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Mittwoch, 26. Februar 2020

Sprache und Politik

Professor Rüdiger Görner diskutierte mit Schülern am Schramberger Gymnasium / "Aufgeweckte Schülerschaft"

Über die Bedeutung von Sprache gerade auch in politischen Zusammenhängen diskutierte der in London lehrende Literaturprofessor Rüdiger Görner mit Schülerinnen und Schülern des 11. und 12. Jahrgangs des Gymnasiums Schramberg. Görner hatte am Mittwochabend aus Anlass des Holocaustgedenktages im Schramberger Schloss einen Vortrag gehalten.

Über seinen Vormittag mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten berichtet die Schule, Görner sei es darum gegangen, den Schülern zu verdeutlichen, wie wichtig ein kritisches Sprachbewusstsein sei. Weiter schreibt die Schule:

Welche Wirkung ein einzelner Begriff entfalten kann, erläuterte Görner am Beispiel des Wortes „Brexit“. Der Erfolg, den die Anhänger des Brexit erzielt hätten, sei auch der Erfolg des Begriffs „Brexit“ selber gewesen. Er habe sich als ein Schlagwort erwiesen, das eine ungeahnte Sogwirkung erzielt habe, insofern mit ihm der Eindruck verbunden worden sei, der Brexit führe zu einer Art Befreiung der Briten aus den Fesseln der EU.

An weiteren Beispielen zeigte Görner, wie Begriffe sich in ihrer politischen Bedeutung verändern könnten. Mit Blick auf die deutsche Sprache verwies er unter anderem auf die Begriffe „Held“ und „Führer“, die nach der nationalsozialistischen Diktatur nicht mehr unverkrampft hätten benutzt werden können. Demgegenüber sei es im angloamerikanischen Sprachraum unproblematisch, von einem „hero“ oder einem „leader“ zu sprechen, und dies auch in politischen Zusammenhängen.

Sprache kann verharmlosen

Wie mithilfe von einzelnen Begriffen Sachverhalte verharmlost und umgedeutet werden, verdeutlichte Görner anhand der Sprache heutiger Nationalisten. Daher sei eine kritische Auseinandersetzung mit der Sprache notwendig. An die Schülerinnen und Schüler appellierte Görner, der selber am Gymnasium Schramberg sein Abitur abgelegt hat, wachsam in einem politischen wie in einem sprachlichen Sinne zu sein, um der Gefahr manipuliert zu werden möglichst zu entgehen.

Die Diskussion mit Professor Görner fand im Rahmen des Geschichtsunterrichts statt. Angeregt hatte sie der Leiter des Stadtarchivs, Carsten Kohlmann, als Bildungspartner des Gymnasiums. Görner berichtet der NRWZ, der Vormittag im Gymnasium sei „höchst erfreulich“ gewesen und lobt: „Eine sehr aufgeweckte Schülerschaft.“

Info: Das Fach Geschichte präsentiert sich interessierten Besucherinnen und Besuchern am 7. März im Rahmen des Tags der offenen Tür, mit dem das Gymnasium Schüler der vierten Grundschulklassen und deren Eltern umfassend über sich informieren möchte.

 

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