Noch viel Arbeit: Der Paradieshof Ende Januar von außen… Fotos: him

Der Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik hat Mit­te Janu­ar bei nur einer Gegen­stim­me für die Erhö­hung der Fund­tier­pau­scha­le für den Tier­schutz­ver­ein Schram­berg gestimmt.  Die Erhö­hung von 30 Cent auf 1,50 Euro je Ein­woh­ner hängt auch mit dem Bau des Tier­heims im ehe­ma­li­gen Para­dies­hof auf dem Lien­berg zusam­men.

Ein Mit­glied des Ver­eins, der nach dem Neu­an­fang vor sie­ben Jah­ren auch im Vor­stand aktiv war, erhebt nun schwe­re Vor­wür­fe gegen den seit­he­ri­gen Vor­stand. Das Pro­jekt Para­dies­hof hält Klaus Wil­helm für einen „Wahn­witz“. Da ver­su­che sich der Vor­stand, “ein Denk­mal zu set­zen“. Sei­ner Mei­nung nach hät­te es genü­gend Alter­na­ti­ven gege­ben, „aber das woll­te man nicht“. Auf Nach­fra­ge der NRWZ wider­spricht der heu­ti­ge ers­te Vor­sit­zen­de Clau­dio Di Simio und spricht von einer „Ein­zel­mei­nung“.

Wil­helm erin­nert zunächst an das dama­li­ge „Kat­zen­haus“ im ehe­ma­li­gen Kin­der­gar­ten Mei­er­hof. Beim Neu­an­fang des Ver­eins sei er als Schrift­füh­rer ange­tre­ten und habe immer wie­der Vor­schlä­ge gemacht. Gemein­sam mit Clau­dio di Simio, damals dem zwei­ten Vor­sit­zen­den habe er den Mei­er­hof­kin­der­gar­ten ange­schaut. „Ein­zäu­nen, auf­räu­men, dann funktioniert’s“, sei damals sei­ne Mei­nung gewe­sen. Die Stadt habe damals auch das Öl für die Hei­zung bezahlt. Die feh­len­den Park­plät­ze hät­ten sich leicht schaf­fen las­sen. Er hät­te Hand­wer­ker an der Hand gehabt, die kos­ten­los beim Reno­vie­ren gehol­fen hät­ten.

In die­ser Zeit hat­te der Ver­ein von einem Herrn 130.000 Euro geerbt. Für Wil­helm eine gute Mög­lich­keit mit 20 bis 30.000 Euro den Mei­er­hof­kin­der­gar­ten umzu­bau­en und den Rest für Not­fäl­le auf die hohe Kan­te zu legen. Doch damit sei er nicht durch­ge­drun­gen.

Meierhof: Zoff mit den Nachbarn

Di Simio erin­nert sich an die Besich­ti­gung mit Wil­helm. Es habe aber gute Grün­de gege­ben, wes­halb der ehe­ma­li­ge Kin­der­gar­ten als Tier­heim unge­eig­net war. Zum einen sei­en die Räu­me auch zu den dama­li­gen Bedin­gun­gen für ein Tier­heim nur „bedingt geeig­net“ gewe­sen, zum ande­ren gab es Pro­ble­me mit der Nach­bar­schaft. Als man beim Auf­räu­men auf dem Gelän­de Töp­fe mit Can­na­bis­pflan­zen ent­deckt habe, habe der Ver­ein die Poli­zei infor­miert. „Tags drauf waren alle Schlös­ser mit Sekun­den­kle­ber zuge­klebt.“  Mehr­heit­lich hät­ten die Mit­glie­der gegen den Mei­er­hof­kin­der­gar­ten gestimmt.

Im ver­gan­ge­nen Som­mer hat die Stadt den Mei­er­hof­kin­der­gar­ten abrei­ßen las­sen. Foto: Stadt

Das zwei­te mög­li­che Objekt war ein Haus auf Aich­hal­der Gemar­kung im Gewann Buz. „Das wäre ide­al gewe­sen“, so Wil­helm. Weil es Pro­ble­me mit der Nut­zungs­än­de­rung gab, habe er dem Vor­stand vor­ge­schla­gen, den ehe­ma­li­gen Zim­mer­ner Bür­ger­meis­ter Sieg­fried Kam­me­rer  als Ver­mitt­ler ein­zu­schal­ten, damit die­ser mit sei­ner kom­mu­nal­po­li­ti­schen Erfah­rung und sei­nen Kon­tak­ten „schaut, dass das funk­tio­niert. Das woll­te man nicht.“ Prompt sei es schief gegan­gen.

Buz: Aichhalder Gemeinderat hat’s blockiert

Di Simo kann sich nicht mehr an den Kam­me­rer-Vor­schlag erin­nern. Aller­dings sei es so gewe­sen, dass der Aich­hal­der Gemein­de­rat das Ein­ver­neh­men für das Pro­jekt nicht erteilt habe, obwohl das recht­lich gar nicht mög­lich gewe­sen sei. Die Bau­rechts­be­hör­de im Land­rats­amt  habe den Beschluss des­halb auch auf­ge­ho­ben. Aber der Haus­be­sit­ze­rin habe das Gan­ze zu lan­ge gedau­ert und sie habe ein bis zwei Wochen vor der posi­ti­ven Ent­schei­dung für den Tier­schutz­ver­ein das Haus an einen ande­ren Inter­es­sen­ten ver­kauft. Buz sei also am „unfai­ren Ver­hal­ten des Aich­hal­der Gemein­de­rats“ geschei­tert.

Aich­hal­den – von Rie­sen aus gese­hen.

Wil­helm wie Di Simio berich­ten von wei­te­ren Objek­ten, etwa im Bereich „Sieh Dich für“ bei Hardt, die der Tier­schutz­ver­ein ins Auge gefasst hät­te. Aber auch eine alte Hal­le habe der Ver­ein nicht haben wol­len, kri­ti­siert Wil­helm. Irgend­wann sei für ihn Schluss gewe­sen. „Wenn ihr das Geld ver­bra­ten wollt…“ Inzwi­schen sei­en „sie­ben Jah­re nutz­los ver­gan­gen und für die Tie­re ist nichts gesche­hen“.

Paradieshof: „Das war ein Wahnwitz”

Scharf ins Gericht geht Wil­helm mit dem Tier­schutz­ver­eins­vor­stand wegen des Kaufs des mehr als 300 Jah­re alten  Para­dies­hofs: „Das war ein Wahn­witz, so etwas zu machen.“ Dass damals im Grund­buch kein Wege­recht ein­ge­tra­gen war, habe viel zusätz­li­ches Geld gekos­tet. Bei Para­dies­hof­kauf sei es nicht so sehr um die Tie­re gegan­gen, mut­maßt Wil­helm, als dar­um, sich ein Denk­mal zu set­zen. „Der Mei­er­hof war halt nicht stan­des­ge­mäß.“

Er habe immer dafür plä­diert, mit der Stadt Schram­berg nach einem geeig­ne­ten Grund­stück in einem Gewer­be­ge­biet zu suchen und dann einen Archi­tek­ten mit dem Bau eines ein­fa­chen Hau­ses zu beauf­tra­gen: „Qua­dra­tisch, prak­tisch, gut…Den Tie­ren ist es näm­lich egal, wo sie unter­ge­bracht sind.“ 

Im Dezem­ber 2013: Weil der Ver­ein kein Wege­recht hat­te, muss­te er eine eige­ne Zufahrt direkt neben dem bestehen­den Weg bau­en las­sen. Der Zustand ist bis heu­te unver­än­dert.
Der Weg bleibt gesperrt. Auf­nah­me vom Ende Janu­ar.

Der Kauf des Para­dies­ho­fes habe eine län­ge­re Vor­ge­schich­te, ent­geg­net Di Simio. Als das Gebäu­de dem Ver­ein erst­mals ange­bo­ten wor­den war, sei der Preis „jen­seits von Gut und Böse“ gewe­sen. Schließ­lich stand eine Zwangs­ver­stei­ge­rung an, und der Ver­ein habe kurz davor den Hof gekauft.  Dabei sei man beim Wege­recht „zu blau­äu­gig“ gewe­sen und habe sich auf die Aus­sa­gen des Notars und des Mak­lers ver­las­sen, gibt Di Simio zu.

Lange Vorlaufzeit

Ande­rer­seits erschien der Para­dies­hof dem Ver­ein ide­al. 2012 habe der Ver­ein das Haus gekauft, 2013 Zugang erhal­ten und das Pro­jekt Ende 2013 dem Schram­ber­ger Gemein­de­rat vor­ge­stellt. 2014 habe man einen Zuschuss­an­trag gestellt und die Bau­ge­neh­mi­gung bean­tragt. Erst im August 2015 habe man die Geneh­mi­gung gehabt und im Novem­ber 2015 mit dem Umbau begon­nen. „Bis dahin waren wir zur Untä­tig­keit ver­dammt.“ (In sei­ner Prä­sen­ta­ti­on im Okto­ber 2013 im Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik hat­te Di Simio als Bau­zeit Janu­ar bis Dezem­ber 2014 genannt.)

Im Novem­ber 2017 besich­tig­te der Aus­schuss für Umwelt und Tech­nik die Para­dies­hof­bau­stel­le. Ganz links in der roten Jacke: Clau­dio Di Simio.

Inzwi­schen sei schon eini­ges, etwa die Außen­fas­sa­de, fer­tig­ge­stellt, „vie­les in Eigen­leis­tung der Mit­glie­der.“ Der Tier­schutz­ver­ein habe vie­le Mit­tel für die Reno­vie­rung  erhal­ten, „die wir aber für Fund­tie­re auf­wen­den muss­ten. Das Geld hat für den Para­dies­hof gefehlt.“

Wil­helm ist über­zeugt, nicht der ein­zi­ge zu sein, der die Vor­stand­schaft kri­ti­siert: “Gute Leu­te, die damals beim Neu­start dabei waren, haben sich zurück­ge­zo­gen. Auch der Ver­eins­kas­sie­rer habe inzwi­schen auf­ge­ge­ben. Der Vor­stand prä­sen­tie­re sich „ganz toll im Inter­net und beim Stadt­fest, aber da, wo es drauf ankommt, liegt‘s im Argen.“

Gut 300 Jah­re alte Bau­sub­stanz.

Seit sei­nem Rück­tritt vor fünf Jah­ren sei Klaus Wil­helm nicht mehr im Ver­ein auf­ge­taucht, erwi­dert Di Simio. „Ich glau­be nicht, dass er das beur­tei­len kann.“  Der Kas­sie­rer sei nach sechs Jah­ren aus gesund­heit­li­chen Grün­den zurück­ge­tre­ten, das sei nichts Unge­wöhn­li­ches. Bei jeder Mit­glie­der­ver­samm­lung hät­ten die Mit­glie­der den Vor­stand immer ein­stim­mig ent­las­tet. Wil­helm sei aber seit sei­nem Rück­tritt nie dabei gewe­sen. Die­ser sagt, er habe irgend­wann resi­gniert. Auch beim Para­dies­hof: „Stop­pen kann man jetzt nichts mehr.“