jahre, auf 2 Jahre Ampel als Ursprung allen Übels zu projizieren, dann haben sie die Essenz dessen, was hier geistig gerade im Wähler vorgeht und da haben andere kluge Gedanken keinen Platz mehr. Ich habe den „BiLD, Bier und Glotze“ Spruch von Gas-Gerd mal als ungeheuere Unverschämtheit gegenüber dem Wähler gesehen und heute weiß ich, dass der Mann zumindest damit recht hatte.

Aktuelle Meldungen

Das Wetter

Rottweil
Bedeckt
9.1 ° C
11.1 °
8.5 °
71 %
2.9kmh
100 %
Mi
8 °
Do
9 °
Fr
4 °
Sa
5 °
So
6 °