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Samstag, 22. Februar 2020

Mehr Fehltage wegen der Psyche als wegen Erkältungen

Die Arbeitnehmer in Schramberg sind gesünder als anderswo –

Der Krankenstand in den Unternehmen in Schramberg lag laut Pressemitteilung der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg im vergangenen Jahr bei 4,6 Prozent. Damit ist der Krankenstand in Schramberger Betrieben etwas niedriger als im Landkreis Rottweil (4,9 Prozent) und deutlich niedriger als im Bundesschnitt (5,3 Prozent).

Die Auswertung beruht auf ärztlichen Diagnosen der AOK-Mitglieder, die weit über 60 Prozent der etwa 11.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt Schramberg ausmachen.

Erkrankungen des Muskel-/Skelettsystems waren mit 22,3 Prozent für die meisten Fehltage in den hiesigen Unternehmen verantwortlich. Auf Platz zwei folgen mit 13,8 Prozent psychische Erkrankungen, noch vor Atemwegserkrankungen (12,9 Prozent) und Verletzungen (9,9 Prozent).

„Der Anstieg bei psychischen Erkrankungen ist ein Trend der vergangenen Jahre“, erklärt Myriam Garten. Die AOK-Expertin berät mit ihren Kollegen jährlich rund 200 Betriebe in der Region und ist schwerpunktmäßig in Firmen im Landkreis Rottweil und in angrenzenden Gebieten des Schwarzwald-Baar-Kreises in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement tätig.

„Ein Grund für den Anstieg sind Anpassungsstörungen, die durch die raschen Veränderungen im Berufsleben, aber auch im Privatleben ausgelöst werden. Außerdem zeigen die Ärzte eine höhere Sensibilisierung für die psychischen Beschwerden der Patienten und die Menschen suchen bei psychischen Belastungen heute eher ärztliche Hilfe.“ Was beispielsweise früher als rein körperlicher Rückenschmerz diagnostiziert wäre, werde heute auch als Folge einer psychischen Belastungssituation erkannt.

Vorbeugen auch  für die Psyche

Gesundheitliche Prävention im Betrieb müsse ebenfalls den ganzen Menschen in den Blick nehmen, so die AOK-Expertin, also nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Unter anderem komme Führungskräften eine wesentliche Rolle in der Prävention von psychischen Erkrankungen zu. Sie sollten Belastungen bei Beschäftigten erkennen und darauf angemessen reagieren.

Aber auch jeder einzelne könne für seine psychische Gesundheit aktiv werden. Garten: „Psychische Erkrankungen entstehen unter anderem, wenn Stressbelastungen dauerhaft anhalten und man nicht damit umzugehen weiß. Dabei kann man seine Stressresistenz trainieren wie einen Muskel. Wissenschaftlich fundierte Achtsamkeitstrainings sind hier sehr erfolgsversprechend.“

Info: Der Krankenstand gilt als wichtigster Indikator für Fehltage aufgrund Krankschreibungen im Betrieb. Er gibt den Anteil der Krankheitstage am Kalenderjahr pro Beschäftigtem wieder. Die Auswertungen beruhen auf den Daten aus dem Jahr 2017 zu 7420 beitragspflichtigen Mitgliedern der AOK in Unternehmen in der Stadt Schramberg.

 

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