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Schramberg: 200. Geburtstag von Erhard Junghans am Neujahrstag

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Schramberg. Mit dem Neujahrstag beginnt  die Erinnerung an den 200. Geburtstag von Erhard Junghans. Dem Pionier des Zeitalters der Industrialisierung ist eine neue Postkarte des Stadtarchivs und Stadtmuseums gewidmet.

Baden-Württemberg ist im 21. Jahrhundert durch technologische Spitzenleistungen auf vielen Gebieten einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Wirtschaftsräume der Welt. Das historische Fundament für die heutige Position wurde im Zeitalter der Industrialisierung durch Pioniere wie Erhard Junghans (1823-1870) in Schramberg geschaffen, den legendären Gründer der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans, aus der die bis heute bestehenden Nachfolgefirmen Uhrenfabrik Junghans und Junghans Microtec hervorgingen.

Sein 200. Geburtstag gibt Anlass, sich seiner großen historischen Leistung neu bewusst zu werden, der Schramberg als Industriestadt bis heute sehr viel zu verdanken hat. Aus diesem Grund ehrte ihn seine Heimatstadt bereits auf dem Höhepunkt ihrer Blüte im Zeitalter der Industrialisierung mit einem Brunnen auf dem Rathausplatz.

Im Jahr 2014 wurde zuletzt ein neu gebildeter Schulverband aus Grund-, Haupt- und Realschule nach ihm benannt, mit dem ein großes Zukunftsprojekt verbunden ist („Schulcampus“). Zum Auftakt des Gedenkjahres war ihm und seiner Ehefrau Luise Dorothea Junghans (1821-1910) auch die Weihnachts- und Neujahrskarte von Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr mit einer Zeichnung des Graphikers und Illustrators Uwe Rettkowski gewidmet.

Start mit Steingut und Strohhüten

Erhard Junghans arbeitete zunächst wie sein Vater Nikolaus Junghans (1784-1845) in der Steingutfabrik, mit der 1820 das Zeitalter der Industrialisierung in Schramberg begonnen hatte. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde von der 1848 gegründeten Centralstelle für Gewerbe und Handel des Königreichs Württemberg unter der Leitung von Ferdinand von Steinbeis (1809-1893) modellhaft gefördert, um die Perspektiven des Marktfleckens Schramberg zu verbessern, der im äußersten Südwesten des Königreichs Württemberg in schwieriger Grenzlage fast vollständig vom Großherzogtum Baden umgeben war. Im Rückblick erweist sich Schramberg als beeindruckendes Musterbeispiel für den Erfolg der damaligen Wirtschaftsförderung.

1834 entstand als zweites Unternehmen eine Armenbeschäftigungsanstalt zur Produktion von Strohhüten und -taschen, mehrfach unterstützt durch die Centralstelle für Gewerbe und Handel. Der Geschäftsführer Johannes Tobler (1785-1855) aus Zürich entdeckte Erhard Junghans für dieses Unternehmen und bildete ihn als Kaufmann aus.

1845 verheiratete er sich mit der Tochter Dorothea Tobler und stieg zum Mitinhaber auf. Durch seine Geschäftsreisen in viele europäische Länder, die Familie seiner Frau in der Schweiz und seine Brüder Joseph Anton Junghans (1820-1888) und Franz Xaver Junghans (1820-1900) in den USA hatte Erhard Junghans einen außergewöhnlich weiten Horizont und ein großes Netzwerk.

Uhrenindustrie in Amerika

Von Ferdinand von Steinbeis erhielt er auch die Anregung, sich mit der modernen Uhrenindustrie in den USA zu beschäftigten, um das von dort bedrohte Uhrmacherhandwerk im Schwarzwald zu retten. 1861 gründete er mit seinem Schwager Jakob Christoph Zeller (1814-1884) aus Zürich im Lauterbachtal eine Ölmühle, aus der sich aber schon bald unter zeitweiliger Mitwirkung seines Bruders Xaver Junghans „nach amerikanischem System“ die Uhrenfabrik Gebrüder Junghans entwickelte, die unter der Führung zunächst seiner Witwe Luise Junghans und später seiner Söhne Erhard Junghans (1849-1923) und Arthur Junghans (1852-1920) wie ein Komet zur größten Uhrenfabrik der Welt aufstieg.

Als Pionier im Technologietransfer aus den USA nach Europa hatte das Unternehmen im modernen Maschinenbau eine Leitfunktion für die gesamte deutsche Industrie. Durch die Anwerbung des Zugfedernspezialisten Jakob Thomann aus der Schweiz wurde Erhard Junghans auch zum Gründer der bis heute für Schramberg durch die Firmengruppe Kern-Liebers wichtigen Federnindustrie. Damit schuf der Pionier des Zeitalters der Industrialisierung einen Mythos, der bis heute die „Marke Schramberg“ prägt.

Wenige Porträts erhalten

Von Erhard Junghans sind nur wenige Bilder überliefert, da er in der Frühzeit der Fotografie lebte. Eines der wenigen Porträts stammt von Carl Faist (1839-1918), der 1865 in Schramberg eines der ersten Fotogeschäfte im Schwarzwald eröffnete.

Das Foto diente dem Kunstmaler Egidius März (1832-1895), dem ersten bekannten „Uhrendesigner“ der jungen Uhrenfabrik Gebrüder Junghans, als Vorlage für ein Gemälde, das im Jahr 2011 von Renate Junghans in Stuttgart dem Stadtarchiv Schramberg geschenkt wurde. Das eindrucksvolle Porträt wurde von Egidius März offenbar postum zur Erinnerung an den früh verstorbenen Firmengründer gemalt. Zu seinem 200. Geburtstag wird es in die Serie „Postkarten des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg“ aufgenommen.

Info: Die neue Postkarte zum 200. Geburtstag von Erhard Junghans ist ab 3. Januar 2023 im Stadtmuseum Schramberg erhältlich (Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr).

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