Mediathek im Coronajahr: Bücher in Quarantäne

Mediathek im Coronajahr: Bücher in Quarantäne

Schramberg. Von einem außergewöhnlichen Jahr berichtete Marita Braun, die Leiterin der Mediathek dem Verwaltungsausschuss. Statt vieler Zahlen wolle sie „einen Blick hinter die Kulissen im Coronajahr“ gewähren.

Um die Jahreswende 2019/2020 sei schon alles vorbereitet gewesen für das kommende Jahr. Das Virus im fernen Wuhan habe noch nicht wirklich interessiert. Die Auswahl für die Bilderbuchkinos, eine Ausstellung zu 40 Jahre Weltladen, viele andere Aktionen seien auf dem Weg gewesen. „Und dann kam der Lock down.“ Die Mediathek habe Veranstaltungen abgesagt, die vier ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen durften, weil über 65, nicht mehr ins Haus, die rückgegebenen Medien mussten in Quarantäne, so Marita Braun.

Grafiken: Mediathek

Neue Wege ausprobiert

Um den Kontakt zur Kundschaft nicht abreißen zu lassen, habe man sich neue Wege überlegt. So bot das Mediathekteam Lesetaschen an, die die Kunden kontaktlos abholen konnten. Es gab ein Schnupperangebot für digitale Medien wie E- und Hörbücher und Streamingdienste.

Ab Mai durfte die Mediathek dann wieder öffnen – um ab Dezember wieder in den Lockdown zu gehen. Dass sich die Zahlen durch die Pandemie verschlechterten, sei naheliegend. So sei die Ausleihe um etwa sechs Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Besucher sank logischerweise um 63 Prozent.

Mit einem neuen Projekt mit der Berneckschule wollte die Mediathek zur Leseförderung beitragen: „Lesen in Bewegung“. Doch nach zwei Veranstaltungen machte der Lockdown dem Projekt ein Ende. Ein anderes Projekt: „Heiß auf Lesen“ lief in den Sommerferien dagegen sehr erfreulich, so Braun.

Lob aus den Fraktionen

In der Diskussion lobten Vertreter der Fraktionen das Mediathekteam für ihren Einsatz in der Pandemie. CDU-Sprecher Thomas Brantner sprach von einer „besonderen Herausforderung“ und fand gut, dass das Team andere Zugänge zu den Kindern im Lockdown gefunden habe. Braun berichtete man sei über die Eltern oder auch den direkten Kontakt der Kinder in Verbindung geblieben, denn die Schulen waren ja geschlossen.

Die Mediathek habe auch spezielle Spiele beschafft, die allein oder zu zweit gespielt werden können. Auch Lesetaschen für Schülerinnen und Schüler die Präsentationen vorzubereiten hatten, hätte das Team zusammen gestellt.  Eher bildungsferne Familien seien naturgemäß schlechter erreichbar gewesen, meinte Braun auf Nachfrage. Da sei nun die wieder anlaufende Leseförderung wichtig.

SPD-Buntspecht-Sprecherin Tanja Witkowski sagte auch im Namen der Schulen „ein großes Dankeschön“ für die Zusammenarbeit. Die beliebten Lesekisten seien pandemiebedingt ja nicht im Umlauf. Deshalb sei die Leseförderung extrem wichtig. „Die Defizite bei den Kindern nehmen zu“, hat die geschäftsführende Schulleiterin beobachtet.

E-Bookleihe: Probleme mit der App

Freie-Liste-Sprecher Udo Neudeck fragte nach einer App, über die die E-Book-Leihe laufe. Seine Frau habe immer wieder Schwierigkeiten mit der App. „Liegt es an der App, an Schramberg oder meiner Frau?“

Braun berichtete, dass es nur einen Anbieter, der unabhängig von den großen Konzernen sei, gebe. An der E-Ausleihe seien 26 Bibliotheken beteiligt. Sie alle seien auf diesen Anbieter angewiesen. „Wir alle hadern, dass die App nicht zuverlässig funktioniert.“ Manchmal liege es auch an veralteten Geräten, die nicht mit der App arbeiten können.  Immer wieder gebe es aber auch  „Updates zu unmöglichen Zeiten“, und alles breche zusammen, bedauerte Braun. Neudeck: „Das ist beruhigend für meine Frau.“

Informationen zum derzeitigen Serviceangebot finden Sie hier: http://mediathek.schramberg.de/de/Die-Mediathek/Aktuelle-Hinweise

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 26. November 2021 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/mediathek-im-coronajahr-buecher-in-quarantaene/330275