Mark Scott nach seiner Verhaftung im September 2018 auf einem Polizeifoto. Quelle: Inner City Press
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Nachdem letzte Woche Richter Edgardo Ramos den Top-OneCoin-Betrüger Sebastian Greenwood zu 20 Jahren Haft wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt hat, hat er jetzt Mark Scotts Hoffnung auf ein neues Verfahren zerschlagen. Scott hatte eine Jury am 21. November 2019 schuldig gesprochen, für die in Schramberg aufgewachsene Kryptoqueen Ruja Ignatova 400 Millionen Dollar „gewaschen“ zu haben. Scott hatte für seine Dienste 50 Millionen Dollar kassiert.








New York. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig, weil Scotts Anwälte belegen konnten, dass Rujas Bruder Konstantin Ignatov im Prozess gegen Scott im November 2019 zwei Mal nachweislich gelogen hatte.

Richter Ramos lehnt eine Wiederaufnahme ab. Erste Seite seines Beschlusses .

In einem 38 Seiten langen Beschluss stellt Richter Ramos fest, die Forderung nach einer Wiederaufnahme werde abgelehnt. Ramos schildert noch einmal ausführlich die Geschichte von OneCoin, der angeblichen Kryptowährung, mit der Ignatova und Greenwood sowie zahlreiche andere Figuren weltweit etwa 3,5 Millionen Kunden um geschätzte 15 Milliarden Euro gebracht haben. Das OneCoin ein Betrug sei, haben sogar Scotts Anwälte eingeräumt, wie Ramos sie zitiert: “OneCoin is a scam. We’re not going to fight that battle.”

Ruja Ignatovas Geliebter stellt den Kontakt her

Gilbert Armenta, Ignatovas Geliebter und einer ihrer Geldwäscher, habe Scott angeworben. Er habe Scott  seiner Geliebten Ignatova im Jahr 2015 als jemanden vorgestellt, der „Lösungen für ihre Bankprobleme“ finden könne.

Damals hatten sich viele Banken geweigert, Konten für OneCoin zu eröffnen. Scott, der zu dieser Zeit in einer renommierten Internationalen Kanzlei gearbeitet hatte, habe ein ausgeklügeltes System entwickelt, wie die OneCoin-Einnahmen verschleiert werden konnten, so Richter Ramos.

In besseren Tagen: Ruja und Gilbert im Sommer 2017 in Bulgarien. Foto: Archiv him

Dazu habe er die „Fenero Funds“ auf den britischen Jungferninseln und den Cayman Inseln entwickelt. Dorthin habe er Millionensummen von Bankkonten in Hongkong, Deutschland, Singapur und Großbritannien transferiert. Um die Herkunft zu tarnen, habe Scott immer wieder Prüfer und Behörden angelogen.

So habe er den Rechtsanwalt Martin Breidenbach als den Eigentümer von „CryptoReal“ ausgegeben. Tatsächlich aber gehörte das Geld von CryptoReal Ignatova und war angeblich für den Kauf eines Ölfelds bei Madagaskar bestimmt. Martin Breidenbach steht seit mehr als zwei Jahren in Münster vor Gericht, er ist dort ebenfalls wegen Geldwäsche und Betrugs angeklagt.

Rechtsanwalt Martin B. im Gerichtssaal in Münster. Foto: him

Im August 2018 wurde Scott in den USA angeklagt und im September festgenommen. Vom 5. bis zum 20. November 2019 dauerte der Prozess in New York. Damals hat unter anderem Konstantin Ignatov als Zeuge der Anklage umfangreich ausgesagt.

Konstantin Ignatovs Aussagen waren nicht entscheidend

Seine Aussage, so Richter Ramos, habe sich in erster Linie auf OneCoin bezogen, Ignatov habe dessen betrügerisches System und die Geldwäschemethoden erläutert. Ignatov habe  laut seiner Aussage Scott lediglich einmal in Sofia getroffen, nämlich am 20. Juli 2016, als sich Ruja, Irina Dilkinska, ihre wichtigste Geldwäscherin, und Scott im OneCoin Hauptquartier trafen.

Konstantin Ignatov auf einem Polizeifoto. Quelle: Inner City Press

Später habe Ignatov ausgesagt, er habe einen Laptop in Las Vegas weggeworfen und er hatte ein falsches Datum für das Treffen von Scott mit Dilkinska angegeben.

Am 29. Juni 2021 hat ein langjähriger OneCoin-Mitarbeiter Duncan Arthur, der mit Ignatov in Las Vegas war, von Konstantins Aussage gehört.  Arthur, inzwischen zum Whistleblower gewandelt, hat den Ermittlern und Scotts Verteidigern berichtet, dass Ignatov den Laptop nicht weggeworfen, sondern ihm gegeben habe, damit er ihn nach Sofia zurückbringe.

Konstantin Ignatov, Geri Savini, damals ein OneCoin-Werber und Duncan Arthur. Quelle: es

Später konnten Scotts Verteidiger anhand des Passes von Dilkinska außerdem beweisen, dass diese zum von Konstantin angegebenen Zeitpunkt nicht in Sofia, sondern in Indien war. Auch hier hatte Konstantin gelogen.

Dilkinskas Pass mit den Stempeln aus Indien

Schließlich haben die Verteidiger berichtet, dass Konstantin im Gefängnis MCC ein dort hinein geschmuggeltes Smartphone benutzt hatte. Damit habe er gegen seine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft verstoßen. Scotts Anwälte verlangten daher eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Das hat Richter Ramos nun abgelehnt. Die Staatsanwälte hätten ausreichend Beweise geliefert, dass Scott OneCoin-Gelder gewaschen habe.

Der Laptop – auf schwäbisch “Haffekäs”

Konstantins Lügen im Prozess seien nicht Grund genug, um das Verfahren ganz neu aufzurollen, schreibt Richter Ramos. Die Geschichte mit dem Laptop sei „ein so kleiner Teil seiner gesamten Aussage gewesen, dass man sie vernachlässigen kann“. Lediglich zwei von insgesamt mehr als 300 Seiten seiner Aussage befassten sich mit dem Laptop.

Außerdem sei Konstantins Aussage zu Scott im Vergleich zu den überwältigenden anderen Beweisen unwesentlich. Auch seine Falschaussage zum Treffen Scott, Dilkinska und Ignatova würde ein neues Verfahren nicht rechtfertigen, so Richter Ramos.

Nach Armenta und Greenwood wird es nun auch für Scott bald ernst. Ihm drohen bis zu 50 Jahre Haft.

update. Richter Ramos  will am 12. Dezember nachtmittags um 15.30 New Yorker Ortszeit das Strafmaß verkünden. Das hat er am 19. September angekündigt. Davor werden die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft ihre Argumente für  eine angemessene Strafe vorbringen. Derzeit ist Scott auf freiem Fuß.

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