Mit  einer eindrucksvollen Rede hat sich Oberbürgermeister Thomas Herzog an die etwa 50 Teilnehmer der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus gewandt. Mit einem Zitat des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer leitete er ein: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“

Bauer hatte nach dem zweiten Weltkrieg dafür gesorgt, dass die Verbrechen, die die deutschen SS-Leute an den Juden  in Auschwitz begangen hatten, nicht ungesühnt blieben. Der 27. Januar, der Tag an dem das Vernichtungslager von der Roten Armee befreit wurde, ist seit vielen Jahren offizieller Gedenktag. Herzog wies darauf hin, dass die Nazis mehr als eine Million Menschen in Auschwitz ermordeten. Damit sei Auschwitz zum „Synonym für Vernichtung“ geworden.

"Opfern Gesicht und Stimme geben“

Schramberg versuche seit vielen Jahren bei den Gedenkveranstaltungen Ende Januar „den Opfern Gesicht und Stimme zu geben“. Fast genau vor 85 Jahren hätten Hitler und die NSDAP die Macht ergriffen. Viele fragten sich heute, was hätte man damals wissen können? Hitler habe bei vielen Veranstaltungen und in seinem Buch ‚Mein Kampf‘ „viele seiner kruden Vorstellungen hinausposaunt“.

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Aber die Deutschen hätten ihn überwiegend nicht ernst genommen. „Doch den Nazis war es bitterer Ernst.“Wer wollte, hätte schon sehr früh erkennen können, was kommt. Boykottaufrufe “Kauft nicht bei Juden“, die KZ waren deutlich sichtbar, die Euthanasie an „Geisteskranken und Schwachsinnigen“ wurde öffentlich angegriffen. Auch die Massenerschießungen im Osten seien bekannt gewesen.

Viele schauten weg, einige halfen den Verfolgten oder leisteten Widerstand, so Herzog. Für heute sei wichtig, was aus der Katastrophe zu lernen sei. Erst langsam habe sich in Deutschland eine Gedenkkultur entwickelt, die heute Bestandteil unseres Lebens sei. „Das soll und muss auch so bleiben“, forderte Herzog, denn die Populisten von rechts versuchten die Verbrechen klein zu reden oder provozierten durch Leugnen. Es gelte, für die universellen Menschenrechte einzutreten.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

In diesem Zusammenhang beklagte Herzog Attacken auf Moscheen und Synagogen. „Judenhass und Islamfeindlichkeit sind beschämend für unser Land.“ Es dürfe „keinen Platz für Hass und Propaganda in unserer Stadt geben“, so Herzog.

Da es immer weniger Zeitzeugen gebe, die über die Verbrechen berichten könnten, würden andere Formen der Information erforderlich, um die nachwachsenden Generationen anzusprechen. Auch müsse man Wege finden, um Migrantenfamilien anzusprechen. „Die Geschichte unseres Landes geht alle an, die hier leben.“ Und für alle gelte der erste Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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Blechbläserquintett der Stadtmusik.

Gemeinsam mit Stadtrat und OB-Stellvertreter Udo Neudeck legte Herzog einen Kranz am „Mahnmal für die Opfer des Faschismus nieder. Er dankte insbesondere dem Blechbläserquintett der Stadtmusik für die musikalische Begleitung der Gedenkveranstaltung.

 

 

 

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