Regiodocs: Blaupause für andere

Regiodocs: Blaupause für andere

Die Regiodocs als „Best practise-Beispiel“ besichtigte am Donnerstag um die Mittagszeit Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Die Grünen). Im neuen Ärztehaus am Sulgener Kirchplatz zeigten Dr. Susanne Andreae und Dr. Gebhard Pfaff, weshalb ihr Modell beispielhaft für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist.

Der Minister war in Begleitung von Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Dezernent Dr. Joachim Adam gekommen. Auch Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog und mehrere Kreisräte informierten sich.

In einem Behandlungszimmer der Regiocdocs (von links) Schrambergs OB Thomas Herzog, die Regiodocs Dr. Gebhard Pfaff und Dr. Susanne Andreae, Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel und Minister Manne Lucha. Fotos: him

Landrat Michel machte das Problem deutlich: „36 Prozent der Hausärzte im Kreis Rottweil sind älter als 60.“ Zwar sei der Kreis besser als andere Gebiete mit Hausärzten versorgt, „aber wir haben nicht 20 Jahre Zeit.“ Oberbürgermeister Thomas Herzog erinnerte daran, dass nach der Schließung des Krankenhauses es darum gegangen sei, die ambulante ärztliche Versorgung in Schramberg zu sichern. Das Sulgener Ärztehaus und das neue Ärztehaus in der Talstadt seien dafür wichtig. Dank der Häuser sei es gelungen, Praxen nach zu besetzen.

Neun Regiodocs arbeiten in Aichhalden, Hardt, Eschbronn, Schramberg und Sulgen. Sie werden von 29 Praxismanagerinnen, einem EDV-Fachmann und medizinischen Fachangestellten unterstützt. Bei einem Rundgang erläuterte Dr. Andreae, dass vom Sulgener Haus aus die Termine für alle fünf Praxen organisiert würden.

Flexible Arbeitszeiten

Dr. Pfaff schilderte die Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn Ärzte wie bei den Regiodocs zusammenarbeiten. „Wir brauchen moderne Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte.“ Dazu gehört, die Arbeitszeit individuell an den Bedürfnissen zu orientieren. Aber auch die Entlastung von Abrechnungs- oder anderen bürokratischen Aufgaben. „Wir sind ein Unternehmen an fünf Orten mit einer gemeinsamen Abrechnung, gemeinsamen Personalmanagement.“ Wenn Ärzte das finanzielle Risiko nicht tragen wollen, können sie als Angestellte arbeiten. Auch die Zusammenarbeit untereinander sei wichtig.

Dr. Gebhard Pfaff erläutert das Regiodocs-Konzept.

Das Modell erlaube erweiterte Sprechzeiten für die Patienten und eine offene Praxis das ganze Jahr über. Im Grunde machten sie nur das, was andere Freiberufler wie Architekten und Rechtsanwälte schon länger praktizierten.

Minister Lucha, selbst gelernter Krankenpfleger, nannte die Regiodocs ein „Vorzeigemodell“ und „Blaupause“ für andere. Er  fragte nach der Zusammenarbeit mit Pflegediensten und Krankenhäusern. Pfaff wünschte sich mehr Möglichkeiten des digitalen Austauschs. Auch die Zusammenarbeit mit den Fachärzten sei oft noch ein Problem, weil die Kommunikation zu schwerfällig sei.

Pflegedienste leiden unter Personalmangel

Bei den Pflegediensten sei es oft so, dass die Pflegekräfte ganz pragmatisch per Whatsapp ein Bild eines Patienten schickten und die Ärzte entscheiden, wie dringend ein Haus- oder Praxisbesuch wäre. Gravierender sei das Nachwuchsproblem im Pflegedienst. Lucha hofft, dass die neue Ausbildung in den Pflegeberufen zu mehr Auszubildenden führen wird. Auch sollten Krankenhäuser und Ärzte „denselben Datenzugriff auf Patientenunterlagen bekommen, um Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden“.

Dr. Pfaff erinnerte noch an die Bedeutung der Landapotheken, die es zu erhalten gelte – da mahnte Landrat Michel zum Aufbruch. Luchas Fazit: „Sie zeigen, wie es gelingen kann, die ärztliche Versorgung zu sichern.“ Sein Besuch habe auch dazu gedient, um herauszufinden, was die Politik tun muss, um die Rahmenbedingungen für fortschrittliche Modelle wie die Regiodocs zu verbessern.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 25. Januar 2018 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/regiodocs-blaupause-fuer-andere/192993