Oberbürgermeister Thomas Herzog: „Es wird schwer, an uns vorbeizukommen.“ Foto: him

SCHRAMBERG  (him) – Mit einer Über­ra­schung war­te­te die Stadt­ver­wal­tung bei der Gemein­de­rats­sit­zung ver­gan­ge­ne Woche auf. Man pla­ne, sich für eine Lan­des­gar­ten­schau in den Jah­ren 2026, 2028 oder 2030 zu bewer­ben, kün­dig­te Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog laut einer Pres­se­mit­tei­lung an, die die Stadt noch am Abend ver­brei­te­te. Die NRWZ hat dazu OB Her­zog befragt.

NRWZ: Herr Her­zog, als Sie dem Gemein­de­rat den Vor­schlag mach­ten, waren die Rats­mit­glie­der sehr ver­blüfft?

Her­zog: Die Gemein­de­rats­mit­glie­der waren durch die Bank gleich sehr ange­tan. Sie haben grund­sätz­li­che Zustim­mung signa­li­siert und sofort ver­sucht, die ers­ten Über­le­gun­gen der Ver­wal­tung krea­tiv und kon­struk­tiv zu ergän­zen.

In dem Kon­zept geht es dar­um, bereits bestehen­de Ide­en aus dem Stadt­ent­wick­lungs­pro­gram STEP 2020+ umzu­set­zen. Genannt wer­den das „blaue Band“ ent­lang der Schiltach. Was ist da kon­kret geplant?

Her­zog: Wir wol­len eine lebens­wer­te Stadt. Dies errei­chen wir nur mit einer neu­en Urba­ni­tät und mit attrak­ti­vem Woh­nen. Ent­lang der Schiltach sol­len neue Frei­räu­me mit hoher Auf­ent­halts­qua­li­tät geschaf­fen wer­den.  Die­se Frei­raum­qua­li­tä­ten die­nen gleich­zei­tig als wert­stei­gern­der Impuls in der Stadt­ent­wick­lung und berück­sich­ti­gen die Kli­ma­än­de­rungs­fak­to­ren beim Hoch­was­ser­schutz.

Die zwei­te Step 2020+ Idee ist das „grü­ne Band“ von der Tal­stadt auf den Sul­gen. Schwer vor­stell­bar, dass da hun­dert­tau­sen­de Besu­cher von der Char­lot­ten­hö­he zum Steig­häus­le pil­gern, oder?

Her­zog: Die Logis­ti­k­idee für Schram­berg hat sich schon mehr­fach in ver­schie­de­nen Städ­ten mit Tal- und Höhen­la­ge bewährt. Im Witt­um­ge­län­de in Sul­gen wird die Gar­ten­schau­flä­che  plat­ziert. Die Besu­cher kön­nen 2026 auf schö­nen Wegen mit vie­len Aus­bli­cken zu Fuß von der Tal­stadt auf die Höhe und umge­kehrt gehen, aber es wird gleich­zei­tig ein inno­va­ti­ves E‑Mo­bi­li­täts-Ange­bot in Kom­bi­na­ti­on mit Smart City ‑The­men geben.

Eine Lan­des­gar­ten­schau ist in ers­ter Linie eine Blu­men- und Pflan­zen­schau. Wo wäre die ange­sie­delt?

Her­zog: In Schram­berg ver­ste­hen wir die Lan­des­gar­ten­schau in ers­ter Linie als ein umfas­sen­des Stadt­ent­wick­lungs­pro­jekt. Das Schau­ge­län­de, im Ver­an­stal­tungs­jahr von gro­ßer Bedeu­tung, befin­det sich im künf­ti­gen „Wit­tum­park“.

NRWZ: Wie kann man eine Ver­bin­dung zu dem „Blau­en Band“ im Tal her­stel­len? Ein Witz­bold hat schon eine Rie­sen­rut­sche vor­ge­schla­gen. Viel­leicht gar nicht so abwe­gig?

Her­zog: Neben dem E‑Mobilitätskonzept wer­den in der jet­zi­gen Bewer­bungs­pha­se alle Mög­lich­kei­ten vom Rut­schen­park, vom Fly­ing Fox bis zur Seil­bahn durch­ge­spielt.

NRWZ: Wie könn­te eine sol­che Lan­des­gar­ten­schau finan­ziert wer­den? Oft ende­ten die Gar­ten­schau­en mit einem dicken Minus.

Her­zog: Dies ist mit­nich­ten der Fall – nicht umsonst spricht das Minis­te­ri­um für Länd­li­chen Raum und Ver­brau­cher­schutz Baden-Würt­tem­berg bei der dies­jäh­ri­gen Aus­schrei­bung der Gar­ten­schau­en von der Fort­set­zung einer ein­ma­li­gen Erfolgs­ge­schich­te. Eine soli­de Finan­zie­rung ist für Schram­berg selbst­ver­ständ­lich. Eine Lan­des­gar­ten­schau stärkt die regio­na­le Iden­ti­tät und setzt blei­ben­de Akzen­te über das Ver­an­stal­tungs­jahr hin­aus.

Was kos­tet die Pla­nung und die Bewer­bung? Und was pas­siert mit all den Papie­ren, wenn Schram­berg leer aus­ge­hen soll­te?

Her­zog: Wir ver­ste­hen die Bewer­bung als not­wen­di­ge Fort­schrei­bung von STEP 2020+ aus dem Jah­re 2009. Auch ohne Zuschlag wird die­se Bewer­bung eine Art „Road­map“ für die Stadt­ent­wick­lung in den kom­men­den Jah­ren sein. Der­zeit wer­den die Bewer­bungs­un­ter­la­gen zusam­men­ge­stellt. Eine ers­te Über­sicht zu den Pla­nungs­kos­ten und Pro­jekt­kos­ten wird am 16. Novem­ber dem Gemein­de­rat vor­ge­stellt.

 Wer soll die Plä­ne aus­ar­bei­ten? Ein Pla­nungs­bü­ro oder die Stadt?

Her­zog: Wir erar­bei­ten das Gesamt­kon­zept für die Bewer­bung fach­über­grei­fend mit aus­ge­wie­se­nen Exper­ten zu The­men wie Rena­tu­rie­rung, Mobi­li­tät, Frei­raum und Stadt­quar­tie­re. Die Stadt­spa­zier­gän­ge, mit Impuls­vor­trä­gen die­ser Exper­ten, sind dabei wie bei STEP2020+ eine wert­vol­le Betei­li­gung. Die eigent­li­che Pla­nung einer Lan­des­gar­ten­schau erfolgt jedoch in einem offe­nen Archi­tek­tur­wett­be­werb, der erst nach einer Zusa­ge öffent­lich aus­ge­lobt wer­den kann.

Neben Schram­berg wol­len auch gern Rott­weil und Tutt­lin­gen eine Lan­des­gar­ten­schau. Haben die ande­ren mit ihrer alten Stadt­ge­schich­te  bezie­hungs­wei­se ihrem dicken Geld­beu­tel nicht wesent­lich bes­se­re Chan­cen?

Her­zog: Es zäh­len die  Qua­li­tät der Bewer­bung und die dar­in auf­ge­zeig­ten Chan­cen und Poten­tia­le einer inte­grier­ten Stadt­ent­wick­lung. Die Stadt Schram­berg wird, wie alle der – ver­mut­lich über 20 Mit­be­wer­ber – die eige­nen Stär­ken und Allein­stel­lungs­merk­ma­le her­aus­ar­bei­ten und selbst­be­wusst dar­stel­len.

Wann wer­den die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mehr über die Plä­ne erfah­ren?

Her­zog: Wie bereits schon begon­nen, wer­den wir auch wei­ter­hin alle unse­re Über­le­gun­gen sehr trans­pa­rent in der Pres­se und auf unse­rer Home­page dar­stel­len. Die Stadt­spa­zier­gän­ge, mit den Impuls­vor­trä­gen, sind dabei wie bei STEP2020+ ein zusätz­li­ches Ange­bot.

Wel­che Reak­tio­nen aus der Bevöl­ke­rung haben Sie bis­her?

Her­zog: Wir haben über­wie­gend posi­ti­ve Rück­mel­dung erhal­ten. Geäu­ßer­te Zwei­fel ori­en­tie­ren sich meist an der fal­schen Begriff­lich­keit  einer „Blüm­chen­schau“.

Inwie­fern kön­nen sich heu­te schon Bür­ger betei­li­gen?

Her­zog: Im Rah­men von STEP 2020+ fand bereits eine sehr inten­si­ve Bür­ger­be­tei­li­gung statt. Dar­auf baut die Bewer­bung für die Lan­des­gar­ten­schau auf. Bei den kom­men­den Stadt­spa­zier­gän­gen freu­en wir uns und hof­fen auch auf vie­le inter­es­sier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die ihre Ide­en und Vor­schlä­ge ein­brin­gen. Soll­ten wir den Zuschlag für eine Lan­des­gar­ten­schau bekom­men, ist eine inten­si­ve Bür­ger­be­tei­li­gung für den wei­te­ren erfolg­rei­chen Pla­nungs­pro­zess zwin­gend.

Hand aufs Herz – Wie schät­zen Sie die Chan­ce ein, dass Schram­berg den Zuschlag erhält?

Her­zog: Wir wer­den eine sehr gute Bewer­bung abge­ben. Ich bin über­zeugt, dass sich unse­re Bür­ger, die Poli­tik, Indus­trie, Han­del und Hand­werk, dass wir alle uns gemein­sam hin­ter die­se Bewer­bung stel­len wer­den. Dann wird es sehr schwie­rig, an uns vor­bei zu kom­men.