Bei Oberbürgermeister Thomas Herzogs Begrüßungsrede: In der ersten Reihe (von rechts): Die Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle, Gerhard Aden und Stefan Teufel, der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, Minister Thomas Strobl und Anne Herzog. Fotos: him

SCHRAMBERG (him) –  „Sie sind alle uns­re Ehren­gäs­te.“ So hieß Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog am Don­ners­tag­abend die Besu­cher im Bären­saal will­kom­men Zum Fest­akt 150 Jah­re Stadt Schram­berg gab es ein vol­les Haus.

Unter den Gäs­ten, die über den von Peter Renz (Her­zog: „Wem sonst?“) gespen­de­ten Roten Tep­pich gekom­men waren, waren die bei­den Ehren­bür­ger der Stadt, meh­re­re Abge­ord­ne­te aus dem Bun­des- und Land­tag, der Land­rat, die Bür­ger­meis­ter aus dem Umland, einer Dele­ga­ti­on aus der Part­ner­ge­mein­de Glas­hüt­te,  Prä­si­den­ten von Gerich­ten, Kam­mern und Poli­zei, Geschäfts­füh­rer der gro­ßen, mitt­le­ren und klei­nen Betrie­be, Kreis-, Gemein­de-und Ort­schafts­rä­te, Ver­tre­ter der Kir­chen, Ver­ei­ne und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die hal­be Stadt­ver­wal­tung und natür­lich die ört­li­che Pres­se.

Nur einer fehl­te: Der Fest­red­ner Innen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bl. Er ste­he im Stau. „Das zeigt wie sehr wir die Tal­um­fah­rung brau­chen“, scherz­te Her­zog. Spä­ter aller­dings hieß es hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, der Stau auf der A 81 sei‘s weni­ger gewe­sen, als die Umlei­tung zwi­schen Rott­weil und Dun­nin­gen. Da habe sich Stro­bls Fah­rer hoff­nungs­los ver­franzt. Da war er nicht der ers­te.

Nach eini­ger War­te­zeit eröff­ne­te die Stadt­mu­sik mit „Vita pro Musi­ca“ den Fest­akt und OB Her­zog begann mit sei­ner Begrü­ßung. Und tat­säch­lich: Kaum waren alle Wür­den­trä­ge­rin­nen und Trä­ger genannt, kam Minis­ter Stro­bl in den Saal und hör­te auch noch den Haupt­teil  von Her­zogs Begrü­ßung.

Dar­in ging die­ser auf die Zeit vor und nach der Stadt­er­he­bung am 7. Sep­tem­ber 1867 durch König Karl von Würt­tem­berg ein: Die Indus­trie­an­sied­lun­gen in Schram­berg, die einen „Auf­bruch in ein neu­es Zeit­al­ter“ bedeu­te­te, „das aus der Armut her­aus­füh­ren soll­te und ein bes­se­res Leben für die Bevöl­ke­rung ver­sprach“. Die frü­hen Indus­trie­be­trie­be hät­ten dem Markt­fle­cken Schram­berg schließ­lich zum Stadt­recht ver­hol­fen. Her­zog beton­te in die­sem Zusam­men­hang: “Erfin­der­geist und Unter­neh­mer­tum haben unse­re Stadt geprägt.“ Erfin­der­geist und Unter­neh­mer­tum sei­en aber kei­ne abs­trak­ten Begrif­fe. Hin­ter die­sen Begrif­fen stün­den Men­schen. „Es waren und sind die Men­schen, die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, wel­che die Geschich­te unse­rer Stadt präg­ten und prä­gen.“

Die Stadt kön­ne zwar mit Stolz auf ihre Erfolgs­ge­schich­te zurück­bli­cken, müs­se sich aber den neu­en Her­aus­for­de­run­gen wie  Digi­ta­li­sie­rung, Indus­trie 4.0, Neue Mobi­li­tät, Erhalt und Aus­bau der Infra­struk­tur stel­len. Dabei bedür­fe es wie vor 150 Jah­ren der Unter­stüt­zung durch das Land. Her­zog appel­lier­te an Minis­ter Stro­bl, „dass das Land nun­mehr das Pro­jekt Tal­um­fah­rung Schram­berg schnellst mög­lich angeht und das RP Frei­burg mit der Umset­zung des Pro­jekts beauf­tragt“. Freund­li­ches Geläch­ter und Applaus im Saal.

Nach einem von der Stadt­mu­sik furi­os vor­ge­tra­ge­nen „Sil­va Nigra“ des Kom­po­nis­ten Mar­kus Götz über den Schwarz­wald, unter­malt von Schram­ber­ger Ansich­ten, trat ein  leicht zer­knirsch­ter  Minis­ter ans Red­ner­pult und ver­sprach beim nächs­ten Mal einen Tag frü­her anzu­rei­sen und dem­nächst mit sei­nem Minis­ter­kol­le­gen Win­fried Her­mann „ein erns­tes Wort“ in Sachen Tal­um­fah­rung zu reden.

Die heu­ti­ge Lage, in der die Digi­ta­li­sie­rung alle Lebens­be­rei­che erfas­se, sei ähn­lich wie die Indus­tria­li­sie­rung  vor 150 Jah­ren. „Wir müs­sen uns Mühe geben, die Men­schen dabei mit­zu­neh­men.“ Stro­bl ver­wies dar­auf, dass die Lan­des­re­gie­rung ihre Aus­ga­ben für das schnel­le Inter­net von 335 Mil­lio­nen auf eine Mil­li­ar­de Euro erhö­he. „Ein rich­ti­ger Klop­per.“ Aber das Land habe hier auch „noch eini­ges nach­zu­ho­len“. Die Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung sei­nen in Baden-Würt­tem­berg deut­lich höher als im Bun­des- und EU-Durch­schnitt.

Die wich­tigs­te Stär­ke der Bade­ner und Würt­tem­ber­ger sei aber, „dass sie die Ärmel auf­krem­peln und nicht ver­zagt, son­dern mutig sind“, so Stro­bl. Er wür­dig­te die bei­den Ehren­bür­ger der Stadt. Dr. Hans-Jochem Steim, der sich als Unter­neh­mer und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter sehr ver­dient gemacht habe, und Dr. Her­bert O. Zinell, der als „äußerst kom­pe­ten­ter“ Minis­te­ri­al­di­rek­tor im Innen­mi­nis­te­ri­um für einen „rei­bungs­lo­sen Wech­sel“ zur neu­en Regie­rung gesorgt habe.

Nach zwei von Clau­dia Haber­stroh wun­der­voll gesun­ge­nen Ari­en aus der „Fle­der­maus“ und einer Zuga­be der Stadt­mu­sik trug sich Stro­bl als ers­ter in das neue Gol­de­ne Buch der Stadt ein. OB Her­zog for­der­te alle  Gäs­te auf es ihm  nach­zu­tun: „Wenn Sie alle Ehren­gäs­te sind, dann kön­nen Sie sich auch alle ein­tra­gen.“ Dem folg­ten die­se gern und plau­der­ten anschlie­ßend noch lan­ge bei Wein, Saft und Häpp­chen.