SCHRAMBERG (pm) –  Die Roy­als Prinz William und Kate haben eine — über­re­icht von Min­is­ter­präsi­dent Kretschmann. Wladimir Putin erhielt eine von Angela Merkel — natür­lich rot mit weißem Adler. Auch Jogi Löw hat eine — selb­stver­ständlich in schwarz-rot-gold und Star­friseur Udo Walz ließ sich eine Kuck­uck­suhr mit eigen­em Porträt her­stellen — indi­vidu­ell und zeit­gemäß gestal­tet von Con­ny und Ingolf Haas aus Schonach. Typ­isch deutsch.

In ein­er Son­der­ausstel­lung zeigt das Auto- und Uhren­mu­se­um in Schram­berg ab dem 15. Okto­ber  “Black For­est 4.0 — Fam­i­lie Haas die Rev­o­lu­tionäre aus dem Schwarzwald”, die – laut Pressemit­teilung — „wohl schrill­ste Kuck­uck­suhre­nausstel­lung, die je im Schwarzwald gezeigt wurde“.

Bol­len­hut­mäd­chen, Kirschtorte und natür­lich die Kuck­uck­suhr, das seien Sym­bole, die für den Schwarzwald ste­hen, son­dern das Bild von ganz Deutsch­land geprägt haben.

Die Schwarzwal­duhr hat Geschichte geschrieben. Eine Geschichte, die vielle­icht 350 alt ist, ganz genau weiß es heute nie­mand mehr. Damals war die Uhr noch kom­plett aus Holz, selb­st das Uhrw­erk. Der Auf­bau der ersten Uhren war noch sehr ein­fach, da sie nur die Stun­den anzeigten und bere­its nach zwölf Stun­den abge­laufen waren. Doch jede dieser Uhren war let­ztlich ein Unikat.

Kuckucksruhren: Produkt mit Kulturgeschichte

In mühevoller Arbeit haben kleine Schwarzwälder Betriebe im 18. und 19. Jahrhun­dert diese Uhren hergestellt. Häu­fig wur­den sie auch in Heimar­beit pro­duziert,  etwa von Bauern, die sich etwas dazu­ver­di­enen woll­ten. Schon damals war ihnen die arbeit­steilige Pro­duk­tion wichtig. Es gab zu der Zeit schon regel­rechte Spezial­is­ten für Zah­n­räder, für den Kuck­uck, für das Häuschen oder natür­lich für die Uhren­schilder. Das war auch der grund­sät­zliche Unter­schied zu anderen Gegen­den, in denen Uhren ange­fer­tigt wur­den und das gilt bis heute, auch wenn die Holzuhrw­erke längst der Ver­gan­gen­heit ange­hören.

Die Schwarzwal­duhren waren wei­thin begehrt. So ent­stand sehr bald ein Ver­trieb­snet­zw­erk: Zunächst über wan­dernde Händler, den soge­nan­nten Uhren­träger, die mit einem auf dem Rück­en ges­pan­nten Holzgestell, der Krätze, die Uhren zu Fuß in die Welt tru­gen. Bere­its im 18. Jahrhun­dert ent­standen ganze Uhren­händlerkom­panien. So wur­den zwis­chen 1800 und 1850 unge­fähr 15 Mil­lio­nen Kuck­uck­suhren in ganz Europa an den Mann gebracht.

Bald über­nahm eine Gruppe von Großhändlern den Ver­trieb. Sie ver­schick­ten die fer­ti­gen Uhrw­erke und Uhren­schilde kisten­weise an die Händler und Hausier­er im Aus­land. Die unter­schiedlichen Märk­te und Kul­turen hat­ten unter­schiedliche Vorstel­lun­gen und Vor­lieben ein­er Uhr. Aus diesem Grund fer­tigten die Schwarzwälder Uhrma­ch­er unter­schiedliche Uhren­schilder an: Zum Beispiel bevorzugten die Englän­der klare und helle Motive. Die Fran­zosen liebten es bunt und üppig, die Spanier hat­ten gerne schwarzen Rah­men mit Esel- und Stier­mo­tiv­en. Die Russen zogen blaue Uhren vor, der Balkan hat­te eine Vor­liebe für runde Uhren, und für das Osman­is­che Reich mal­ten die Handw­erk­er auch türkische Zif­fern auf. Man sieht, dass die Schwarzwälder Uhren­pro­duk­tion schon damals nur so vor Flex­i­bil­ität strotzte.

Familie Haas — Revolutionäre des Schwarzwalds

In der neuen Son­der­ausstel­lung „Black For­est 4.0 — Fam­i­lie Haas, Rev­o­lu­tionäre des Schwarzwalds“ zeigt das Auto- und Uhren­mu­se­um in Schram­berg wie es aussieht wenn Tra­di­tion und Mod­erne aufeinan­der tre­f­fen — mit einem Blick auf das Schaf­fen der Fam­i­lie Haas.

Das Muse­um­steam ver­sucht dabei dieses neue Schwarzwald-Heimat­ge­fühl einz­u­fan­gen etwa auch mit Bildern der Designer­in und Tochter Seli­na Haas. Sie gehört zu den ersten Fotokün­st­lerin­nen, die den Schwarzwald mit all sein­er Tra­di­tion, Roman­tik und Sym­bo­l­ik in ein völ­lig neues Licht rück­ten und somit Platz für neue Ansicht­en schufen.

Enya Haas, der jüng­ste Spross der Fam­i­lie, Musik­er und Kom­pon­ist, verza­ubert die Gäste mit wun­der­schön­er Klavier­musik. Sein Anliegen ist es den Schwarzwald aufzus­püren, einz­u­fan­gen und ihm ein musikalis­ches Gesicht zu ver­lei­hen. Enya entwick­elte dafür eine neue Klaviertech­nik, die seine Kom­po­si­tio­nen zusät­zlich mit außergewöhn­lichen Klän­gen bere­ichert.

Info: Die Son­der­ausstel­lung wird bis zum Som­mer näch­sten Jahres zu sehen sein.
Die offizielle Eröff­nung ist am Son­ntag, n 15. Okto­ber um 10 Uhr.