Nachhaltigkeit für den Unternehmenserfolg wichtig

Oberbürgermeisterin Eisenlohr besucht Schneider in Tennenbronn

SCHRAMBERG – Zu einem Firmenbesuch kam am Donnerstag die neue Schramberger Oberbürgermeister Dorothee Eisenlohr nach Tennenbronn. Bei der Firma Schneider informierten die Geschwister Martina und Christian Schneider über die Geschichte des Schreibgeräteherstellers und wie sich ihr Unternehmen auf die Digitalisierung und den Klimawandel einstellt.

„Die Digitalisierung verändert den Schreibgerätemarkt stark“, so Geschäftsführer Christian Schneider. Nicht nur in Büros auch in den Schulen werde weniger von Hand geschrieben. Schneider versuche deshalb sich stärker auf den kreativen Bereich zu fokussieren „Die Menschen suchen einen kreativen Ausgleich in der Freizeit.“

Handschrift bleibt wichtig

Seit ihr Vater Roland das Unternehmen im Schwarzenbachtal übernommen habe, sei Schneider zum „Vollsortimenter“ im Schreibgerätemarkt geworden. Schneider sei auf vielen Gebieten weltweit in der Technologie für Kugelschreiberspitzen führend. Seit 2018 leite er gemeinsam mit Frank Groß  die Firma, erläuterte Christian Schneider. Martina Schneider ist für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Man sei Tennenbronn und dem Schwarzenbach treu geblieben, gelange räumlich nun aber an die Grenzen. Deshalb sei im ehemaligen Zehnder-Werk das Logistikzentrum entstanden. „Wir exportieren in 140 Länder weltweit“, so Christian Schneider.

Die Geschwister halten trotz der Digitalisierung das Schreiben von Hand für die geistige Entwicklung  für sehr wichtig: „Wenn man etwas von Hand notiert hat, bleibt es besser im Gedächtnis“, ist Martina Schneider überzeugt. OB Eisenlohr stimmt zu: „Handgeschriebenes hat etwas Wertiges.“

Christian Schneider berichtet, nach der Wende habe sein Vater einen Füllerhersteller in Wernigerode übernommen. Der wichtigste Füllerproduzent der erloschenen DDR geriet zur Zeit der Wende in existentielle Schwierigkeiten, und gleichzeitig bot es Schneider die Möglichkeit das Sortiment zu erweitern. Schneider habe deshalb in Wernigerode ein ganz neues Werk gebaut und produziere heute mit 125 Mitarbeitern unter anderem Textmarker  und Füller.

Nachhaltigkeit wird groß geschrieben

Großen Wert lege Schneider schon seit vielen Jahren auf die Nachhaltigkeit. Sie seien weltweit das einzige Unternehmen der Branche, das sich nach den strengen „EMAS“-Regeln der europäischen Union zertifizieren lasse – und das seit mehr als 20 Jahren. Auch beim Einsatz von Biokunststoffen sei Schneider Vorreiter. Allerdings: „Wegen des Runs auf solche Biokunststoffe kommen wir gar nicht mehr an das Material heran“, bedauert Martina Schneider.

Interessierte Zuhörerin: Dorothee Eisenlohr bei Schneider.

Die Hersteller könnten inzwischen die Nachfrage gar nicht mehr befriedigen. Sie weist aber auch darauf hin, dass klassischer Kunststoff eigentlich wegen seiner langen Haltbarkeit für Schreibgeräte ein idealer Werkstoff sei. Leider werde Kunststoff durch falsche Entsorgung oft negativ dargestellt. „Wenn man Produkte nachfüllt, dann ist der langhaltende Kunststoff ein gutes und sehr geeignetes Material für Schreibgeräte.“ Allerdings müssten die Kunden dann auch leer geschriebene Minen beispielsweise austauschen.

Das Thema Nachhaltigkeit habe ihren Vater Roland stark beschäftigt, erzählen die Geschwister. Er habe EMAS eingeführt: „Das kostet uns Unsummen“, so Christian, sei aber für den Unternehmenserfolg wichtig. Langfristig zahle es sich nämlich aus, wenn man Maschinen mit geringerem Energieverbrauch kaufe oder die Mitarbeiter zum Umsteigen auf e-Bikes bewege. „Es hat uns insgesamt geholfen, dass wir so früh damit angefangen haben“, ist Martina Schneider überzeugt. Schneider sei deshalb gegenüber seien Kunden glaubhaft. Ein weiterer Beweis: Schneider ist das erste Unternehmen seiner Branche, das mit dem „Blauen Engel“ für einige seiner Produkte werben darf.

Klimaausgleich in Brasilien

Für den Klimaschutz hat das Tennenbronner Unternehmen den ökologischen Fußabdruck errechnen lassen. „Wir nutzen pro Jahr etwa fünf Megawatt Strom aus erneuerbaren Energien“, so Christian Schneider. Bei der Produktion wisse man für jedes Produkt, wie viel CO2 dabei entstehe. Über ein Waldschutzprojekt in Pará in Brasilien lasse sich das ausgleichen.

Am Ende eines fast zweistündigen Gesprächs war Eisenlohr von der Komplexität der Arbeit bei Schneider überrascht und fand die Firma „bewundernswert“.

Aufkleber im Schneider Besprechungszimmer. Fotos: him

Info: Das 1938 von Christian Schneider als Drehteile-Hersteller gegründete Unternehmen fertigt pro Tag etwa drei Millionen Schreibgeräte, vom Kugelschreiber über den Marker, den Fineliner bis hin zum Füllfederhalter. Davon werden etwa zwei Drittel exportiert. Schneider beschäftigte Ende 2018 an seinen drei Standorten 629 Mitarbeiter (davon etwa 425 in Tennenbronn), erwirtschaftete einen Umsatz von 111 Millionen Euro und investiert pro Jahr zwischen fünf und sieben Millionen Euro.

 

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