Variante 9: „eierlegende Wollmilchsau“

Einwohnerinformation zum Freibad Schramberg in Tennenbronn

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Begrenztes Interesse: viele Plätze blieben in der Aula des Gymnasiums bei der Bürgerinformation zum Schramberger Freibad in Tennenbronn leer. Foto: him

Die Moder­ni­sie­rung des Schram­ber­ger Frei­bads in Ten­nen­bronn beschäf­tigt die Kom­mu­nal­po­li­tik schon seit Jah­ren. Bei einem eher spär­lich besuch­ten Infor­ma­ti­ons­abend berich­te­ten  Ver­wal­tung und Pla­ner über den Stand der Plä­ne.

Stan­den Rede und Ant­wort: Uwe Kepp­ler (Büro Schick und Part­ner) Stadt­werke­chef Peter Kälb­le und Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog (von links).
Foto: him

Nach­dem Fär­be­ver­su­che in den Becken deut­lich mach­ten, dass die 40 Jah­re alte Tech­nik heu­ti­gen Bestim­mun­gen nicht mehr ent­spricht, hat­ten die Stadt­wer­ke, Ort­schafts- und Gemein­de­rä­te nach einer Lösung gesucht. Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog schil­der­te den Weg bis zur jetzt vor­ge­se­he­nen Vari­an­te 9:

Gemein­sam mit  dem Büro Schick, das auch schon  den Neu­bau des Sul­ge­ner Hal­len­bads „bad­sch­nass“ geplant hat­te, such­ten die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker seit dem Som­mer 2016 nach einer Lösung, die den auf CDU-Antrag vor­ge­ge­be­nen Kos­ten­rah­men von 3,4 Mil­lio­nen Euro nicht über­schrei­ten soll­te. Weil die ers­te Lösung unbe­frie­di­gend war, setz­te der Rat eine Arbeits­grup­pe aus Stadt, und Ort­schafts­rä­ten, Pla­nern und Ver­tre­tern der Stadt und Stadt­wer­ke ein.

Viele Varianten bis zur Lösung

Nach vie­len Sit­zun­gen und einer Besich­ti­gungs­fahrt leg­ten die Pla­ner Vari­an­te 9 für knapp vier Mil­lio­nen Euro vor. Hin­zu käme die sanier­te Halb­scha­len­rut­sche für  324.000 Euro. Stadt­wer­ke­lei­ter Peter Kälb­le sprach von „sehr inten­si­ven Dis­kus­sio­nen“. Im Novem­ber beschloss der Rat Vari­an­te 9 wei­ter zu ver­fol­gen.

Dabei wür­de zwar der Sprung­be­reich ent­fal­len. Es blie­be aber  das Schwim­mer­be­cken mit sechs Bah­nen und 33 Meter Län­ge erhal­ten. Der Nicht­schwim­mer­be­reich bekä­me zusätz­lich eine Wel­len­rut­sche. Das Kin­der­plansch­be­cken wür­de zum Tech­nik­be­reich ver­la­gert. Dort kämen Umklei­de- und Sani­tär­räu­me hin­zu. An den Bau­ten wür­de wenig ver­än­dert, ledig­lich die Sani­tär­an­la­gen kämen in den der­zei­ti­gen Umklei­de­be­reich.

So soll das Frei­bad nach der Moder­ni­sie­rung aus­se­hen. Gra­fik: Stadt

Kälb­le beton­te, man ste­he noch am Anfang des Pla­nungs­pro­zes­ses: „Wir haben noch gehö­rig zu tun.“ Uwe Kepp­ler von Schick und Part­ner erläu­ter­te die Details des Ent­wur­fes und wel­che Ver­bes­se­run­gen etwa im Kin­der­be­reich vor­ge­se­hen sind.

Wunschliste: Von Sprungturm bis Wärmehalle

In der Dis­kus­si­on bedau­er­te Kers­tin Hein­lein, dass die Bür­ger so spät ein­be­zo­gen wür­den und frag­te, inwie­fern der Tou­ris­mus mit­be­dacht wer­de. Her­zog erklär­te, der Gemein­de­rat habe das Ver­fah­ren so beschlos­sen und die Arbeits­grup­pe als Gre­mi­um ein­ge­setzt. Im städ­ti­schen Tou­ris­mus­kon­zept sei das Frei­bad ent­hal­ten.

Kers­tin Hein­lein. Foto: him

Der frak­ti­ons­lo­se Stadt­rat Jür­gen Reu­ter mahn­te, man müs­se Sicher­heits­as­pek­te bei der Anord­nung des Kin­der­be­reichs stär­ker berück­sich­ti­gen. Die Auf­sicht wer­de nicht anders als bis­her gewähr­leis­tet, so Kälb­le. Bäder­lei­ter Joa­chim Ragg geht davon aus, dass über eine Auf­sichts­platt­form im Schwach­be­trieb die Auf­sicht „gut zu machen sein wird“. Bei gro­ßem Andrang wer­de er wie bis­her Ret­tungs­schwim­mer als Zusatz­kräf­te ein­set­zen.

CDU-Stadt­rat Uli Bauknecht lob­te Vari­an­te 9 als die „eier­le­gen­de Woll­milch­sau“, weil sie alle Ziel­grup­pen anspre­che. Auf Nach­fra­ge, wes­halb der Sprung­be­reich ent­fal­le, ver­wies OB Her­zog auf das Gesamt­bud­get, das sonst nicht ein­zu­hal­ten wäre. Stadt­rat Mir­ko Wit­kow­ski (SPD-Bunt­specht) erin­ner­te an 640.000 Euro Mehr­kos­ten beim Bau und die hohen Fol­ge­kos­ten. Im übri­gen befür­wor­te­te er die gefun­de­ne Lösung.

CDU-Rätin Rena­te Hil­ser sprach von einer „sehr guten Pla­nung“. Ihr Ort­schafts­rats­kol­le­ge Robert Her­mann ver­si­cher­te, sehr vie­le Kri­tik­punk­te sei­en in der Vari­an­te 9 auf­ge­fan­gen wor­den. Freie-Lis­te-Rat Ralf Rück­ert betonte:„Die Sprung­an­la­ge ist bei dem finan­zi­el­len Rah­men nicht mög­lich.“ Auch Sicher­heits­as­pek­te sprä­chen gegen Sprung­an­la­gen.

Freibad ist wetterabhängig

Ire­ne Moos­mann aus Ten­nen­bronn frag­te, ob nicht eine Wär­me­hal­le mit Schwimm­ka­nal  ins Becken mög­lich wäre. Eine Becken­ab­de­ckung, wie vor­ge­schla­gen, sei nicht wirt­schaft­lich, so Kälb­le auf eine ent­spre­chen­de Fra­ge. Anders als das „bad­sch­nass“, bei dem die Besu­cher­zah­len wei­ter­hin stei­gen, sei das Frei­bad stark vom Wet­ter abhän­gig. Kälb­le rech­net mit etwa 60.000 Besu­chern bei gutem Wet­ter. In den ver­gan­ge­nen  Jah­ren zähl­te man zwi­schen 40.000 und 50.000 Bade­gäs­ten. 2017 waren es aller­dings deut­lich weni­ger.

Stadt­wer­ke­lei­ter Peter Kälb­le. Foto: him

Frank Moos­mann schlug vor, statt eines Sprung­turms wenigs­tens ein Tram­po­lin anzu­bie­ten. Gefragt, wes­halb das Frei­bad eine Sai­son geschlos­sen wer­den soll, erläu­ter­te Her­zog, dass sich die Pla­ner davon bes­se­re Aus­schrei­bungs­er­geb­nis­se erhof­fen. Auch sei es kei­nes­wegs sicher, dass, wenn über den Win­ter gebaut wird, das Bad wirk­lich im Som­mer öff­nen kann. „Wenn wir einen lan­gen Win­ter mit Frost bis im April haben…“

Der Gemein­de­rat wer­de nun die Anre­gun­gen prü­fen und sehen, wel­che Ände­run­gen noch ein­ge­fügt wer­den soll­ten. Vor der Som­mer­pau­se wer­de dann der Beschluss für eine Vari­an­te fal­len, „die wir dann umset­zen“.

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