5.5 C
Rottweil
Samstag, 7. Dezember 2019
Start Schram­berg Schram­ber­ger Spit­tel: Per­so­nal­sor­gen drü­cken Röcker

Schramberger Spittel: Personalsorgen drücken Röcker

Pfle­ge­sät­ze stei­gen, Aus­schuss stimmt ein­mü­tig zu

-

SCHRAMBERG – Nach drei­ein­halb Jah­ren ohne Erhö­hung wer­den die Pfle­ge­sät­ze im Spit­tel im kom­men­den Jahr um etwa neun Pro­zent ange­ho­ben. Das geht aus dem Wirt­schafts­plan für das Senio­ren­zen­trum her­vor, den Betriebs­lei­ter Albert  Röcker  dem Ver­wal­tungs­aus­schuss (VA) am Don­ners­tag vor­ge­stellt hat.

Röcker ver­wies dar­auf, dass im sel­ben Zeit­raum bei­spiels­wei­se die Löh­ne für das  Per­so­nal um mehr als elf Pro­zent gestie­gen sei­en. Die höhe­ren Ent­gel­te habe er mit den Sozi­al­hil­fe­trä­gern und Pfle­ge­kas­sen Im Okto­ber aus­ge­han­delt. Die Erhö­hung sei nötig, denn er pla­ne für den Betriebs­zweig Pfle­ge­heim 2020 wie­der einen posi­ti­ven Abschluss. Bei der Begeg­nungs­stät­te Spit­tel­treff rech­net Röcker mit etwa 108.000 Euro Ver­lust, die die Stadt aus­glei­chen soll.

Neue Prüfung bringt mehr Bürokratie

Nach­dem der bis­he­ri­ge Pfle­ge-TÜV mit sei­nen unrea­lis­ti­schen Bewer­tun­gen abge­schafft wur­de, wird das neue Pun­k­­te-Sys­­­tem mehr Per­so­nal bin­den, fürch­tet Röcker. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen müss­ten jeden der 124 Bewoh­ner zwei Mal im Jahr scree­nen. Sie müss­ten 98 Daten je Bewoh­ner zur Erfas­sung von Ver­sor­gungs­er­geb­nis­sen erhe­ben und die­se Daten an eine zen­tra­le Clea­ring­stel­le über­mit­teln.

 Je Bewoh­ner rech­ne er mit 90 Minu­ten Auf­wand, das mache zusam­men etwa 186 Stun­den: ”Zeit, die die Fach­kraft am PC ver­bringt und nicht beim Bewoh­ner am Bett.“ Hin­zu kom­me, dass der medi­zi­ni­sche Dienst künf­tig zwei­mal statt bis­her ein­mal pro Jahr zur Qua­li­täts­kon­trol­le kom­me. Auch das bin­de Arbeits­kräf­te.

Personalprobleme wachsen

Es wer­de immer schwie­ri­ger und teu­rer Pfle­ge­per­so­nal zu fin­den. Im Wirt­schafts­plan rech­ne er mit einer Bele­gungs­quo­te von 98 Pro­zent. Das sei aber nur zu schaf­fen, wenn er genü­gend Per­so­nal habe. Er müs­se Bet­ten unbe­legt las­sen, wenn er kein Fach­per­so­nal habe. Der Per­so­nal­schlüs­sel sei mit den Kas­sen ver­ein­bart. In ande­ren Hei­men im Kreis sei es schon gesche­hen, dass Bet­ten unbe­legt blie­ben, weil  Per­so­nal fehl­te. ”Wir sind noch in der Lage, alle erfor­der­li­chen Pfle­ge­stel­len zu beset­zen“, so Röcker. Aller­dings müs­se er immer wie­der teu­re Per­so­nal­agen­tu­ren ein­schal­ten.

Gro­ße Sor­ge macht Röcker nach wie vor die neue, gene­ra­li­sier­te Aus­bil­dung in der Pfle­ge. Kran­ken­pfle­ge­rin­nen, Kin­der­kran­ken­schwes­tern und Alten­pfle­ger wer­den künf­tig zunächst gemein­sam aus­ge­bil­det. In die­sem Jahr hät­ten vier Aus­zu­bil­den­de im Spit­tel ihre Aus­bil­dung begon­nen. Wohl weil dies die letz­te Chan­ce sei, sich nach dem alten Sys­tem aus­bil­den zu las­sen. Es sei nicht klar, ob die Alten­pfle­ge­schu­le in Schram­berg die gene­ra­lis­ti­sche Aus­bil­dung anbie­ten kann. Einen Licht­blick sieht Röcker aller­dings. Die ein­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zur Alten­pfle­ge­hel­fe­rin blei­be. Danach könn­ten die Absol­ven­tin­nen die drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung anhän­gen.

Blockheizkraftwerk wird ausgetauscht

Meh­re­re grö­ße­re Inves­ti­tio­nen sind im Spit­tel geplant. Nach 14 Jah­ren ist das  laut Röcker „sehr sinn­vol­le“ Block­heiz­kraft­werk reif für einen Aus­tausch. Kos­ten etwa eine vier­tel Mil­li­on Euro. Außer­dem geht die Gene­ral­sa­nie­rung der Flach­dä­cher wei­ter. Im Haus selbst möch­te Röcker Sta­ti­ons­zim­mer mit neu­en Medi­ka­men­ten­schrän­ken aus­stat­ten und die EDV erneu­ern. Dafür sind 130.000 Euro ver­an­schlagt Schließ­lich  wür­den wei­te­re Nass­zel­len in den Zim­mern im Haupt­haus saniert. Der Spit­tel­treff blei­be ein Treff­punkt mit kul­tu­rel­len Ange­bo­ten und bei der älte­ren Genera­ti­on in Schram­berg sehr beliebt. Hier sei­en kei­ne grö­ße­ren Ver­än­de­run­gen geplant.

Personalnot beschäftigt Räte

In der Dis­kus­si­on um den laut Stadt­rat Jür­gen Win­ter CDU „erbau­li­chen Bericht“ ging es um die Per­so­nal­fra­ge: „Wie könn­te mög­li­cher­wei­se die Stadt die Attrak­ti­vi­tät des Pfle­ge­be­ru­fes stei­gern“, woll­te Win­ter wis­sen. Röcker mein­te,  wür­de ein Anfangs­ge­halt von 4000 Euro gezahlt, hät­te er „kei­ne Sor­ge, dass unse­re Leu­te in die Indus­trie abwan­dern“. Er hat­te abschre­cken­de Bei­spie­le, mit wel­chen Metho­den die Hei­me sich gegen­sei­tig Mit­ar­bei­te­rin­nen abspens­tig zu machen ver­such­ten: Da wer­de mit einem Ther­mo­mix beim Wech­sel gewor­ben. Mit 10.000 Euro Prä­mie, wenn man beim Wech­sel noch eine Kol­le­gin mit­brin­ge.

Die Dekra-Orga­­ni­­sa­­ti­on ver­mitt­le Fach­kräf­te aus Süd­ost­eu­ro­pa gegen eine Ver­mitt­lungs­ge­bühr von 9000 Euro. Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr ergänz­te, auch aus Viet­nam kämen qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te. Das Pro­blem sei, das immer wie­der sol­che Kräf­te hier abbrä­chen, weil das Heim­weh zu groß wer­de.   

Die Aus­schuss­mit­glie­der haben den Wirt­schafts­plan und die neu­en Ent­gel­te für Unter­kunft, Pfle­ge und Ver­pfle­gung ein­stim­mig dem Gemein­de­rat zur Annah­me emp­foh­len.

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bit­te geben Sie Ihren Kom­men­tar ein!
Bit­te geben Sie hier Ihren Namen ein

- Adver­tis­ment -