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Sonntag, 23. Februar 2020

Variante 9: „eierlegende Wollmilchsau“

Einwohnerinformation zum Freibad Schramberg in Tennenbronn

Die Modernisierung des Schramberger Freibads in Tennenbronn beschäftigt die Kommunalpolitik schon seit Jahren. Bei einem eher spärlich besuchten Informationsabend berichteten  Verwaltung und Planer über den Stand der Pläne.

Standen Rede und Antwort: Uwe Keppler (Büro Schick und Partner) Stadtwerkechef Peter Kälble und Oberbürgermeister Thomas Herzog (von links).
Foto: him

Nachdem Färbeversuche in den Becken deutlich machten, dass die 40 Jahre alte Technik heutigen Bestimmungen nicht mehr entspricht, hatten die Stadtwerke, Ortschafts- und Gemeinderäte nach einer Lösung gesucht. Oberbürgermeister Thomas Herzog schilderte den Weg bis zur jetzt vorgesehenen Variante 9:

Gemeinsam mit  dem Büro Schick, das auch schon  den Neubau des Sulgener Hallenbads „badschnass“ geplant hatte, suchten die Kommunalpolitiker seit dem Sommer 2016 nach einer Lösung, die den auf CDU-Antrag vorgegebenen Kostenrahmen von 3,4 Millionen Euro nicht überschreiten sollte. Weil die erste Lösung unbefriedigend war, setzte der Rat eine Arbeitsgruppe aus Stadt, und Ortschaftsräten, Planern und Vertretern der Stadt und Stadtwerke ein.

Viele Varianten bis zur Lösung

Nach vielen Sitzungen und einer Besichtigungsfahrt legten die Planer Variante 9 für knapp vier Millionen Euro vor. Hinzu käme die sanierte Halbschalenrutsche für  324.000 Euro. Stadtwerkeleiter Peter Kälble sprach von „sehr intensiven Diskussionen“. Im November beschloss der Rat Variante 9 weiter zu verfolgen.

Dabei würde zwar der Sprungbereich entfallen. Es bliebe aber  das Schwimmerbecken mit sechs Bahnen und 33 Meter Länge erhalten. Der Nichtschwimmerbereich bekäme zusätzlich eine Wellenrutsche. Das Kinderplanschbecken würde zum Technikbereich verlagert. Dort kämen Umkleide- und Sanitärräume hinzu. An den Bauten würde wenig verändert, lediglich die Sanitäranlagen kämen in den derzeitigen Umkleidebereich.

So soll das Freibad nach der Modernisierung aussehen. Grafik: Stadt

Kälble betonte, man stehe noch am Anfang des Planungsprozesses: „Wir haben noch gehörig zu tun.“ Uwe Keppler von Schick und Partner erläuterte die Details des Entwurfes und welche Verbesserungen etwa im Kinderbereich vorgesehen sind.

Wunschliste: Von Sprungturm bis Wärmehalle

In der Diskussion bedauerte Kerstin Heinlein, dass die Bürger so spät einbezogen würden und fragte, inwiefern der Tourismus mitbedacht werde. Herzog erklärte, der Gemeinderat habe das Verfahren so beschlossen und die Arbeitsgruppe als Gremium eingesetzt. Im städtischen Tourismuskonzept sei das Freibad enthalten.

Kerstin Heinlein. Foto: him

Der fraktionslose Stadtrat Jürgen Reuter mahnte, man müsse Sicherheitsaspekte bei der Anordnung des Kinderbereichs stärker berücksichtigen. Die Aufsicht werde nicht anders als bisher gewährleistet, so Kälble. Bäderleiter Joachim Ragg geht davon aus, dass über eine Aufsichtsplattform im Schwachbetrieb die Aufsicht „gut zu machen sein wird“. Bei großem Andrang werde er wie bisher Rettungsschwimmer als Zusatzkräfte einsetzen.

CDU-Stadtrat Uli Bauknecht lobte Variante 9 als die „eierlegende Wollmilchsau“, weil sie alle Zielgruppen anspreche. Auf Nachfrage, weshalb der Sprungbereich entfalle, verwies OB Herzog auf das Gesamtbudget, das sonst nicht einzuhalten wäre. Stadtrat Mirko Witkowski (SPD-Buntspecht) erinnerte an 640.000 Euro Mehrkosten beim Bau und die hohen Folgekosten. Im übrigen befürwortete er die gefundene Lösung.

CDU-Rätin Renate Hilser sprach von einer „sehr guten Planung“. Ihr Ortschaftsratskollege Robert Hermann versicherte, sehr viele Kritikpunkte seien in der Variante 9 aufgefangen worden. Freie-Liste-Rat Ralf Rückert betonte:„Die Sprunganlage ist bei dem finanziellen Rahmen nicht möglich.“ Auch Sicherheitsaspekte sprächen gegen Sprunganlagen.

Freibad ist wetterabhängig

Irene Moosmann aus Tennenbronn fragte, ob nicht eine Wärmehalle mit Schwimmkanal  ins Becken möglich wäre. Eine Beckenabdeckung, wie vorgeschlagen, sei nicht wirtschaftlich, so Kälble auf eine entsprechende Frage. Anders als das „badschnass“, bei dem die Besucherzahlen weiterhin steigen, sei das Freibad stark vom Wetter abhängig. Kälble rechnet mit etwa 60.000 Besuchern bei gutem Wetter. In den vergangenen  Jahren zählte man zwischen 40.000 und 50.000 Badegästen. 2017 waren es allerdings deutlich weniger.

Stadtwerkeleiter Peter Kälble. Foto: him

Frank Moosmann schlug vor, statt eines Sprungturms wenigstens ein Trampolin anzubieten. Gefragt, weshalb das Freibad eine Saison geschlossen werden soll, erläuterte Herzog, dass sich die Planer davon bessere Ausschreibungsergebnisse erhoffen. Auch sei es keineswegs sicher, dass, wenn über den Winter gebaut wird, das Bad wirklich im Sommer öffnen kann. „Wenn wir einen langen Winter mit Frost bis im April haben…“

Der Gemeinderat werde nun die Anregungen prüfen und sehen, welche Änderungen noch eingefügt werden sollten. Vor der Sommerpause werde dann der Beschluss für eine Variante fallen, „die wir dann umsetzen“.

 

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