„Söder erhöre uns“

„Söder erhöre uns“

Gegen 10.30 Uhr versammelten am Samstag sich etwa 30 Leute auf dem Parkplatz beim Schramberger Gymnasium. Nach den Autokennzeichen zu schließen, waren etliche auch von weiter her nach Schramberg gekommen.

Sie zogen ihre weißen Overalls an, setzten sich Guy Fawkes-Masken auf. Drei Gestalten waren in schwarze Gewänder gehüllt und trugen eine Schnabelmaske. Einer hatte einen Stab mit einer Mausefalle. Alles lief routiniert ab. Es war wohl nicht das erste Mal, dass diese Gruppe diese „künstlerische Darbietung“ zum Besten gab. Die Polizei war mit einer kleinen Gruppe vor Ort, um sie durch die Stadt zu begleiten und die Straßen zu sperren. Aus einer Lautsprecherbox auf einem mitgeführten Wägelchen kamen dumpfe Trommelschläge, manchmal begleitet von einem Sprechgesang, der an die Fürbitten in christlichen Kirchen erinnerte: „Drosten erhöre uns, Söder erhöre uns, Merkel erhöre uns….“

„Booom, booom, Söder erhöre uns…“

In einem langsamen schwankenden Gleichschrittgang zog die Gruppe gegen 11 Uhr dann  am Schnelltestzentrum und Narrenbrunnen vorbei durch die Fußgängerzone ums Rathaus und wieder zurück. Unterwegs schlossen sich noch etwa ein Dutzend nicht kostümierte Coronamaßnahmengegner an.

Reaktionen

Verwundert betrachtet von Samstagseinkäuferinnen und Einkäufern in der Stadt. Kinder amüsierten sich, manche erschreckten vor den schwarzen Gestalten. Die Kommentare der Erwachsenen waren deutlich unfreundlicher, manches nicht zitierfähig. Die milderen lauteten etwa: “Die kommen von weiß woher?“- „Was wollen sie damit erreichen, davon wird nichts gut.“ – „Was mich besonders ärgert: ‚Querdenken‘ war mal ein positiver Begriff. Das wird von denen kaputt gemacht!“ – „Wenn man mitbekommt, was in Tennenbronn passiert ist, sollten die sich schämen.“

„Essen fassen“

Nach einem etwa einstündigen Zug durch die Stadt Rückkehr am Gymnasium: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beklatschten sich selbst, fröhliche Stimmung.  Die laut Ankündigung „devote und hörige Gefolgschaft“ durfte wieder aus den Overalls schlüpfen. Doch der Tag war noch nicht vorbei: Für den Nachmittag kündigte der Veranstalter an, die Masken dürften sie bei der Demo nicht vor dem Gesicht, sondern nur  am Hinterkopf tragen, da die Stadt für die Demonstration Maskenpflicht angeordnet habe. Unwilliges Gemurmel.

Fröhliche Stimmung nach der „künstlerischen Darbietung“.

Einige Teilnehmer warfen dem NRWZ-Berichterstatter vor, er schreibe diffamierende Artikel über sie. Gefragt, an welchen Stellen sie sich diffamiert fühlten, kamen Antworten wie: „Ich lerne die Artikel doch nicht auswendig“ oder: „Das wissen Sie schon selbst.“ Das Angebot, solche Stellen per E-Mail nachzureichen, blieb unbeantwortet.

Schließlich der Ruf des Veranstalters: „Essen fassen an meinem Auto.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 18. April 2021 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/schramberg/soeder-erhoere-uns/305136