Sulgen: Alte und neue St Laurentius-Kirche. Grafik: Uwe Rettkowski

Im Ruhe­stand keh­re er zu sei­nen Wur­zeln zurück, so der Schram­ber­ger Gra­fi­ker Uwe Rett­kow­ski. Er hat fast sein gan­zes Berufs­le­ben über­wie­gend für die Wer­bung gear­bei­tet, nun zeich­net er wie­der ver­stärkt Kari­ka­tu­ren. Aus Anlass sei­nes 70sten Geburts­tags in die­sem Jahr orga­ni­siert das Stadt­mu­se­um gleich drei Aus­stel­lun­gen an drei Orten mit sei­nen Wer­ken.

Zum Auf­takt wer­den in der „Alten St. Lau­ren­ti­us­kir­che“ auf dem Sul­gen „Zeich­nun­gen, Illus­tra­tio­nen, Bil­der“ zu sehen sein. Der Titel „Retro­spek­ti­ve“ bedeu­te für ihn „nicht nur Rück­blick mit Din­gen, die vor Jahr­zehn­ten ent­stan­den sind“, so der Künst­ler, „son­dern ich möch­te auch Ver­gleichs­wer­te mit der Gegen­wart zei­gen.“ Des­halb wer­de er auch eine Rei­he von Bil­dern aus­stel­len, die in jüngs­ter Zeit ent­stan­den. Etwa das Bild „Flüch­ti­ge Begeg­nung“: Ein mäch­ti­ge Kreuz­fahrt­schiff mit Kurs auf ein Schlauch­boot vol­ler afri­ka­ni­scher Flücht­lin­ge in grell­ro­ten Ret­tungs­wes­ten.

Rett­kow­ski, 1948 als Flücht­lings­kind in Duder­stadt gebo­ren, war mit sei­nen Eltern Ende 1949 nach Schram­berg gekom­men. Zunächst leb­ten sie in einem Flücht­lings­heim im Göt­tel­bach, dann „unterm Dach juch­he“ am Son­nen­berg. Anfang der 50er Jah­re bau­te die Fami­lie im Brahms­weg in Sul­gen das Haus, in dem Rett­kow­ski heu­te noch wohnt.

Im Fens­ter: Uwe Rett­kow­ski mit Paten­on­kel. Foto: pri­vat

Wegen die­ser Ver­bin­dung zu Sul­gen sei Muse­ums­lei­ter Cars­ten Kohl­mann der Gedan­ke gekom­men, sei­ne Bil­der in der alten St. Lau­ren­ti­us­kir­che aus­zu­stel­len.

Zum Zeich­nen habe ihn sein Leh­rer Franz Krisch moti­viert. Krisch und sein dama­li­ger Deutsch­leh­rer Harald From­mer sei­en 1967 auch die ein­zi­gen gewe­sen, die sich gegen sei­nen Schul­raus­schmiss wegen „nach­ge­wie­se­ner Faul­heit“ gewandt hät­ten. Ein Jahr vor dem Abitur war Rett­kow­skis Schul­zeit zu Ende. Er ging als Hilfs­ar­bei­ter zur Majo­li­ka und wur­de 1968 zum Bund ein­ge­zo­gen. „Weil ich vor­her noch Vater gewor­den war, habe ich gehei­ra­tet und mich etwas län­ger ver­pflich­tet“, erzählt er. „1972 wur­de ich als zwei­fa­cher Vater ent­las­sen, aber immer noch ohne Beruf.“

Bei Straub­druck absol­vier­te er – „mit Bra­vour“ – eine Schrift­set­zer­leh­re und besuch­te abends Kur­se in Gra­fik und Zeich­nen. Nach einer Zwi­schen­etap­pe in Obern­dorf wech­sel­te er zur Wer­be­agen­tur Vöge­le in Schram­berg, bevor er sich mit sei­nem eige­nen Büro CWB Krea­tiv 1984 selb­stän­dig mach­te. Mit 65 ging er in Ruhe­stand.

„Hin­aus in die Frem­de“ – Illus­tra­ti­on aus Am Ran­de 2001

Wäh­rend sei­ner Arbeit als Wer­be­mann hat Rett­kow­ski aber immer wie­der auch als Zeich­ner und Kari­ka­tu­rist gear­bei­tet. Als Sozi­al­de­mo­krat hat er Pla­ka­te und Flug­blät­ter ent­wor­fen, etwa im Wahl­kampf für den dama­li­gen OB Roland Geit­mann. „Das war damals eine ganz hei­ße Kis­te.“

Er illus­trier­te aber auch ein Bänd­chen mit „Am Rande“-Geschichten aus der Schwä­bi­schen Zei­tung und zeich­ne­te die Titel­bil­der für die Ein­la­dun­gen zu den Neu­jahrs­emp­fän­gen der Stadt. Bei den Schram­ber­ger Schla­raf­fen küm­mert sich Rett­kow­ski seit Jahr­zehn­ten um das „Schmier­buch“, das Gäs­te­buch die­ser Ver­ei­ni­gung, die Freund­schaft mit Humor und Kunst ver­bin­det.

Mit sei­ner poli­ti­schen Arbeit und den Stadt­an­sich­ten wer­den sich die bei­den wei­te­ren Aus­stel­lun­gen beschäf­ti­gen. „Da sind die Orte und Ter­mi­ne klar, aber das Kon­zept steht noch nicht ganz“, betont Rett­kow­ski. Die Kari­ka­tu­ren, Flug­blät­ter und Pla­ka­te sol­len vom 14. Juli an in der Fuß­gän­ger­zo­ne als „Ansich­ten“ in einer Stra­ßen­aus­stel­lung und in Schau­fens­tern zu sehen sein. Die Gra­fi­ken zu Schram­berg zeigt das Stadt­mu­se­um ab Mit­te Sep­tem­ber unter dem Titel „Rund­schau“.

Info: Zur Eröff­nung am Sams­tag, 14. April um 15 Uhr wer­den unter ande­rem Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog und Cars­ten Kohl­mann spre­chen. Musi­ka­lisch beglei­ten Rett­kow­skis Schla­raf­fi­schen Freun­de Rudi Schä­fer und Andre­as Het­tich den Nach­mit­tag in der alten St. Lau­ren­ti­us­kir­che.