Taubblindenexperte David Brown aus den USA (rechts) referierte beim CHARGE-Treffen Baden-Württemberg in Heiligenbronn über Voraussetzungen für gelingende Inklusion, von Gunther Meyer-Reinhard (links) live ins Deutsche übertragen. Foto: Graf/Stiftung St. Franziskus

HEILIGENBRONN (pm) – Zum fünf­ten CHAR­GE-Tref­fen für Baden-Würt­tem­berg lud die Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn betrof­fe­ne Fami­li­en in Baden-Würt­tem­berg ein. Der Gast­re­fe­rent, der inter­na­tio­nal gefrag­te Taub­blin­den-Exper­te David Brown aus den USA, sprach über die Bedin­gun­gen von Inklu­si­on für die­se Kin­der und Jugend­li­chen.

Kin­der und Jugend­li­che mit CHAR­GE-Syn­drom sind hör­seh­be­hin­dert und haben wei­te­re Pro­ble­me zum Bei­spiel mit der Atmung, dem Schlu­cken, dem Essen und Trin­ken. Wie Direk­tor Diet­mar Ste­phan vom SBBZ Sehen bei der Begrü­ßung zum CHAR­GE-Tref­fen aus­führ­te, wer­den von der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn zehn Kin­der mit CHAR­GE-Syn­drom in der Schu­le betreut und wei­te­re 19 über die Bera­tungs­stel­le für Kin­der und Jugend­li­che mit Taub­blind­heit in ganz Baden-Würt­tem­berg.

Wäh­rend die Kin­der unter den rund 100 Teil­neh­mern Spiel­mög­lich­kei­ten in den Klas­sen­zim­mern oder im Frei­en fan­den, hör­ten die Erwach­se­nen den Vor­trag von David Brown. Er berich­te­te von Schü­lern mit CHAR­GE-Syn­drom, die erfolg­reich auf eine Regel­schu­le gegan­gen sind, aber auch von Kin­dern, die einen guten Abschluss an einer Son­der­schu­le gemacht haben.

Hilft Inklusion?

Die Kin­der sei­en so indi­vi­du­ell und unter­schied­lich, dass sie in jedem schu­li­schen Kon­text „etwas Inklu­si­on“ benö­tig­ten, resü­mier­te Brown. CHAR­GE-Kin­der hät­ten jedoch gro­ße Fähig­kei­ten gezeigt, die auf­tau­chen­den Hin­der­nis­se in der Inklu­si­on mit fach­li­cher Unter­stüt­zung zu über­win­den.

Aus Sicht von David Brown sei für Kin­der mit die­sem mul­ti­plen Syn­drom die Taub­blin­den­päd­ago­gik für sie am hilf­reichs­ten. Brown ging auf Vor­aus­set­zun­gen für die schu­li­sche Inklu­si­on für CHAR­GE-Kin­der ein und for­der­te ein mul­ti­dis­zi­pli­nä­res Team auch mit Ergo- und Phy­sio­the­ra­peu­ten.

Eine ange­pass­te Lern­um­ge­bung sei für die­se Kin­der wich­tig. In der Kom­mu­ni­ka­ti­on soll­ten ver­schie­de­ne Wege ange­bo­ten wer­den wie etwa Schrift, Gebär­den, Punkt­schrift oder rea­le Gegen­stän­de. Auch ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Gesund­heit und Bil­dungs­an­for­de­run­gen im Schul­all­tag sei wesent­lich. Brown zeig­te ver­schie­de­ne hilf­rei­che Metho­den auf wie einen abge­schirm­ten Ein­zel­ar­beits­platz.

Erfahrungen der Eltern

Fra­gen der Eltern konn­ten mit David Brown auch in Ein­zel­ge­sprä­chen bespro­chen wer­den. Am Nach­mit­tag wur­de das The­ma „Inklu­si­on“ in einer Gesprächs­run­de von unter­schied­li­chen Sei­ten beleuch­tet: Der selbst­be­trof­fe­ne Chris­ti­an Paw­lak berich­te­te von sei­ner erfolg­rei­chen Inklu­si­on ins Berufs­le­ben. Frau Schmidt aus Alb­stadt zeig­te posi­ti­ve Fak­to­ren wie auch Stol­per­stei­ne der Inte­gra­ti­on ihrer Toch­ter in Kin­der­gar­ten und Schu­le auf. Die­ser Erfah­rungs­be­richt wur­de ergänzt durch die Schil­de­run­gen des ehe­ma­li­gen Klas­sen­leh­rers sowie der Son­der­schul­päd­ago­gin Astrid Borck, die das Mäd­chen im Rah­men der Früh­för­de­rung und des Son­der­päd­ago­gi­schen Diens­tes unter­stützt hat­te.

Wie bei jedem CHAR­GE-Tref­fen nutz­ten die Eltern die Mög­lich­kei­ten, unter­ein­an­der und mit dem Fach­per­so­nal aus Schu­le und Bera­tungs­stel­le in einen sehr regen Aus­tausch zu kom­men. Kom­men­tar einer Mut­ter nach die­sem Tag: „Ich habe mich wie ein ‚Staub­sauger‘ gefühlt, denn ich habe ver­sucht‚ alles auf­zu­sau­gen.“