Vertreter des Gemeinderats, der Stadtverwaltung, der Baufirmen, des Architekturbüros und der künftigen Mieter beim ersten Spatenstich für das Medzentrum auf dem Carl-Haas-Gelände Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Mit etwa einem Jahr Verspätung haben am Montag die Bauarbeiten für das Medzentrum Schramberg mit dem ersten Spatenstich begonnen. Eine Anwohnerklage hatte den Baubeginn verzögert.

Lenny hat schon mal vorgeschafft. Foto: him

„Auf diesen Tag haben wir lange gewartet“, so Alexander Bechtler von der Kanzlei HFBP Rechtsanwälte, die die Bauherrin, die Medzentrum Schramberg juristisch berät. “Wir sind nachhaltig und beharrlich der Sache treu geblieben, was die ärztliche Versorgung in Schramberg angeht.“ Er dankte in dem Zusammenhang den künftigen Mietern und den Finanziers der Sparkasse und Volksbank für ihre Geduld. „Es war ja ein Marathonlauf bis zum Spatenstich.“

Rechtsstaat ist wichtiger

Die Verzögerung sei zwar unerfreulich, aber es sei in einem Rechtsstaat in Ordnung, dass es Verzögerungen gibt, wenn jemand eine Entscheidung überprüfen lassen wolle. Es seien dann aber doch alle erleichtert gewesen über die Entscheidung des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofes. Die Mannheimer Richter hatten bekanntlich den Beschluss der  Vorinstanz in Freiburg gekippt, die die Baugenehmigung der Stadt nicht gelten lassen wollte.

Das Medzentrum sei für Schramberg wichtig, denn “die Medizin verändert sich rasend“, so Bechtler Vielerorts gebe es ein Krankenhaussterben und in manchen Regionen „gibt es nicht einmal mehr den Hausarzt vor Ort“. Viele Arztpraxen befänden sich in Räumen, die heute nicht mehr genehmigungsfähig wären.

Medzentrum Schramberg: Neue Medizin braucht neue Räume

Mit dem Medzentrum entstünden Strukturen „für die Medizin der Zukunft“, war Bechtler überzeugt. Ärzte verschiedener Fachrichtungen und Komplementärmedizin, also Physiotherapeuten und Apotheker beispielsweise könnten direkt kommunizieren und zusammenarbeiten.

Auch das Grundstück „im Herzen Schrambergs“ sei ideal, Für Schramberg sei der Baubeginn „ein historischer Tag“. Den Nachbarn bot Bechtler an, gemeinsam nach vorne zu blicken. Wenn alles realisiert ist, hoffe er „auf ein harmonisches Miteinander.“ Auch während der Bauphase würden die Baufirmen darauf achten, die Belastung der Anwohner möglichst gering zu halten.

Für die Stadt  erinnerte Oberbürgermeister Thomas Herzog an die Zeit nach der Krankenhausschließung. Damals 2011 habe „Mehltau über Schramberg“ gelegen, alles sei wie gelähmt gewesen. Die ambulante medizinische Versorgung sei das große Thema in der Stadt gewesen. Ein erster Versuch unter städtischer Regie ein Ärztehaus zu Wege zu bringen sei gescheitert. Erst durch glückliche Umstände sei der Kontakt zum Medzentrum-Netz  zustande gekommen.

“Der Gürtel zum Hosenträger”

Auch Herzog sprach von einem großen Tag für Schramberg. Die Verzögerung sei ärgerlich, „aber wir sind froh, dass wir einen Rechtsstaat haben.“  In dem Zusammenhang hob Herzog hervor, dass der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof ausdrücklich erklärt habe, dass auch schon die erste Baugenehmigung rechtssicher war. „Der Bebauungsplan war der Gürtel zum Hosenträger.“

Die erste Teil-Baufreigabe. Fotos: him

Um auch formal alles glatt zu machen, überreichte er den Vertretern der Bauherren den ersten Teilbaufreigabeschein. Dann schritten Vertreter der Kommunalpolitik, der Bauherrin, der künftigen Mieter, des Architekturbüros und der Baufirma zur Tat und mit Spaten und Helm zum ersten Spatenstich.

Zahlreiche Praxen kommen ins Medzentrum Schramberg

Wie die Medzentrum Schramberg mitteilt, werden mehrere Hausarztpraxen und Fachärzte sich im neuen Ärztehaus einmieten. So ziehen die Regiodocs mit einem Praxisstandort ein. Dr. Cornelia und Michael Kerckel sind inzwischen Teil des Regiodocs-Teams und werden im Medzentrum praktizieren. Die Internistische Praxis von Dr. Heiko Gertsch, Dr. Jutta Dürr und Dr. Eva-Maria Wacker werde neben der Allgemeinmedizin Kardiologie, Diabetologie und Lungenheilkunde anbieten.

Zu den Fachärzten werden die Hautärzte Dr. Jürgen Liefeith und Jan Liefeith gehören. Sie behandeln neben den klassischen Hauterkrankungen und Allergien schwerpunktmäßig Hautkrebserkrankungen sowie berufsbedingte Hauterkrankungen in Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften. Der Facharzt für Urologie Dr. Arpad Dani kommt ab Herbst kommenden Jahres ins Medzentrum.

Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Dr. Peter Heinrich wechselt vom Sulgen ins neue Ärztehaus. Neben dem üblichen HNO-ärztlichen Behandlungsspektrum betätigt er sich auch als Fliegerarzt und Tauchmediziner. Ebenfalls einziehen will der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Johannes Schelling. Er sieht in der Möglichkeit der fachübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Ärzten ein starkes Argument für den Ortswechsel. „Davon profitieren die Patienten“, ist Schelling überzeugt.

Apotheke und Physio

Mit Apothekerin Birgitt Mäntele, die bereits die Römer-Apotheke in Waldmössingen betreibt, hat das Medzentrum auch für die geplante Apotheke eine Betreiberin gefunden. Schließlich werden Joachim und Maximilian Fehrenbacher im neuen Ärztehaus ihre Praxis für Physiotherapie und Schmerztherapie „Papilio“ sowie den damit verbundene Gesundheitsclub „Life“ ansiedeln.

So wird das neue Ärztehaus auf dem Carl-Haas-Gelände einmal aussehen. Grafik: pm

Info: Das Medzentrum Schramberg wird über etwa 2800 Quadratmeter Praxis- und Gewerbefläche verfügen. Es erhält eine Tiefgarage sowie zusätzlich mehr als 70 oberirdische Stellplätze. Bis Ende des Jahres 2017 soll der Rohbau stehen und die Gebäudehülle geschlossen sein, die Fertigstellung ist dann für Herbst 2018 geplant.