NRWZ.de, 26. April 2022, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Römischer Fluch aus fast vergessenen Tagen

Geplante Ausstellung in Waldmössingen will das römische Leben zeigen / OB Eisenlohr: „Ich freue mich“

Schramberg (pm) – Ganz schön grantig im Privatleben konnten auch schon die alten Römer sein, das beweist bald eine neue Ausstellung im Kastellturm Waldmössingen. Im Mittelpunkt soll zukünftig die Kopie einer Fluchtafel stehen, die einen interessanten Einblick in das Leben der Menschen vor beinahe 2000 Jahren gibt.

Eine Impulsausstellung sei bereits für dieses Jahr geplant. Daraus soll dann im kommenden Jahr ein größeres Projekt entstehen. Das berichtet die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es:

„Das Römerkastell ist ein Teil der Identität Waldmössingens, ein Erbe aus der Vergangenheit. Ich freue mich sehr, dass dort wieder eine Ausstellung zu sehen sein wird“, sagt Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. „Dass es einen ersten Impuls dafür im Jubiläumsjahr gibt, ist  natürlich besonders schön.“ 2022 feiert Schramberg 50 Jahre Große Kreisstadt und damit auch 50 Jahre Eingemeindung Waldmössingens.

Neu entdeckte Funde

Erstmals gezeigte Fundstücke aus den Grabungen der letzten Jahre, ausgeliehen von der Außenstelle Rottweil des Landesamtes für Denkmalpflege, werden die Fluchtafel umrahmen. Bisher wurden in Deutschland nur wenige solche Zeugnisse des damaligen Aberglaubens entdeckt.

Bereits vorhandene Vitrinen werden hierfür genutzt und im Kastellturm aufgestellt. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Schramberg wird die Impulsausstellung zunächst die mehr als 125-jährige Grabungsgeschichte in Waldmössingen in Erinnerung rufen.

Familienfreundliche Ausstellung

Die Idee, in dem 1976/80 rekonstruierten Kastellturm wieder Fundstücke mit einer familienfreundlichen, zeitgemäßen Ausstellung zu präsentieren, hatte Ortsvorsteher Reiner Ullrich. Er hat den Kontakt zum Archäologischen Landesmuseum und zum Landesamt für Denkmalpflege gesucht und die dortigen Mitarbeiter für sein Vorhaben begeistern können.

Dr. Martin Kemkes vom Archäologischen Landesmuseum und Dr. Klaus Kortüm sowie Dr. Christian Wulfmeier vom Landesamt für Denkmalpflege steuern gerne ihre Expertise und Objekte bei. Tatsächlich wird die Ausstellung etwas Besonderes werden. Die römische Geschichte in Waldmössingen soll illustriert, voraussichtlich in Form eines unterhaltsamen Comics, dargestellt werden.

Gnata sauer auf Dieb

„Besonders stolz sind wir darauf, dass wir die originalgetreue Nachbildung des seltenen Fluchtäfelchens zeigen können, das 1979 gefunden wurde“, sagt Ortsvorsteher Reiner Ullrich. In der Zeit der römischen Besiedlung von etwa 73/74 bis etwa 260 nach Christus machte eine Frau Namens Gnata ihrem Frust über den Verlust einer Fibel (Brosche) mit Hilfe der kleinen Tafel Luft. Sie wünschte dem Dieb unter Anrufung der Götter der Unterwelt möglichst viel Schlechtes.

„Die nach ihrem Namen offenbar keltische Frau hätte sich vermutlich nie träumen lassen, dass sie mit ihrem Fluch Waldmössingen und der Nachwelt die erste namentliche Erwähnung einer Einwohnerin beschert“, ergänzt Museumsleiter und Stadtarchivar Carsten Kohlmann.

Die Fibel ist dem Original nachempfunden und kann in der Ortsverwaltung Waldmössingen erworben werden. Foto: Sabine Felker-Henn

Fibelnachbildung in der Ortsverwaltung

Darüber hinaus hat die Ortsverwaltung schon vor einigen Jahren die Nachbildung einer Fibel herstellen lassen, die über die Ortsverwaltung verkauft wird. So eine Fibel diente damals als Klammer und Schmuckstück zugleich an den Gewändern. Die Fibel gibt’s in der Ortsverwaltung Waldmössingen für 63,30 Euro je Stück zu kaufen.

Info: Waldmössingen lag in der Römerzeit an einer bedeutenden Straße zwischen Straßburg und Rottweil, die man teilweise bis heute noch auf der Hochfläche des Schwarzwaldvorlandes im Gelände sehen kann. Mehrere Kastelle sicherten diese Strecke, so auch auf dem Schafbühl in Waldmössingen mit seiner schönen Aussichtslage. Noch heute werden bei Erdarbeiten Scherben und andere Überbleibsel aus der damaligen Zeit gefunden. Mehrere Ortsteile gelten deshalb auch als archäologisches Schutzgebiet.

Römischer Fluch aus fast vergessenen Tagen