OB-Kandidatin Dorothee Eisenlohr und die OB-Kandidaten Dirk Caroli und Thomas Herzog: Foto: him

SCHRAMBERG  –  Nach den jeweils 20-minü­ti­gen Solo­auf­trit­ten hat­ten im zwei­ten Teil der Kan­di­da­ten­vor­stel­lung im Bären­saal die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger das Wort. Stadt­rat Jür­gen Win­ter als Mode­ra­tor hat­te gebe­ten, Fra­gen so zu stel­len, dass sie an alle Drei auf dem Podi­um gerich­tet sind. „Wir wol­len, dass sie ihre Kon­tu­ren schär­fen kön­nen“, erläu­ter­te er.

Außer­dem hät­ten nur Schram­ber­ger Fra­ge­recht, des­halb möge man sei­nen Namen und die Stra­ße ange­ben – was eini­ge Unru­he in den Saal brach­te. Als sich dann als ers­tes Alt­stadt- und Kreis­rat Wer­ner Klank brav vor­stell­te, gab es  ein Rie­sen­ge­läch­ter im Saal – schließ­lich kennt den Urschram­ber­ger fast jeder.

Dr. Wer­ner Klank

Was die Drei, wür­den sie gewählt, in Sachen Kli­ma­schutz unter­neh­men woll­ten, woll­te der SPD-Mann wis­sen. Und spe­zi­ell von Caro­li woll­te Klank erfah­ren, wie der es denn mit der AfD hal­te, deren Mit­glied er einst war. Die AfD leug­ne ja, dass der Kli­ma­wan­del was mit uns Men­schen zu tun habe.

Klimawandel

Tho­mas Her­zog  befand, der Kli­ma­wan­del sei nicht zu leug­nen, erst kürz­lich habe das Pro­fes­sor Franz Bau­mann im Schloss erläu­tert. Er erin­ner­te an den Stark­re­gen ver­gan­ge­nes Jahr. „Wir gehen an den Hoch­was­ser­schutz und wer­den unser Kli­ma­schutz­kon­zept drin­gend aktua­li­sie­ren müs­sen.”

Doro­thee Eisenlohr  setzt auf Ener­gie­ef­fi­zi­enz, möch­te den Fuhr­park der Stadt erneu­ern und Bera­tungs­ta­ge einer Ener­gie­be­ra­tungs­agen­tur anbie­ten. Sie fin­det, Blü­ten­wie­sen soll­ten groß­flä­chi­ger ange­legt wer­den, und der Wochen­markt plas­tik­frei wer­den.

Dirk Caro­li erläu­ter­te, er sei bei der AfD gewe­sen, als die­se sich gegen die Haf­tungs­re­ge­lung beim Euro gewandt habe. Als der Rechts­ruck kam, sei er „nicht lei­se“ aus­ge­tre­ten. Der Kli­ma­wan­del sei real,  er set­ze auf Bera­tung. „Die Kom­mu­nal­po­li­tik sitzt da in der ers­ten Rei­he.“ Zugleich warn­te er vor zu viel Hoff­nung bei der E-Mobi­li­tät. Die Bat­te­rie­pro­duk­ti­on ver­schlin­ge Unmen­gen Was­ser.

Zukunft des Krankenhauses

 Die Zukunft des Kran­ken­haus­are­al ist für Micha­el Ehret ein The­ma und wie das Pro­blem „ohne Kome­die“  gelöst wer­den soll. Caro­li mein­te, das dür­fe nicht zur „never ending Sto­ry“ wer­den, man müs­se wegen der mög­li­chen Schad­stoff­be­las­tung prü­fen, ob ein Abriss oder Umbau mög­lich sei.

Micha­el Ehret.

Eisenlohr wuss­te, dass das Schwes­tern­haus und das Gut Ber­neck bereits ver­kauft sind und sprach von einem anste­hen­den Inves­to­ren­wett­be­werb für das eigent­li­che Kran­ken­haus. Sie fand eine Wohn­be­bau­ung sinn­voll. 

Her­zog fand, zu Came­di sei inzwi­schen alles gesagt. Der Gemein­de­rat habe in Sanie­rungs­ge­biet für das Gelän­de bean­tragt und im zwei­ten Anlauf habe das Regie­rungs­prä­si­di­um das auch geneh­migt. Ein Pro­jek­tie­rer pla­ne bereits den Teil­ab­riss, nun wer­de eine Sanie­rungs­ge­biets­sat­zung  erar­bei­tet, damit die Zuschüs­se dann auch aus­ge­zahlt wer­den kön­nen.

 Berneckschule und Schulcampus

Der Schul­cam­pus und  ein mög­li­cher Umzug der Ber­neck-Grund­schu­le waren für den Grund­schul­leh­rer Ste­fan Grimm Anlass sich zu mel­den. Er fin­det, die Grund­schu­le sol­le am bis­he­ri­gen Platz blei­ben, denn die Kin­der fühl­ten sich dort wohl unter sich und sei­en nicht mit älte­ren Schü­lern auf einem Gelän­de.

Ste­fan Grimm

Nun hat­te Eisenlohr das ers­te Wort. Sie ver­wies auf den Gemein­de­rats­be­schluss zum Schul­cam­pus, das sei  so zu akzep­tie­ren. Caro­li hol­te weit aus und stell­te den Cam­pus ins­ge­samt in Fra­ge: „Wenn man im Tal einen Kreis von 200 Metern zieht, hat man alle drin.“ Er ver­wies auf die hohen Kos­ten, die bis Ende des Pro­jek­tes auf 60 Mil­lio­nen stei­gen könn­ten.

Her­zog ent­geg­ne­te, der Cam­pus wer­de modu­lar geplant, sodass man auch Pau­sen ein­le­gen könn­te. Die Ber­neck­schu­le kom­me auf dem Cam­pus in einen eige­nen Bereich.  Im Übri­gen sei­en auf dem Sul­gen die Grund- und die Werk­re­al­schü­ler auch in einem Gebäu­de – „und das funk­tio­niert auch“.

Altbausanierung

Car­men Spie­gel­hal­der-Schä­fer nahm die Bemer­kung von Eisenlohr auf, die Haus­be­sit­zer an der Obern­dor­fer und der Göt­tel­bach-Stra­ße soll­ten ihre Fas­sa­den strei­chen und die Häu­ser sanie­ren.  Dort wohn­ten vie­le älte­rer Men­schen, die das gar nicht mehr leis­ten könn­ten.

Car­men Spie­gel­hal­der-Schä­fer

Eisenlohr kor­ri­gier­te, sie habe nicht den Abriss gefor­dert, son­dern wol­le viel­mehr errei­chen, dass Alt­bau­ten saniert wer­den, um weni­ger Platz auf der grü­nen Wie­se für Neu­bau­ten zu ver­brau­chen. Her­zog erin­ner­te dar­an, dass der Gemein­de­rat erst kürz­lich bestehen­de För­der­richt­li­ni­en kor­ri­giert habe und den sozia­len Woh­nungs­bau zusätz­lich mit eige­nen Mit­tel stär­ken will. Caro­li ver­lang­te, Sanie­run­gen müss­ten immer im Kon­sens von Eigen­tü­mer und Mie­ter erfol­gen.

Führungsstil

Klaus And­reae frag­te die drei Kan­di­da­ten nach ihrem Füh­rungs­stil.  Klar, alle drei bevor­zu­gen einen kol­le­gia­len Füh­rungs­stil. Her­zog konn­te immer­hin dar­auf ver­wei­sen, dass es im Rat­haus fla­che Hier­ar­chi­en gebe und sei­ne Tür „immer offen“ ste­he. Eisenlohr erin­ner­te zudem dar­an, dass sie auch eine „the­ra­peu­ti­sche Aus­bil­dung“ habe.

Schutz für Fußgänger

Mehr Schutz für die Fuß­gän­ger in der Stadt wün­sche sich Caro­la Jöh­le. Her­zog hat dazu bereits mit der Poli­zei gespro­chen und setzt auf mehr Kon­trol­le. Eisenlohr könn­te sich einen Zebra­strei­fen vor dem Rat­haus vor­stel­len und Caro­li fin­det, man müs­se die Sicher­heit für jeden Ver­kehrs­teil­neh­mer  gewähr­leis­ten und „eine Lösung fin­den“.

Wann kommt Hausteile?

Caro­li­ne Gie­ßiebl

Wann denn nun  das Neu­bau­ge­biet Haus­tei­le in Hei­li­gen­bronn käme und dann auch die Lich­ten­au­stra­ße ent­las­tet wer­de, frag­te Caro­li­ne Gie­ßiebl. Eisenlohr bestä­tig­te die schwie­ri­ge Ver­kehrs­si­tua­ti­on. Der Bau­be­ginn hän­ge vom Grund­er­werb ab, so Her­zog. Die Stadt kön­ne erst pla­nen und bau­en, wenn ihr die Grund­stü­cke gehör­ten. Des­halb kön­ne er zu einem Bau­be­ginn nichts Genau­es sagen. Caro­li sprach von einem Rie­sen­pro­jekt und Wirt­schafts­fak­tor. Man dür­fe das nicht „auf die lan­ge Sei­te schie­ben“.

Tourismus stärken

Robert May­er will wis­sen wie der Frem­den­ver­kehr gestärkt wer­den kön­ne. Her­zog erin­nert an das neue Tou­ris­mus­kon­zept und den Umbau in der Ver­wal­tung. Inzwi­schen wer­be die Stadt in den sozia­len Medi­en, Bro­schü­ren wur­den oder wür­den über­setzt und über­ar­bei­tet.  Es gebe meh­re­re Audio-Gui­de-Tou­ren, zwei Pre­mi­um­wan­der­we­ge.

Caro­li mein­te die Tou­ris­mus-Mar­ke Schram­berg müs­se man bekannt machen und mehr Gast­stät­ten in der Stadt haben. Er wis­se von einem „dra­ma­ti­schen Rück­gang der Über­nach­tungs­zah­len“. Eisenlohr schlug vor, eine eige­ne Web­site für die Tou­ris­ten ein­zu­rich­ten und die Schram­berg Card auch den Umland­ge­mein­den anzu­bie­ten.

Leerstände und Arbeitplätze

Die Leer­stän­de im Tal und die Arbeits­plät­ze in Sul­gen waren The­ma einer Fra­ge von Dani­el Sie­ber. Caro­li wuss­te von Räten, die die Gewer­be­steu­er erhö­hen woll­ten. Das sei „der Todes­stoß für die Betrie­be, wir soll­ten viel­mehr die Gewer­be­steu­er sen­ken“. Als Beloh­nung für die Unter­neh­mer, dass sie hier blei­ben. Bei den Leer­stän­den will er mit den Ver­mie­tern reden, damit die­se ihre Pach­ten sen­ken.

Her­zog erin­ner­te an die Job-Card des Han­dels- und Gewer­be­ver­eins, um Kauf­kraft in der Stadt zu hal­ten. Auf die Wirt­schaft habe die Kom­mu­nal­po­li­tik nur begrenzt Ein­fluss: „Wir kön­nen die Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen, die Infra­struk­tur ver­bes­sern, Gewer­be­ge­bie­te erwei­tern.“

Eisenlohr sieht ange­sichts des Online-Han­dels die Ein­zel­händ­ler in der Pflicht. „Sie müs­sen bes­ser sein im Ser­vice.“ Sie ver­wies auf die App „pro­re­gi­ons­chram­berg” und mein­te, wich­tig sei auch das Ein­kaufs­er­leb­nis. Län­ge­res kos­ten­lo­ses Par­ken und die Erlaub­nis Hin­weis­schil­der auf­zu­stel­len sei­en wei­te­re Mög­lich­kei­ten zur Unter­stüt­zung.

Ausgeglichener Haushalt

Schließ­lich sorg­te Micha­el Moos­mann für eini­ge Ver­wir­rung. Der heu­ti­ge Bür­ger­meis­ter von Hardt hat­te zuvor im Schram­ber­ger Rat­haus in der Käm­me­rei gear­bei­tet und wohnt in Sul­gen. Er frag­te, wie die Stadt denn einen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt errei­chen wol­le bei all den geplan­ten Zusatz­aus­ga­ben und gleich­blei­ben­der Pro­duk­ti­vi­tät.

Micha­el Moos­mann

Eisenlohr ver­stand zunächst die Fra­ge nicht und mein­te, soll­te sie gewählt wer­den, ste­he der neue Haus­halt schon. Caro­li mein­te im Haus­halt stün­den sehr vie­le Pro­jek­te, die gar nicht ver­wirk­licht wer­den könn­ten, „weil die Man­power fehlt“. Außer­dem kom­me zum 1. Janu­ar 2020 das neue Haus­halts­recht. 

Her­zog erklär­te Caro­li, das Ver­schie­ben von Pro­jek­ten habe haus­halts­tech­nisch mit dem Haus­halts­aus­gleich nichts zu tun. Sei­nem ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter Moos­mann berich­te­te er, dass die Stadt ent­ge­gen des­sen Annah­me in den nächs­ten Jah­ren Über­schüs­se erwirt­schaf­ten wer­de. Soll­te es wegen eines Kon­junk­tur­ein­bruchs anders kom­men, wer­de man bei den Frei­wil­lig­keits­leis­tun­gen, etwa der Ver­eins­för­de­rung spa­ren müs­sen.

Auf­merk­sa­mes Publi­kum

Gegen 22.10 Uhr dank­te Win­ter den drei Kan­di­die­ren­den, sie hät­ten sich „wacker geschla­gen“, aber auch das Publi­kum habe trotz der gro­ßen Hit­ze tap­fer durch­ge­hal­ten. Star­ker Applaus aus dem Saal und vom Podi­um war die Ant­wort.