Verschollener Bilderschatz wieder entdeckt

Das Fotoarchiv von Hans Albrecht zur Geschichte der Stadt Schramberg nach mehr als fünf Jahrzehnten gefunden

382

Abb. 1: Martin Maurer und Hans Haaser vom Museums- und Geschichtsverein Schramberg bei der Übergabe des „Archivs Albrecht“ an Museumsleiter und Stadtarchivar Carsten Kohlmann

Foto: Ewald Graf

In die­ser Woche haben das Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um Schram­berg ein sehr wert­vol­les Geschenk erhal­ten. Der Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg hat das über fünf Jahr­zehn­te ver­schol­le­ne Foto­ar­chiv von Hans Albrecht mit etwa 2000 Bil­dern über­ge­ben.

Das Foto­ar­chiv wur­de von den 1930er- bis 1960er-Jah­ren von Hans Albrecht (1901 bis 1974) ange­legt, der 1923 als Tech­ni­ker aus Sach­sen-Anhalt zu den Uhren­fa­bri­ken Gebrü­der Jung­hans AG nach Schram­berg gekom­men war. Durch die Hei­rat im Jahr 1930 mit Emi­lie Haa­ga, einer Toch­ter von Franz Xaver Haa­ga und Emi­lie Haa­ga, kam er in eine Fami­lie, die eng mit der Geschich­te der Stadt Schram­berg ver­bun­den war.

Sein Schwie­ger­va­ter war von 1889 bis 1926 der Rent­amt­mann der Gra­fen Cajetan von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg, Fer­di­nand von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg und zuletzt Cajetan von Bis­sin­gen und Nip­pen­burg und hat­te an ihrer Sei­te das Ende der alten Adels­herr­schaft im Über­gang von der Mon­ar­chie im wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich zur Demo­kra­tie in der Wei­ma­rer Repu­blik erlebt. Im Dop­pel­haus Tier­stein­stra­ße 5/7 befand sich bis Mit­te der 1970er-Jah­re im rech­ten Gebäu­de­teil das Gräf­lich-Bis­sin­gi­sche Rent­amt. Von den 1920er- bis 1960er-Jah­ren führ­te Emi­lie Albrecht im lin­ken Gebäu­de­teil das belieb­te „Hotel-Pen­si­on Haa­ga“.

Das Dop­pel-Haus in der Tier­stein­stra­ße heu­te. Foto: him

Beim Auf­bau des Foto­ar­chivs arbei­te­te Hans Albrecht mit dem etwa alters­glei­chen Foto­gra­fen Franz Kasen­ba­cher (1898 bis 1985) zusam­men, der 1925 aus Bay­ern nach Schram­berg gekom­men war. Franz Kasen­ba­cher fer­tig­te von vie­len Bil­dern aus Pri­vat­be­sitz Repro­duk­tio­nen an, die Hans Albrecht auf einen Kar­ton auf­kleb­te und mit der Prä­zi­si­on eines Tech­ni­kers beschrif­te­te. In Gesprä­chen mit alten Schram­ber­gern ermit­tel­te er vie­le Namen der abge­bil­de­ten Per­so­nen, die heu­te nicht mehr fest­stell­bar wären.

Herausragendes Privatarchiv

Im Lauf der Zeit ent­stand durch die­se Sam­mel­tä­tig­keit ein her­aus­ra­gen­des Pri­vat­ar­chiv. Ein gro­ßer Teil der Bil­der stammt von den bei­den Foto­gra­fen Carl Faist I und Carl Faist II, deren Archiv bis auf einen im Jahr 2011 vom Stadt­ar­chiv Schram­berg ent­deck­ten und erwor­be­nen Rest lei­der größ­ten­teils ver­lo­ren gegan­gen ist. Umso wert­vol­ler waren – und sind – die in der Samm­lung von Hans Albrecht ent­hal­te­nen Ori­gi­na­le und Repro­duk­tio­nen. Zum 100-jäh­ri­gen Stadt­ju­bi­lä­um stell­te Hans Albrecht sein Bild­ma­te­ri­al für das „Lie­bes hun­dert­jäh­ri­ges Schram­berg“ zur Ver­fü­gung, das vor einem begeis­ter­ten Publi­kum auf­ge­führt wur­de. Auch meh­re­re Bil­der in dem Fest­buch „Das ist Schram­berg“ kamen aus sei­nem Bestand.

Was sie­ben Jah­re spä­ter nach dem Tod von Hans Albrecht aus dem Foto­ar­chiv wur­de, blieb lan­ge unbe­kannt, bis 2011 ein ers­ter Teil wie­der über­ra­schend auf­tauch­te. Hans von Zep­pe­lin über­gab dem Stadt­ar­chiv Schram­berg aus dem Nach­lass sei­nes Vaters Kurt von Zep­pe­lin einen Bil­der­be­stand zur Geschich­te der Fami­lie Jung­hans und der Uhren­fa­brik Jung­hans, der ganz offen­sicht­lich von Hans Albrecht ange­legt wor­den war. Der Fund weck­te die Hoff­nung, dass auch der übri­ge Teil des Foto­ar­chi­ves eines Tages wie­der ans Licht kom­men wür­de.

Am Mon­tag die­ser Woche ist die­se Hoff­nung nun Rea­li­tät gewor­den, als Mar­tin Mau­rer und Hans Haa­ser vom Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg den Bestand dem Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um Schram­berg über­ga­ben. Die etwa 2000 Bil­der waren im Nach­lass des ehe­ma­li­gen Notars Gün­ter Höl­scher , eines Freun­des von Hans Albrecht, erhal­ten geblie­ben. Sei­ne Toch­ter Rod­traut Höl­scher in Eutin­gen im Gäu über­ließ die Bil­der dem Muse­ums- und Geschichts­ver­ein Schram­berg, der sie wie­der­um dem Stadt­ar­chiv und Stadt­mu­se­um Schram­berg über­ge­ben hat, das bereits meh­re­re ande­re bedeu­ten­de Foto­ar­chi­ve ver­wahrt.

Eini­ge Benut­zer zeig­ten sich am Mitt­woch im Stadt­ar­chiv Schram­berg bereits begeis­tert über den Zugang. Der Hei­mat­for­scher Die­ter Kohl­mann fand Bil­der für sei­nen dies­jäh­ri­gen Bei­trag zur Geschich­te der alten Stei­ge in der „D’Kräz“, der Archäo­lo­ge Moritz See­bur­ger ent­deck­te der ältes­ten bis­her bekannt gewor­de­nen Bil­der der ört­li­chen Burg­rui­nen und auch der Eisen­bahn­for­scher Klaus Lam­bek wur­de bereits fün­dig. Im kom­men­den Jahr soll das Foto­ar­chiv in einem Vor­trag im Jah­res­pro­gramm des Muse­ums- und Geschichts­ver­eins Schram­berg aus­führ­lich der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wer­den.

Diesen Beitrag teilen …