NRWZ.de, 18. August 2022, Autor/Quelle: Gastbeitrag

Tennenbronner Vereinigung: Warum nicht schon früher?

Aus der Reihe „Geschichtsspuren unserer Heimat“ / Beitrag von Alfred Moosmann

Das 100-jährige Jubiläum der Vereinigung von Evangelisch und Katholisch Tennenbronn im Jahr 1922 wurde in den vergangenen Wochen bereits gebührend gefeiert. Ein Festabend wurde organisiert, ein neues Buch zur Tennenbronner Geschichte wurde vorgestellt, Ansprachen wurden gehalten.

Bei all dem aber, was über die Tennenbronner Geschichte zur Sprache kam, blieb eine Frage unbeantwortet: Warum kam die Vereinigung Tennenbronns erst 1922 zustande und nicht schon hundert Jahre früher?

Kein Jubel – warum?

Es müssten doch 1810 in Tennenbronn Jubelgesänge angestimmt worden sein, als bekannt wurde, dass der bis dahin in viele Stücke geteilte und verschiedenen Herrschaften zugeordnete Stab Tennenbronn als Ganzes dem Großherzogtum Baden eingegliedert werden solle. Bedeutete dies doch, dass mit Großherzog Karl-Friedrich fortan alle Tennenbronner einen neutralen gemeinsamen Landesvater haben würden – sowohl aus der Sicht der württembergischen wie auch der ehemals schrambergischen Stabsangehörigen.

Noch dazu einen, der in ganz Deutschland als human und fortschrittlich galt. Viel von dem, was bis dahin das Zusammenleben der Menschen in der Region erschwerte, würde wegfallen. Hinderliche Zollschranken würden beseitigt, auch die unterschiedlichen Geldwährungen, die unterschiedlichen Maßeinheiten, auch viele bürgerliche Gesetze, die bis dahin ein freies und gleichberechtigtes Miteinander der Menschen in der Region behinderten.

Was war der Grund, dass Tennenbronn die Gelegenheit damals nicht nutzte, um sich zu einer Gemeinde zusammen zu schließen? War es die Tatsache, dass der eine Teil der Bevölkerung evangelisch, der andere katholisch war? Auch wenn dies immer wieder als Begründung angegeben wird, nein, das war es nicht.

War es, wie manche meinen, weil die badische Verwaltung das nicht wünschte? Nein, es waren die Tennenbronner selber, die das nicht gewollt haben.

Nicht die verschiedene Konfessionszugehörigkeit war der ausschlaggebende Faktor, es war die Vergangenheit in einem der alten Stäbe hornbergisch oder schrambergisch Tennenbronn.

 

Die langjährige Zugehörigkeit zu Württemberg und Schramberg hatte im Laufe der Zeit unterschiedliche Identitäten hervorgebracht, die nicht auf Kommando zusammenpassten. Nicht zu vergessen, in den Jahren vor 1810, der Zeit der napoleonischen Kriege, stand der eine Teil der Einwohner Tennenbronns mit Württemberg an der Seite Napoleons im Krieg gegen Österreich. Der andere Teil kämpfte mit Österreich gegen diesen. Es herrschte eine Art Kriegszustand zwischen den beiden Blöcken. Kein Wunder, dass man nicht begierig war, künftig in einer Gemeinschaft zu leben.

Dass dies so war zeigt sich dadurch, dass damals nicht alle evangelischen Einwohner der Region zu Bürgen von Evangelisch Tennenbronn wurden, nicht einmal alle im Dörfle. Diejenigen, die vormals zum Klosteramt St. Georgen gehört hatten, wie zum Beispiel Bauern unterm Dorf, im Eichbach, auf dem Falken, in der Unterschiltach und auf der Hub, wurden mit Beginn der badischen Verwaltung Bürger der neu gegründeten Gemeinde Langenschiltach. Sie kamen erst 1836 mit dem Austausch gegen das Gebiet der Krummenschiltach zu Evangelisch Tennenbronn.

Katholisch und Evangelisch Tennenbronn nur eine Notlösung?

Warum aber steht dann das „katholisch“ und „evangelisch“ in den offiziellen Ortsnamen? Die Antwort ist wohl darin zu suchen, dass man keine besseren Namen gefunden hat. Die zersplitterte Struktur der alten Stäbe machte es schwierig, neutrale Namen zu kreieren, wie sie anderswo üblich waren.

Namen wie „Vorder- und Hinter-, Ober- und Unter-Tennenbronn“ oder vergleichbare Unterscheidungen waren nicht passend. Auch die Wahl eines der Zinkennamen als Bezeichnung für das Ganze wäre eher irreführend gewesen,  gehörten doch zuerst einzelne Höfe noch zur Gemeinde Langenschiltach.

 

Tennenbronner Vereinigung: Warum nicht schon früher?