Schramberg bleibt der Hauptsitz

OB und Wirtschaftsfördereer zu Besuch in der Schwarzwald Augenklinik

SCHRAMBERG – Die Schwarzwald-Augenklinik hat im vergangenen Jahrzehnt einen großen Aufschwung erlebt. Dank neuer gesetzlicher Bestimmungen verfügt die Klinik inzwischen über acht Betriebsstätten. Neben  der Hauptklinik in Schramberg arbeiten Augenärzte innerhalb der „überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft“ auch in Emmendingen, Villingen-Schwenningen Donaueschingen, Furtwangen, Rottweil, Freiburg, Haslach und Endingen. Etwa 20 Mediziner und mehr als 100 nichtärztliche Mitarbeiter beschäftigt die Klinik inzwischen.

Bei einem Betriebsbesichtigung von Oberbürgermeister Thomas Herzog und Wirtschaftsförderer Manfred Jungbeck versicherten die beiden Chefs, Dr. Christoph Binder und Dr. Matthias Meyner, der Hauptsitz solle in Schramberg bleiben, trotz der „infrastrukturell nicht so guten Anbindung“. Das sei inzwischen nicht mehr so problematisch, weil die Patienten heute eher bereit seien, für eine qualitativ hochwertige Versorgung weitere Wege in Kauf zu nehmen, so Meyner.

Gelegentlich hörten sie den Vorwurf von Patienten, es sei  schon fast Fließbandarbeit, wie in der Augenklinik gearbeitet werde. Der Vorteil laut Meyner: Die Teams sind eingespielt, jeder Handgriff sitze. Nur so sei auch eine Versorgung im ländlichen Raum möglich. Die Augenheilkunde sei sehr aparatelastig, ergänzt Binder. „Es ist nicht selbstverständlich, dass in allen Praxen diese Geräte vorhanden sind.“ Die hohe Qualität der Ausstattung sorge auch dafür, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte für eine Arbeit in der Augenklinik interessierten. „Das zieht Leute nach Schramberg und erhält die Qualität.“

Der Direktor der Schwarzwald-Augenklinik, Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer, berichtete seinen Gästen von den technischen Problemen: „Von allen Standorten haben wir Standleitungen hier her, das verursacht erhebliche Kosten.“ Der Ausbau eines leistungsfähigen Glasfasernetzes sei für die Datenübertragung entscheidend. In Schramberg sei das kein Problem, bestätigte Dr. Binder, aber nach Villingen-Schwenningen dauere es sehr lange. Herzog bedauerte, dass  die Telekommunikation privatisiert  worden sei. Nun liefen viele unterschiedliche Projekte und Verfahren, die oft nicht aufeinander abgestimmt seien.

Die Schwarzwald- Augenklinik an der Weihergasse. Foto: him

In allen Bereichen beklagten die Mediziner Fachkräftemangel. Bei den Ärzten mache die zunehmende Feminisierung zu schaffen. Ärztinnen wollten Halbtagsjobs und keine Wochenenddienste. Die Zahl der ausgebildeten Orthoptistinnen reiche bei weitem nicht aus, um den kleinen Patienten schnell eine Sehschule anbieten zu können. Inzwischen decke die Klinik  die gesamte Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ab. Auch bei den medizinischen Fachangestellten herrsche großer Mangel und habe man Nachwuchssorgen. Dieses Jahr habe sich noch keine einzige Interessentin gemeldet, so Meyner. Die Gründe liegen in der eher mageren Bezahlung und den manchmal langen Arbeitszeiten.

Durch ein modernes Praxismanagement habe man die Wartezeiten der Patienten deutlich senken können, versichert Dr. Binder. „Die EDV entscheidet, wer wann kommt.“  Akuttermine gebe es aber immer sofort. Allerdings nicht unbedingt direkt an jeder Betriebsstätte.

Schließlich hatte Meyner eine Bitte an die Patienten: man möge doch ein wenig zufriedener sein mit den medizinischen Angeboten hierzulande. Er habe in Norwegen gearbeitet mit großen Entfernungen. Dort seien die Menschen dankbar, wenn sie behandelt würden. „Wenn die Patienten schlecht gelaunt sind, dann wirkt das demotivierend  auf die Mediziner.“ In letzter Konsequenz suchten diese sich eben eine Stelle in einem Land, in dem sie besser aufgenommen würden.

 

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