SCHRAMBERG  (him) –  Sie ist noch nicht gefal­len: Die „Ent­schei­dung gleich wel­cher Art“ (Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog) zum Schul­cam­pus und zur Schul­ent­wick­lung in Schram­berg lässt auf sich war­ten.

Am Ende einer lan­gen, lei­den­schaft­lich geführ­ten Debat­te vor gro­ßer Zuhö­r­er­ku­lis­se beschloss der Gemein­de­rat mit der äußerst knap­pen Mehr­heit von 13 zu elf Stim­men, sich zu ver­ta­gen. Zu vie­le Fra­gen schie­nen am Don­ners­tag der Mehr­heit noch offen.

OB Her­zog woll­te eigent­lich einen Knopf dran machen, damit die Eltern und die Leh­rer „wis­sen, wo geht‘s hin“. Auch die Bau­ver­wal­tung soll­te erfah­ren, auf wel­che Bau­maß­nah­men sie sich ein­stel­len soll. Doch  es wird noch ein paar Mona­te dau­ern. Ange­sichts eines Nach­denk­pro­zes­ses, der 2008 begon­nen hat, fand die Rats­mehr­heit das ver­schmerz­bar.

Aber der Rei­he nach: Auf Wunsch des Rates hat­te die Ver­wal­tung alle mög­li­chen Vari­an­ten geprüft, wie die Schu­len in Schram­berg neu auf­ge­stellt wer­den kön­nen (die NRWZ berich­te­te https://www.nrwz.de/schramberg/schulentwicklung-ende-des-schulverbunds/175796)

Der Plan der Verwaltung

Fach­be­reichs­lei­ter Bert­hold Kam­me­rer stell­te den Beschluss­vor­schlag vor. Der sah vor, die Real­schu­le im Gebäu­de an der Schil­ler­stra­ße zu belas­sen. Die Gemein­schafts­schu­le (GMS) soll auf den Sul­gen kom­men. Dafür soll ein Neu­bau anstel­le des Werk­raum­pa­vil­lons gebaut wer­den. Und: der Schul­ver­bund von Gemein­schafts­schu­le und Real­schu­le wird auf­ge­löst. Wie es mit der Werk­re­al­schu­le (WRS) wei­ter­ge­hen wird, soll zunächst offen blei­ben.

Widerstand der Pädagogen

Zunächst hat der aus dem Amt schei­den­de Schul­lei­ter der Erhard-Jung­hans-Schu­le, Udo Trost, begrün­det, wes­halb er den Schul­ver­bund für wich­tig hält. Er ist über­zeugt, die Gemein­schafts­schu­le und die Real­schu­le brauch­ten ein­an­der. „In fünf Jah­ren ist die Gemein­schafts­schu­le auf dem Sul­gen kaputt.“ Sie schwäch­le bei den Schü­ler­zah­len schon heu­te. Die eigent­lich not­wen­di­gen 40 Schü­ler pro Jahr­gang habe sie nur ein­mal erreicht.

70 Pro­zent der Schü­ler kämen vom Tal oder Lau­ter­bach. Ein Gut­teil die­ser Schü­ler wer­de bei der Real­schu­le im Tal blei­ben. Ande­re wech­sel­ten nach Dun­nin­gen. „Eine so klei­ne Schu­le ist nicht attrak­tiv.“ Trost erin­ner­te dar­an, wes­halb die Debat­te eigent­lich begann: „Der Schul­stand­ort Schram­berg soll­te attrak­ti­ver gemacht wer­den.“ Der Vor­schlag der Ver­wal­tung sei „ein Tief­punkt“.  Es gehe dar­um, den Schul­ver­bund in einem Gebäu­de unter­zu­brin­gen. „Sul­gen oder Tal ist uns egal.“

Ger­hard Nöh­re, der geschäfts­füh­ren­de Schul­lei­ter und Rek­tor der Grund- und Werk­re­al­schu­le (GRWS) Sul­gen, pflich­te­te Trost bei: Auch er möch­te einen Stand­ort geschaf­fen haben. Er berich­te­te, dass die Schü­ler­zah­len an der Werk­re­al­schu­le stie­gen. Nicht in den Ein­gangs­klas­sen aber ab Klas­se 7. „Wir haben da schon Schü­ler abwei­sen müs­sen, weil Leh­rer feh­len.“

Die Debatte: leidenschaftlich, kontrovers, aber immer sachlich

Cle­mens Mau­rer signa­li­sier­te für die CDU-Frak­ti­on grund­sätz­li­che Zustim­mung zum Ver­wal­tungs­vor­schlag. Schul­ent­wick­lung sei „ein kom­ple­xes The­ma“. Er mahn­te, Schul­ent­wick­lung nicht ohne Stadt­ent­wick­lung und die finan­zi­el­le Lage der Stadt zu betrach­ten. Sei­ne Frak­ti­on habe sich vom Schul­ver­bund mehr erhofft. Der Vor­schlag stär­ke die Real­schu­le und die Werk­re­al­schu­le mit der Gemein­schafts­schu­le auf dem Sul­gen.

Har­te Wor­te fand Tan­ja Wit­kow­ski anschlie­ßend für den Ver­wal­tungs­vor­schlag. Die Spre­che­rin von SPD-Bunt­specht nann­te den Vor­schlag, den Schul­ver­bund auf­zu­lö­sen, „leicht­fer­tig, unüber­legt und ohne aktu­el­le Not­wen­dig­keit“. So käme man wie­der am Aus­gangs­punkt nach acht Jah­ren Schul­ent­wick­lung an.

Betrach­te man die Beschluss­vor­la­ge, müs­se man bilan­zie­ren, „dass wir den Exper­ten und Spe­zia­lis­ten nicht zuge­hört haben und die Mei­nung all die­ser Bil­dungs­ex­per­ten offen­bar nichts wert war.“ Nach Ansicht ihrer Frak­ti­on sei  der Stand­ort Sul­gen für den Schul­ver­bund der rich­ti­ge. Die Werk­re­al­schu­le sol­le in die Schil­ler­stra­ße ins Tal kom­men.

Der Spre­cher der Frei­en Lis­te, Udo Neu­deck warb für den Ver­wal­tungs­vor­schlag. Er woll­te aber die Mög­lich­keit offen las­sen, die Real­schu­le eines Tages in der Graf-von-Bis­sin­gen Stra­ße in einem dann sanier­ten Gebäu­de unter­zu­brin­gen.

Sein Frak­ti­ons­kol­le­ge Ralf Rück­ert, der selbst 25 Jah­re als Leh­rer an der Schu­le unter­rich­tet hat­te, for­der­ten, dass alle Schu­len der Sekun­dar­stu­fe I, außer dem Gym­na­si­um, auf einem Cam­pus zusam­men­ge­fasst wer­den müss­ten. Auf dem Sul­gen oder auf einem neu zu schaf­fen­den klei­nen Cam­pus an der Graf-von-Bis­sin­gen-Stra­ße, sei zu prü­fen. Er hielt die Auf­lö­sung des Schul­ver­bun­des aus päd­ago­gi­schen Grün­den für falsch. Er riet, „noch eine Schlei­fe zu dre­hen“ und zu prü­fen, ob und zu wel­chen Kos­ten ein sol­cher Cam­pus im Tal mach­bar wäre.

Bernd Rich­ter (ÖDP) pflich­te­te ihm bei, man sol­le bei einer sol­chen Ent­schei­dung „nicht nur auf die Gebäu­de schau­en“. Tho­mas Brant­ner (CDU) wand­te sich eben­falls gegen die Auf­lö­sung des Schul­ver­bunds. „Wir müs­sen aber stär­ker her­aus­stel­len, dass wir eine eigen­stän­di­ge Real­schu­le haben.“

Gesprächsbedarf zur Schulentwicklung

Nach einer Sit­zungs­un­ter­bre­chung, in der die Frak­tio­nen intern berat­schlag­ten, stell­te Rück­ert den Ver­ta­gungs­an­trag, den die Räte mit knap­per Mehr­heit annah­men. Nun wird die Ver­wal­tung über die Som­mer­pau­se die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen auf­ar­bei­ten und dem Rat im Herbst einen wei­te­ren Vor­schlag unter­brei­ten. Ob dann Eltern, Leh­rer und Ver­wal­tung wis­sen, wo es hin­geht?