Mit "Petticoat und Pomade" auf dem Museumsparkplatz.

SCHRAMBERG  – Mit “Pet­ti­coat und Poma­de“,  fast umsonst  – und dank des som­mer­li­chen Wet­ters auch wirk­lich drau­ßen – tra­ten am Sams­tag­abend „Moni Fran­cis“ und „Bud­dy Olly“ im Auto- und Uhren­mu­se­um auf.

Ihre Musik-Come­dy Show mit Schla­gern und Rock’n‘Roll aus den 50ern und 60ern begeis­ter­te etwa 400 Besu­cher, meist gesetz­te­ren Alters, die die Zeit noch selbst mit­er­lebt hat­ten – anders als die bei­den Akteu­re, wie Moni Fran­cis bekann­te. Sie hät­ten sich des­halb in Archi­ven umge­tan und viel Kurio­ses und heu­te Unvor­stell­ba­res über die 50er Jah­re her­vor­ge­kramt. Etwa, dass der VfB 1950 und 52 deut­scher Meis­ter war….

Die Besu­cher hat­ten ihren Spass.

Olli  muss­te nur die Ori­gi­nal­wer­be­pro­sa von Per­sil, das nach dem Krieg erst­mals ab 1950 ange­bo­ten wur­de, vor­tra­gen – und das Publi­kum bog sich vor Lachen.

Moni Fran­cis hat­te zum The­ma Frau­en­rech­te jede Men­ge Abstru­ses ent­deckt, bei­spiels­wei­se ver­bot der Deut­sche Fuß­ball­bund 1955 den Frau­en­fuß­ball und erst 1958 ver­ab­schie­de­te der Bun­des­tag ein Gleich­stel­lungs­ge­setz. Bis dahin muss­ten Ehe­frau­en, wenn sie arbei­ten woll­ten, die Erlaub­nis ihres Gat­ten vor­le­gen – und das Gehalt floss auf das Kon­to des Gemahls. 

Moni Fran­cis…

Bud­dy Olly hat­te sich als Ex-Poli­zei­be­am­ter Geset­zes­tex­te und Ver­ord­nun­gen vor­ge­nom­men. So steht im baden-würt­tem­ber­gi­schen Beam­ten­recht: „Stirbt ein Beam­ter auf Dienst­rei­se, ist die Dienst­rei­se been­det.“

…und Bud­dy Olli

Ihre Mode­ra­tio­nen würz­ten die bei­den mit Zita­ten der Unter­hal­tungs­grö­ßen jener Zeit wie Heinz Erhard, Peter Fran­ken­feld – oder des dama­li­gen Bun­des­kanz­lers Kon­rad Ade­nau­er.

Von Bumslokalen und Lasterhöhlen

Die bei­den Musi­ker sind schon seit vie­len Jah­ren im Musik­ge­schäft unter­wegs, mit Bands und solo, Moni Fran­cis mit einer umwer­fen­den Stim­me, Bud­dy Olli als Rock’n‘Roller und Gitar­rist. Bei ihrem Auf­tritt beim Auto- und Uhren­mu­se­um san­gen sie zur Musik aus der Kon­ser­ve, das aber mit gro­ßem Charme und vol­ler Ener­gie. Wan­da Jack­sons „Let’s have a par­ty”  kün­dig­te Moni Fran­cis mit einem Blick auf die Par­ty­sze­ne einst und heu­te an. Damals sei man in „Bums­lo­ka­len“ (wegen der lau­ten Musik!)  oder in  „Las­ter­höh­len“ zusam­men gekom­men.

Es folg­ten auf Bill Ram­seys „Ohne Kri­mi…“ Titel von Jer­ry Lee Lewis, Con­ny Fran­cis und „Ich will kei­ne Scho­ko­la­de“ von Tru­de Herr – ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass ein Arbei­ter für ein Kilo Boh­nen­kaf­fee 1950 noch 22 Stun­den schuf­ten muss­te. Doris Day zitier­ten die bei­den mit ihrem Spruch, Frau­en mach­ten sich für die Män­ner schön, weil „deren Augen bes­ser ent­wi­ckelt sind als ihr Ver­stand.“ Bei Siw Malm­quist san­gen alle mit und fan­den Lie­bes­kum­mer loh­ne nicht.

Mit Ted Herold und „Moon­light“ bewies Bud­dy Olly, wie hand­zahm der deut­sche Rock’n‘Roll im Ver­gleich zum Ori­gi­nal doch war. Auf einer Kazoo demons­trier­te  Moni Fran­cis bei Lucky Lips, dass es  gar nicht immer eines Saxo­phons bedarf.

Fieber und Blasenkatarrh

Nach der Pau­se brach­te Moni eine angeb­lich von einer Über­set­zungs-App ins Deut­sche über­tra­ge­ne Ver­si­on von „Fever“ von Peg­gie Lee:  „Fie­ber, Hus­ten, Schnup­fen – und ’nen Bla­sen­ka­tarrh“.

John­ny Cash und Litt­le Richard, der Preis für den VW Käfer, die Ein­füh­rung des Tam­pons und der Fort­schritt in den Ehe­rat­ge­bern folg­ten. Schließ­lich als Zuga­be „Sugar Baby“ von Peter Kraus, „Wir wol­len nie­mals aus­ein­an­der gehen“ – und da hielt es nie­mand mehr auf den Stüh­len zum Abschluss gegen elf: „Mar­mor­stein und Eisen bricht.“

Bei „Mar­mor­stein und Eisen bricht” stan­den alle und san­gen aus vol­len Keh­len mit.
Fotos: him

Beschwingt und hei­ter ver­lie­ßen  die Gäs­te, von denen etli­che von weit­her gekom­men waren, das Muse­ums­ge­län­de an der Obern­dor­fer Stra­ße.

Anmer­kung des Autors: Da die bei­den vor fast genau drei Jah­ren mit dem­sel­ben Pro­gramm schon ein­mal in Schram­berg gas­tier­ten, genüg­te es, etwa zehn Wör­ter aus dem dama­li­gen Bericht aus­zu­tau­schen: statt schlech­tem Wet­ter, som­mer­li­ches Wet­ter, statt 250 nun 400 Gäs­te. Auch die Bil­der sind von ges­tern. Nur falls jemand meint, nicht nur ges­tern abend, son­dern auch hier beim Lesen ein Deja-vue-Erleb­nis zu haben. Damit es kein Miß­ver­ständ­nis gibt: Es war ein tol­ler Abend, dan­ke lie­bes Muse­um­s­team und dan­ke Moni und Olly.)