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Dienstag, 25. Februar 2020

Schramberger Steingut von 1820 bis 1882

Buchpräsentation und Sprechstunde am Freitag im Stadtmuseum Schramberg

Schramberg. Mit mehreren Ausstellungen, Publikationen und Vorträgen wird 2020 das Jubiläum „200 Jahre Schramberger Majolikafabrik“ gewürdigt. Am Freitagabend wird im Stadtmuseum Schramberg das Buch „Schramberger Steingut 1820 – 1882“ von Andreas Staffhorst der Öffentlichkeit vorgestellt, der zuvor am Nachmittag außerdem eine Sprechstunde für Umdruckgeschirr anbietet.

Mit dem Gründungsjahr 1820 ist der heutige Schramberger Majolika Firmenpark nicht nur das älteste Unternehmen in Schramberg, sondern auch eines der ältesten Unternehmen in Baden-Württemberg überhaupt. Die 1820 von dem Steinguttechniker Isidor Faist aus Nordrach, dem Rechtskandidaten Philipp Johann Isenbiehl aus Oberndorf am Neckar und dem Handelsmann Franz Josef Gottlieb Stolz aus Gengenbach gegründete Steingutfabrik war einer der Pioniere des Zeitalters der Industrialisierung, so dass Schramberg durch diese Gründung stolz darauf sein kann, einer der Geburtsorte der bis heute so erfolgreichen Wirtschaft in Baden-Württemberg zu sein. Auf dem Fundament dieser Gründung entwickelte sich im 19. Jahrhundert in dem vom Marktflecken zur Stadt aufsteigenden Schwarzwaldort auch die Stroh-, Uhren-, Federn- und Möbelindustrie. Das Jubiläum „200 Jahre Schramberger Majolikafabrik“ ist deshalb auch das Jubiläum „200 Jahre Industriestadt Schramberg“.

Umdruckgeschirr, teils fein-weiß, teils porcellaine opaque, der Porzellan- und Steingutfabrik in Schramberg zwischen 1850 und 1880. Foto: Andreas Staffhorst

Das Zeitalter der Industrialisierung begann im 18. Jahrhundert in England. Das von Josiah Wegdewood (1730 – 1795) in England erfundene Steingut war eines der ersten Produkte, das in England und bald auch im heutigen Deutschland, industriell produziert worden ist. Die englische Schriftstellerin Lisbeth Gooch Ségiun schrieb deshalb auch in ihrem Reiseführer „The Black Forest. Its people and legends“ im Jahr 1879: „Schramberg ist ein geschäftiger Industrieort mit großen Keramikfabriken, die riesigen Mengen dicken Schornsteinrauchs in den klaren, blauen Himmel aussenden – ein Anblick, der das englische Auge unweigerlich an die Heimat erinnert.“ Das bekannteste Produkt aus der ersten Phase der Firmengeschichte von 1820 bis 1882 ist das so genannte „Umdruckgeschirr“, das eine große Vielfalt von Porträts, Landschafts- und Stadtansichten sowie Genre- und Literaturmotiven aus dieser Epoche zeigt.

Über viele Jahre hat der Keramiksammler Andreas Staffhorst aus Göppingen/Karlsruhe die Firmen- und Produktgeschichte dieser Epoche erforscht und in einem reich illustrierten Buch zusammengefasst, das zum 200-jährigen Firmenjubiläum als Band 30 in der Schriftenreihe des Stadtarchivs und Stadtmuseums Schramberg erscheint. Das Buch wird am Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr, im Stadtmuseum Schramberg der Öffentlichkeit vorstellt. Für alle Besitzer von „Umdruckgeschirr“ aus der Zeit von 1820 bis 1882, die sich sachkundig beraten lassen wollen, bietet der Autor zuvor von 15 bis 17 Uhr in der Keramikabteilung des Stadtmuseums Schramberg eine Sprechstunde an. Alle Freunde der Industrie- und Stadtgeschichte sind eingeladen. Der Eintritt ist kostenlos.

Info: Das Buch „Schramberger Steingut 1820 – 1882“ ist ab Freitag zum Preis von 29,90 Euro im Stadtmuseum Schramberg erhältlich und kann dort auch bestellt werden, E-Mail: museum@schramberg.de

 

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