Das Frei­bad in Ten­nen­bronn muss drin­gend saniert wer­den. Das Gesund­heits­amt hat sich bereits vor zwei Jah­ren kri­tisch geäu­ßert und auch die Pla­nun­gen für den Umbau lau­fen. Doch wohin die Rei­se genau gehen soll, war noch nicht so ganz geklärt. Jetzt hat der Gemein­de­rat mehr­heit­lich ent­schie­den: Das Frei­bad soll im Bestand saniert wer­den. Gemäß dem Antrag der CDU.

Eigent­lich soll­te eine Arbeits­grup­pe auf der Grund­la­ge der von den Pla­nern des Büros Schick und Part­ner vor­ge­leg­ten Ide­en her­aus­ar­bei­ten, wie­viel Frei­bad die Stadt und ihre Bür­ger für höchs­tens 3,4 Mil­lio­nen Euro bekom­men. Übri­gens hat die­ses Büro auch das belieb­te Hal­len­bad „bad­sch­nass“ im Stadt­teil Sul­gen geplant. Die Kos­ten­gren­ze für das Frei­bad hat­te der Gemein­de­rat fest­ge­legt. Nach zwi­schen­zeit­lich drei Sit­zun­gen der Arbeits­grup­pe ging das The­ma am Don­ners­tag wie­der in den Gemeinderat.

Drei Gemein­de­rä­te aus den Rei­hen der CDU, die der Arbeits­grup­pe ange­hö­ren, leg­ten in der jüngs­ten Sit­zung des Aus­schus­ses für Umwelt und Tech­nik des Schram­ber­ger Gemein­de­rats dann ein Papier vor, aus dem her­vor­ging, dass sie mit den bis­he­ri­gen Ergeb­nis­sen nicht zufrie­den sind, son­dern errei­chen wol­len, dass das Bad deut­lich güns­ti­ger saniert wird. 1,5 bis 2,5 Mil­lio­nen Euro soll­ten ihrer Ansicht nach ausreichen.

Dies rief die Frak­ti­ons­ge­mein­schaft SPD/Buntspecht auf den Plan. „Wir sind sehr ver­är­gert über den Antrag der drei CDU-Mit­glie­der, weil er inhalt­lich falsch ist und weil schon wie­der demo­kra­ti­sche Grund­sät­ze über den Hau­fen gewor­fen wer­den“, schreibt Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Tan­ja Wit­kow­ski in einem offe­nen Brief an Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog und alle Gemein­de­rats­mit­glie­der. Tan­ja Wit­kow­ski ver­weist unter ande­rem dar­auf, dass das Pla­nungs­bü­ro Schick und Part­ner mit brei­ter Mehr­heit durch den Gemein­de­rat aus­ge­wählt wur­de. Sie ver­weist auf das Gesund­heits­amt, wonach eine „hygie­nisch ein­wand­freie Bade­was­ser­qua­li­tät nicht sicher­ge­stellt wer­den kann“.

Dies wie­der­um hat den Vor­sit­zen­den der CDU-Gemein­de­rats­frak­ti­on Cle­mens Mau­rer zu einer Reak­ti­on ver­an­lasst. Er wirft der Frak­ti­ons­ge­mein­schaft SPD/Buntspecht vor, einen „erneu­ten ver­ba­len Rund­um­schlag“ zu füh­ren. Gleich­zei­tig legt Mau­rer im Namen sei­ner Frak­ti­on einen Antrag vor, in dem es in der Ein­lei­tung heißt: „Die CDU-Frak­ti­on wird dem Beschluss­vor­schlag der Ver­wal­tung nicht fol­gen und geneh­migt die vor­lie­gen­de Vor­pla­nung für das Frei­bad Ten­nen­bronn nicht.“ Deut­lich macht die CDU, dass sie eine Ver­klei­ne­rung der Was­ser­flä­che ablehnt. Cle­mens Mau­rer befürch­tet ansons­ten ein „kaputt sanier­tes Bad“.

Außer­dem for­dert die CDU einen Sprung­turm und eine Rut­sche. Letz­te­res, näm­lich einen Sprung­turm und eine Rut­sche, for­dert auch die Frak­ti­ons­ge­mein­schaft SPD/Buntspecht.

Uneins waren sich die Frak­tio­nen im Vor­feld der Gemein­de­rats­sit­zung aller­dings über das wei­te­re Vor­ge­hen. Wäh­rend SPD/Buntspecht – auch aus Sor­ge vor einer mög­li­chen amt­lich ver­ord­ne­ten Schlie­ßung des Frei­bads – zügig am aktu­el­len Ver­fah­ren wei­ter arbei­ten wol­len, will die CDU einen Reset.

Geht es nach dem Zeit­plan der CDU, dann soll im Früh­jahr nach der Bäder­be­sich­ti­gung eine neue Vor­pla­nung mit Kos­ten­trans­pa­renz aller erfor­der­li­chen Maß­nah­men vor­ge­stellt wer­den. Die­se Kos­ten­trans­pa­renz ver­misst die CDU-Frak­ti­on im bis­he­ri­gen Ver­fah­ren. Nach der Bäder­be­sich­ti­gung soll eine Bür­ger­infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung anbe­raumt wer­den. Was die Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung anbe­trifft, sind sich die bei­den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den von CDU und SPD/Buntspecht einig. Auch spre­chen sich Cle­mens Mau­rer und Tan­ja Wit­kow­ski im Namen ihrer Frak­tio­nen mit Nach­druck für den Erhalt des städ­ti­schen Frei­bads in Ten­nen­bronn aus. Einig sind sie sich auch dar­in, dass sie ein attrak­ti­ves Frei­bad wollen.

Das Freibad dreht eine weitere Runde

Die Gemeinderatssitzung: Ratsmehrheit hofft mit geringeren Kosten ein attraktives Bad zu schaffen

Wie­viel Frei­bad bekom­men wir für 3,4 Mil­lio­nen Euro? Mit die­ser Fra­ge hat­te der Gemein­de­rat der Stadt Schram­berg das Büro Schick Archi­tek­ten auf die Rei­se geschickt. Beglei­tet wur­de das Büro von einer Arbeits­grup­pe aus Gemein­de­rä­ten, Ort­schafts­rä­ten und Fach­leu­ten. In drei Sit­zun­gen wur­den Fra­gen­ka­ta­lo­ge abge­ar­bei­tet, dis­ku­tiert und 18 von 19 Ein­zel­punk­ten ein­stim­mig beschlos­sen. Nur über beheiz­ba­re Umklei­de­ka­bi­nen am Becken­rand war kei­ne Einig­keit erzielt wor­den. Pro­test gab es kei­nen. Nun hat sich die CDU mit Hil­fe der Frei­en Lis­te durch­ge­setzt, es wird eine wei­te­re Run­de gedreht.

In der Sit­zung des Aus­schus­ses für Umwelt und Tech­nik platz­te die Bom­be: Die drei CDU-Gemein­de­rä­te, die in der Arbeits­grup­pe mit­ge­ar­bei­tet hat­ten, lehn­ten das gesam­te Ergeb­nis ab. Ein Rat aus den Rei­hen der Frei­en Wäh­ler hat­te sich nach eige­nem Bekun­den die gan­ze Zeit über in der Arbeits­grup­pe nicht wohl­ge­fühlt. Auch im Ort­schafts­rat Ten­nen­bronn wur­de Unmut geäu­ßert, obwohl auch von dort Räte die Ten­nen­bron­ner Inter­es­sen in der Arbeits­grup­pe ver­tre­ten hat­ten. Anders bewer­ten dies die drei Ver­tre­ter von SPD/Buntspecht. Über­rascht sind sie von den Aus­sa­gen ihrer Arbeits­grup­pen-Kol­le­gen. Ihrer Mei­nung nach konn­te sich jeder Sit­zungs­teil­neh­mer jeder­zeit mit sei­nen Ide­en und sei­ner Mei­nung ein­brin­gen. Am Schluss jeder Sit­zung wur­de nach­ge­fragt, ob es noch etwas gibt.

Von einer Wal­lung über das Wochen­en­de sprach zunächst OB Tho­mas Her­zog. Die­ses Stich­wort griff dann CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Cle­mens Mau­rer mit Blick auf die in der Pres­se doku­men­tier­te Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen CDU und SPD/Buntspecht auf. Zunächst appel­lier­te er, dass man doch nun in Ruhe das The­ma bera­ten möge, um im nächs­ten Moment davon zu spre­chen, dass die SPD kräf­tig ins Plansch­be­cken gehau­en habe. Sein Frak­ti­ons­kol­le­ge Tho­mas Brant­ner war der Mei­nung, Tan­ja Wit­kow­ski habe das Kli­ma vergiftet.

Hin­ter­grund war, dass Tan­ja Wit­kow­ski in einem offe­nen Brief an den gesam­ten Gemein­de­rat auch das The­ma demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen sowie deren Be- oder Miss­ach­tung ange­spro­chen hat­te. Sie hat­te kri­ti­siert, dass immer wie­der Arbeits­grup­pen ein­ge­setzt wür­den und am Ende deren Ergeb­nis­se nicht respek­tiert wür­den. Auch ver­wies sie dar­auf, dass die 3,4 Mil­lio­nen Euro mit brei­ter Mehr­heit beschlos­sen wur­den. Tan­ja Wit­kow­ski reagiert indes auf Anfra­ge der NRWZ gelas­sen: „Offen­sicht­lich haben wir bei der CDU einen wun­den Punkt erwischt. Da reagie­ren die dann schon mal etwas nervös.“

„Wir wer­den dem Antrag nicht zustim­men“, mach­te Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Udo Neu­deck für die Freie Lis­te mit Blick auf die Gemein­de­rats­vor­la­ge deut­lich. Er beton­te, dass man mit dem Archi­tek­ten­bü­ro beim „Bad­sch­nass“ gute Erfah­run­gen gemacht habe. Aber „offen­sicht­lich die Arbeits­grup­pe ihre Haus­auf­ga­ben nicht gemacht hat oder ste­cken geblie­ben ist“. In der Pla­nungs­grup­pe zum „Bad­sch­nass“ in der er im Gegen­satz zur Frei­bad-Arbeits­grup­pe sel­ber Mit­glied war, sei dies bes­ser gelau­fen. Für sei­ne Frak­ti­on for­der­te Neu­deck, „dass die­ses Schram­ber­ger Frei­bad erhal­ten bleibt, mit allen Attrak­tio­nen, die da sind“. Und wei­ter: „Wenn wir mer­ken, dass 3,4 Mil­lio­nen Euro nicht rei­chen, müs­sen wir an die­ser Stell­schrau­be drehen.“

Für Tan­ja Wit­kow­ski ist die Grö­ße der Was­ser­flä­che „kein Punkt der Attrak­ti­vi­tät“. 25-Meter-Bah­nen sind nach ihren Wor­ten heu­te Stan­dard. Mit Blick auf die CDU-Kri­tik mach­te die SPD/B­unt­specht-Frak­ti­ons­spre­che­rin deut­lich: „Ich kann nicht sehen, dass die Kos­ten nicht trans­pa­rent sind.“ Auch ihr ist die Attrak­ti­vi­tät des Bades wich­tig. So for­dert sie im Namen ihrer Frak­ti­on einen Sprung­be­reich und eine Rut­sche. Mit Blick auf die Arbeits­grup­pe mei­ne sie: „Was soll die­se Dis­kus­si­on? Wozu sit­zen die Leu­te in der Arbeits­grup­pe?“ Und wei­ter: „Das hat­ten wir schon öfter, dass ein Jahr lang in einer Arbeits­grup­pe dis­ku­tiert wird und dann ist alles nichts.“ Sie erin­ner­te dar­an, dass ihre Frak­ti­on bereits bei der Ent­schei­dung zum Kos­ten­rah­men für das Frei­bad vier Mil­lio­nen Euro vor­ge­schla­gen hat­te, „die wohl rea­lis­tisch waren“. Sie warn­te davor, die Arbeits­grup­pe wie­der vor den Kopf zu stoßen.

Auch Vol­ker Lie­ber­mann (ÖDP) mach­te deut­lich, dass die The­men in der Arbeits­grup­pe gemein­sam abge­ar­bei­tet und beschlos­sen wurden.

Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog bat dar­um, dass man sich doch künf­tig früh­zei­tig an ihn wen­den sol­le, wenn man mer­ke, dass man in einer Arbeits­grup­pe unzu­frie­den ist.

Am Ende wur­de der CDU-Antrag bei 17 Ja-Stim­men, acht Nein-Stim­men und einer Ent­hal­tung beschlos­sen. Dem­nach soll das Frei­bad im Bestand, also ent­spre­chend der aktu­el­len Becken­grö­ße, saniert wer­den. Es sol­len schnellst­mög­lich Frei­bä­der besich­tigt wer­den, von der Arbeits­grup­pe wird ein Anfor­de­rungs­ka­ta­log erwar­tet, im Früh­jahr soll eine neue Vor­pla­nung mit Kos­ten­trans­pa­renz aller erfor­der­li­chen Maß­nah­men vor­ge­stellt wer­den. Fest­ge­schrie­ben wur­de auch eine Bürgerinformationsveranstaltung.

Geschei­tert waren SPD/Buntspecht zuvor mit ihrem Geschäfts­ord­nungs­an­trag, zunächst die Fol­gen des CDU-Antrags zu prü­fen, bevor über die­sen abge­stimmt wird. Die Sor­ge bei SPD/Buntspecht ist, dass es zu zeit­li­chen Ver­zö­ge­run­gen kommt, die die Geduld des Gesund­heits­amts über­for­dern und dass die Kos­ten stei­gen. Auch sei nicht geklärt, ob der CDU-Antrag vor­se­he, das Pla­nungs­bü­ro zu behal­ten oder die Zusam­men­ar­beit zu beenden.